Macron, EU-Mercosur-Freihandelsabkommen

Macron tritt bei EU-Mercosur-Freihandelsabkommen auf die Bremse

30.01.2024 - 15:44:17

Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron macht angesichts von Bauernprotesten Druck auf die EU, den Abschluss eines Freihandelsabkommens mit dem sĂŒdamerikanischen WirtschaftsbĂŒndnis Mercosur aufzuschieben.

"Wir möchten, dass das Abkommen in seiner jetzigen Form nicht unterzeichnet wird", sagte Macron am Dienstag in Stockholm bei einem Staatsbesuch. Frankreich sei gegen das Abkommen in seiner aktuellen Form, weil es mehrere Jahre alt sei und weder den Landwirten noch den Mercosur-Industriellen Regeln auferlege, die mit EU-Regeln vereinbar seien.

Auch gegenĂŒber EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen habe Macron in den letzten Tagen mit grĂ¶ĂŸter Entschiedenheit wiederholt, dass ein Abschluss des Abkommens angesichts der Proteste von Landwirten in verschiedenen LĂ€ndern unmöglich sei, hieß es am Dienstag aus dem ÉlysĂ©epalast in Paris. Nach französischem VerstĂ€ndnis habe die Kommission ihre UnterhĂ€ndler angewiesen, die laufenden Verhandlungen in Brasilien abzubrechen.

Ein Sprecher der EU-Kommission wollte sich am Dienstag nicht zu Details der GesprĂ€che zwischen der KommissionsprĂ€sidentin und Macron Ă€ußern und auch nicht Aussagen aus Paris bestĂ€tigen, nach denen die EU-Kommission einer Verhandlungspause zugestimmt und UnterhĂ€ndler aus Brasilien zurĂŒckbeordert habe. Er stellte allerdings klar, dass derzeit auch aus Sicht der EU-Kommission die Voraussetzungen fĂŒr einen Abschluss eines Abkommens mit den Mercosur-Staaten nicht erfĂŒllt seien.

Die Diskussionen gingen aber weiter, betonte der Sprecher. Ziel sei ein Abkommen, das im Einklang mit den Nachhaltigkeitszielen der EU stehe und auch die Sorgen der Landwirtschaft adressiere. Die Interessen der Bauern seien eine PrioritĂ€t. So wehren sich die Landwirte in Frankreich dagegen, dass fĂŒr Erzeugnisse im eigenen Land hohe Auflagen gelten, die fĂŒr importierte Ware nach dem angestrebten Abkommen nicht greifen wĂŒrden.

Mit dem Abkommen wĂŒrde eine der weltweit grĂ¶ĂŸten Freihandelszonen mit mehr als 700 Millionen Einwohnern entstehen. Es soll vor allem Zölle abbauen und damit den Handel ankurbeln. Seit 2019 liegt das fertig ausgehandelte Abkommen allerdings auf Eis. Der Vertrag ist sowohl in SĂŒdamerika als auch in Europa umstritten. Einige LĂ€nder wollen ihre MĂ€rkte schĂŒtzen, andere fĂŒrchten die Aufweichung von Arbeits- oder Umweltstandards.

Der Freihandelsexperte der FDP-Bundestagsfraktion, Carl-Julius Cronenberg, bezeichnete das französische Vorgehen als unverstĂ€ndlich. Es liege nun an Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), mit Macron einen Ausweg zu finden. Nach den 20 Jahre langen Verhandlungen ĂŒber das Abkommen nicht zu einem Abschluss zu kommen, wĂŒrde gleichermaßen Europa und Brasilien schwĂ€chen.

Die Handelsexpertin der Umweltschutzorganisation Greenpeace, Lis Cunha, forderte von der Bundesregierung, sich Macron anzuschließen und die EU-Kommission zum Stopp des naturschĂ€dlichen und veralteten Vertrags zu bewegen.

Bundeskanzler Scholz hatte zuletzt Anfang Dezember auf einen raschen Abschluss des Freihandelsabkommens gedrĂ€ngt. Mit Pragmatismus und Kompromissbereitschaft mĂŒsse es gelingen, das Abkommen auszuverhandeln.

@ dpa.de