Reaktionen auf China-Strategie positiv - Kritik an Umsetzung
13.07.2023 - 21:33:52"Die Strategie ist ein Schritt nach vorne. Da wird vieles angesprochen und gedanklich vorbereitet, das uns bevorsteht", sagte der PrĂ€sident des Kiel Institut fĂŒr Weltwirtschaft (IfW), Moritz Schularick, der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Freitagausgabe).
Die Strategie sei allerdings "ein bisschen dĂŒnn, wenn es um die Umsetzung geht". Was beispielsweise genau ein Klumpenrisiko eines Unternehmens ist und was daraus folgt, bliebe noch unklar. Clemens Fuest, PrĂ€sident des Ifo-Instituts in MĂŒnchen, lobte, dass die Strategie "eine Mittelposition einnimmt und damit SpielrĂ€ume lĂ€sst". Probleme wĂŒrden klar angesprochen, zum Beispiel die fehlenden ReziprozitĂ€t beim Marktzugang. Es sei richtig, auf eine Diversifikation der Lieferketten hinzuwirken - nicht auf eine wirtschaftliche Autarkie, die viel zu teuer wĂŒrde. "Und Unternehmen bekommen die klare Botschaft, dass ihre Risiken im Krisenfall nicht auf den Staat abgewĂ€lzt werden", sagte Fuest der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Freitagausgabe). JĂŒrgen Matthes, Leiter des Clusters Globale und regionale MĂ€rkte beim arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft Köln sagte, die China-Strategie der Bundesregierung analysiere "bemerkenswert offen das schwierige VerhĂ€ltnis zu China". Bei den Handlungsempfehlungen gebe es "viele richtige und wichtige AnsĂ€tze - doch manches greift noch zu kurz", so Matthes. "Es fehlt vor allem an einem konkreten Konzept, wie das dringend nötige De-Risking funktionieren soll." Dirk Jandura, PrĂ€sident des Bundesverbandes GroĂhandel, AuĂenhandel, Dienstleistungen (BGA) erklĂ€rte, die Pandemie und der russische Angriff auf die Ukraine hĂ€tten gezeigt, dass es sinnvoll sei, Handelsrisiken zu reduzieren. "Dementsprechend ist es auch richtig, die Belastbarkeit der deutsch-chinesischen BrĂŒcke zu prĂŒfen", so Jandura. "Es wĂ€re aber falsch, sie abzureiĂen. Risiken zu minimieren bedeutet nicht, alle GeschĂ€ftsbeziehungen aufzugeben. DafĂŒr sind die deutsche und die chinesische Wirtschaft auch viel zu verwoben", sagte er weiter. Der Vorsitzende des AuswĂ€rtigen Ausschusses im Bundestag, Michael Roth (SPD), hat die Vorlage der China-Strategie der Bundesregierung als Schritt zu einer realistischeren Betrachtung Chinas begrĂŒĂt. "Die China-Strategie ist bei der Neuausrichtung der deutschen China-Politik ein wichtiges Etappenziel", sagte Roth dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" (Freitagausgaben). Allzu lange seien unter Bundeskanzlerin Angela Merkel Probleme ausgeblendet worden, beklagte Roth. Man habe "an der `Business-First`-Devise festgehalten und die vielen bedrohlichen Entwicklungen in China ignoriert". China habe sich aber unter der FĂŒhrung von PrĂ€sident Xi Jinpings Herrschaft drastisch verĂ€ndert. "Es ist nicht mehr lĂ€nger nur ein wichtiger Wirtschafts- und Handelspartner, sondern eine Bedrohung fĂŒr unsere demokratischen Partner im Indo-Pazifik und fĂŒr die gesamte regelbasierte internationale Ordnung", sagte Roth. Kritik kommt aus der Opposition. Zwar sei es "gut und notwendig, dass die Bundesregierung endlich ihre China-Strategie vorgelegt hat", sagte der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Deutschen Bundestag, Johann Wadephul (CDU). "Aber auch hier bleibt das zentrale Problem dieser Ampel-Regierung, dass Papier und Handeln weit auseinanderfallen." Das sei schon bei der Nationalen Sicherheitsstrategie so gewesen. "Denn der kurz darauf vorgelegte Haushaltsentwurf fĂŒr 2024 spiegelt in keiner Weise die in der Nationalen Sicherheitsstrategie dargelegten PrioritĂ€ten geschweige denn eine gelebte Zeitenwende wider", beklagte der AuĂen- und Verteidigungspolitiker. "Bei der Entscheidung zur chinesischen Beteiligung am Hamburger Hafen, oder auch den Deutsch-Chinesischen Regierungskonsultationen ohne Pressefragen haben sich die erheblichen Unterschiede vor allem zwischen Kanzleramt und AuswĂ€rtigem Amt nur allzu deutlich gezeigt - auch wenn diese Strategie versucht, dies zu kitten", so Wadephul. "Dabei macht uns Uneinigkeit in der China-Politik nur schwach und angreifbar." Die Linke sieht in dem Strategie-Papier ein "Dokument der Ratlosigkeit". Sie lasse "jegliche Handlungsoptionen vermissen und ist nicht mehr als ein Papiertiger, der ein Potpourri unterschiedlichster Positionen enthĂ€lt", sagte Wulf Gallert aus dem Vorstand der Linken. Es fehle "eine umfassende Analyse", die die aktuelle Konfrontation zwischen China und den USA klar benenne. "Diese zugespitzte Situation ist nicht nur eine Gefahr fĂŒr den Weltfrieden, sondern auch fĂŒr eine gemeinsame Strategie im Kampf gegen die Klimakrise", so Gallert. "Eine Politik der Deeskalation und Verhandlungen durch die Bundesrepublik und der EuropĂ€ischen Union auf Augenhöhe mit beiden Kontrahenten wĂ€ren wichtig, um diese Spannung aufzulösen."
dts Deutsche Textservice Nachrichtenagentur GmbH


