Deutschland, Gesellschaft

«Keine seltene Spezies mehr»: Managerinnen verdienen weniger

19.10.2025 - 05:00:14

Frauen sind in den VorstÀnden von Börsenkonzernen in der Minderheit, aber lÀngst keine Ausnahme mehr. Das wirkt sich negativ auf ihre GehÀlter aus. Ein langer Trend bei der Bezahlung hat sich gedreht.

  • Merck-Chefin BelĂ©n Garijo war 2024 laut Studie die bestbezahlte Managerin (Archivbild) - Foto: Arne Dedert/dpa

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  • Immer mehr Frauen ziehen in die VorstĂ€nde von Dax-Konzernen ein (Illustration) - Foto: Annette Riedl/dpa

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  • Helen Giza, Chefin von Fresenius Medical Care, zĂ€hlt zu den wenigen weiblichen CEOs (Archivbild) - Foto: Boris Roessler/dpa

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Merck-Chefin Belén Garijo war 2024 laut Studie die bestbezahlte Managerin (Archivbild) - Foto: Arne Dedert/dpaImmer mehr Frauen ziehen in die VorstÀnde von Dax-Konzernen ein (Illustration) - Foto: Annette Riedl/dpaHelen Giza, Chefin von Fresenius Medical Care, zÀhlt zu den wenigen weiblichen CEOs (Archivbild) - Foto: Boris Roessler/dpa

Die Top-Managerinnen der grĂ¶ĂŸten deutschen Börsenkonzerne haben 2024 deutlich weniger verdient und sind hinter ihre mĂ€nnlichen Kollegen zurĂŒckgefallen. Das Gehalt weiblicher Vorstandsmitglieder im Dax, MDax und SDax ist krĂ€ftig gesunken, wĂ€hrend die MĂ€nner etwas mehr verdient haben. Das zeigt eine Studie der Beratungsgesellschaft EY, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Damit habe sich ein langjĂ€hriger Trend umgekehrt: Erstmals seit 2014 erhielten Frauen in den VorstĂ€nden der Spitzenunternehmen weniger Geld als MĂ€nner. 

Deutlich weniger Geld fĂŒr neue Top-Managerinnen

Noch vor einigen Jahren gab es nur sehr wenige Frauen in VorstĂ€nden von Börsenkonzernen, was sich positiv auf ihr Gehalt auswirkte - sodass Managerinnen hier die MĂ€nner ĂŒberholten. Doch das habe sich geĂ€ndert, erklĂ€rt EY-Partner Jens Massmann. «Die Zeiten, als weibliche VorstĂ€nde eine seltene Spezies waren und teils sehr hohe GehĂ€lter fordern konnten, sind vorbei.» Heute stiegen Top-Managerinnen mit einem niedrigeren Gehalt ein, was das gesamte GehaltsgefĂŒge der weiblichen Vorstandsmitglieder drĂŒcke.

Konkret sank 2024 die VergĂŒtung weiblicher Vorstandsmitglieder in den Unternehmen aus den drei Dax-Indizes auf durchschnittlich 2,15 Millionen Euro (ohne Chefposten). Das waren elf Prozent weniger als im Vorjahr. Ihre mĂ€nnlichen Kollegen verbuchten dagegen ein leichtes Plus von 0,4 Prozent auf 2,27 Millionen Euro. Insgesamt sank die VergĂŒtung der VorstĂ€nde damit um drei Prozent auf im Mittel 2,57 Millionen Euro. Ebenso stark fiel das Gehalt der Vorstandschefs.

Bestbezahlte Managerin war laut Studie Merck-Chefin Belen Garijo mit 7,6 Millionen Euro. Auf sie folgte Deutsche-Bank-VorstÀndin Rebecca Short (6,5 Mio. Euro) und Helen Giza, Chefin von Fresenius Medical Care (5,7 Millionen Euro). Auch VW-VorstÀndin Hauke Stars und Merck-Finanzchefin Helene von Roeder zÀhlten zu den Topverdienerinnen.

FĂŒr die Studie hat EY die VergĂŒtung von 368 Vorstandsmitgliedern der grĂ¶ĂŸten Börsenunternehmen analysiert, die das komplette GeschĂ€ftsjahr im Vorstand waren. Darunter war die Rekordzahl von 88 Frauen, ein Anteil von fast einem Viertel (23,9 Prozent). Zehn Jahre zuvor waren es erst 6,4 Prozent. Betrachtet wurde die GesamtvergĂŒtung aus Fixgehalt sowie kurz- und langfristigen Boni.

Große GehaltslĂŒcke im Dax

Eine besonders große GehaltslĂŒcke gibt es im Leitindex Dax. Dort stieg die VergĂŒtung mĂ€nnlicher VorstĂ€nde 2024 auf im Schnitt 3,38 Millionen Euro, wĂ€hrend das Gehalt der Top-Managerinnen auf 2,92 Millionen Euro sank - rund eine halbe Million weniger. Im Mittelwerte-Index MDax und im Kleinwerte-Index SDax war die Kluft geringer.

Wirtschaftskrise schlÀgt auf GehÀlter durch

Das Sinken der VorstandsgehĂ€lter insgesamt fĂŒhrt Massmann auch auf schwache GeschĂ€fte einiger Unternehmen in der Wirtschaftskrise zurĂŒck. Das habe auf die VergĂŒtung durchgeschlagen, die noch 2023 stark gestiegen war. Viele Unternehmen hĂ€tten die eigenen Ziele verfehlt und massiv Kosten gespart. «In solch einem Umfeld sind hohe Gehaltssteigerungen schwierig zu rechtfertigen.»

@ dpa.de