Wirtschaft wĂ€chst leicht zu Jahresstart - aber Ausblick trĂŒb
30.04.2025 - 10:42:35(neu: Ăkonomenstimmen und mehr Details)
FRANKFURT (dpa-AFX) - Trotz eines Mini-Wachstums im ersten Quartal droht der deutschen Wirtschaft das nÀchste Krisenjahr. Zwar hat die Wirtschaftsleistung in den ersten drei Monaten um 0,2 Prozent zum Vorquartal zugelegt, wie das Statistische Bundesamt anhand vorlÀufiger Daten errechnet hat. Sowohl die privaten Konsumausgaben als auch die Investitionen seien gewachsen.
Doch im Gesamtjahr droht das dritte Rezessionsjahr in Folge, nicht zuletzt, weil sich mit der aggressiven Zollpolitik von US-PrĂ€sident Donald Trump die Konjunkturaussichten weltweit eingetrĂŒbt haben. Im Schlussquartal 2024 war die deutsche Wirtschaft noch um 0,2 Prozent geschrumpft.
"Weg aus der Stagnation ist lang"
"Das Plus gegenĂŒber dem vierten Quartal sollte nicht darĂŒber hinwegtĂ€uschen, dass die deutsche Wirtschaft nicht vor einer langjĂ€hrigen, krĂ€ftigen Erholung steht", sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg KrĂ€mer. Zwar dĂŒrfte das riesige Finanzpaket des Bundes die Konjunktur im kommenden Jahr anschieben. Viele Unternehmen vermissten aber "einen wirtschaftspolitischen Neustart, der nach der jahrelangen Erosion der StandortqualitĂ€t notwendig wĂ€re".
Die schwache Konjunktur macht sich am Arbeitsmarkt bemerkbar. Zwar sank die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland im April dank einer leichten FrĂŒhjahresbelebung um 36.000 gemessen am Vormonat auf 2,932 Millionen Menschen. Das sind aber 182.000 mehr als vor einem Jahr, wie die Bundesagentur fĂŒr Arbeit in NĂŒrnberg mitteilte.
Zollstreit trĂŒbt Konjunkturhoffnungen
US-PrĂ€sident Donald Trump hat mit seinem XXL-Zollpaket Handelspartner und FinanzmĂ€rkte in Aufruhr versetzt, sein Zickzack-Kurs sorgt fĂŒr zusĂ€tzliche Unsicherheit - das ist Gift fĂŒr die Weltwirtschaft.
Der scharfe Gegenwind durch die US-Zölle werde sich wohl erst im zweiten Halbjahr so richtig bei den deutschen Exporten widerspiegeln, sagte Michael Herzum, Leiter Volkswirtschaft beim Fondsanbieter Union Investment. Viele Unternehmen hÀtten ihre Exporte in Erwartung höherer Zölle vorgezogen. Daher könnte die Wirtschaftsleistung im kommenden Quartal noch solide ausfallen. "Der Weg aus der Stagnation der letzten Jahre ist aber lang."
Deutschland ist als Exportnation von Trumps Zolloffensive besonders betroffen: Die USA sind Deutschlands wichtiger Handelspartner vor China und den Niederlanden und gröĂter Abnehmer deutscher Ausfuhren. 2024 gingen gut zehn Prozent aller deutschen Exporte - Waren im Gesamtwert von gut 161 Milliarden Euro - in die Vereinigten Staaten.
Deutsche Wirtschaft in der Dauer-Krise
Statt dem ersehnten Aufschwung nach zwei Jahren Flaute droht Europas gröĂter Volkswirtschaft das dritte Jahr ohne Wachstum in Folge - das gab es noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik. Reihenweise wurden in den vergangenen Wochen die ohnehin schon niedrigen Erwartungen gesenkt.
Die geschĂ€ftsfĂŒhrende Bundesregierung erwartet fĂŒr dieses Jahr eine Stagnation des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Im Januar hatte sie noch mit einem Plus von 0,3 Prozent gerechnet. Auch der Internationale WĂ€hrungsfonds (IWF) traut der deutschen Wirtschaft im laufenden Jahr kein Wachstum zu. Der IWF rechnet wegen Trumps aggressiver Zollpolitik mit einer globalen Wachstumsflaute.
Neue Bundesregierung will Wirtschaft ankurbeln
Union und SPD haben sich vorgenommen, nach dem Regierungswechsel in Berlin etliche MaĂnahmen rasch auf den Weg zu bringen, um die heimische Wirtschaft anzukurbeln: geringere Energiekosten und Unternehmenssteuern, flexibleres Arbeitsrecht, weniger BĂŒrokratie. Die CDU-Politikerin und Energiemanagerin Katherina Reiche soll die Nachfolge von Robert Habeck (GrĂŒne) antreten und die deutsche Wirtschaft aus der Krise fĂŒhren.
BeflĂŒgelt werden dĂŒrfte die heimische Konjunktur durch das gewaltige Milliarden-Paket des Bundes fĂŒr Verteidigung und Infrastruktur - wenn auch nicht sofort. Der IWF erwartet von 2026 an positive Auswirkungen des milliardenschweren Finanzpakets auf die deutsche Wirtschaft. Dann könnte die Konjunkturflaute hierzulande nach EinschĂ€tzung von Ăkonomen ein Ende haben: Sie trauen der deutschen Wirtschaft 2026 zwischen einem und eineinhalb Prozent Wachstum zu.

