Führungskräfte, Druck

Führungskräfte unter Druck: 67% der Jobs theoretisch ersetzbar

Veröffentlicht am: 18.08.2026 um 11:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Viele KI-Projekte erreichen nicht die Produktivphase. Experten sehen Skalierungsprobleme, während Behörden und Firmen Strategien entwickeln.

KI-Projekte in Unternehmen: Viele scheitern in der Pilotphase
Ein Team von Fachleuten arbeitet in einem modernen, hellen Büro an einem gemeinsamen Projekt. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Trotz weitreichender Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI) erreichen viele Projekte in Unternehmen derzeit nicht die Phase des produktiven Einsatzes.

In einer aktuellen Analyse am 18. August 2026 weist Eugen Ensinger vom Beratungsunternehmen Wavestone darauf hin, dass KI-Vorhaben häufig bereits in der Pilotphase scheitern. Er entwirft die Vision eines „Supervisors“, der in fünf Jahren eine Vielzahl von KI-Agenten orchestrieren werde, was die Produktivität herkömmlicher Teams übertreffen könne. Für eine erfolgreiche Skalierung identifizierte der Experte drei entscheidende Faktoren.

Strategische Planung in der öffentlichen Verwaltung

Die Notwendigkeit einer strukturierten Integration zeigt sich auch im öffentlichen Sektor. In Bremen plant der Senat die Verabschiedung einer umfassenden KI-Strategie, die insgesamt 39 Projekte umfasst. Ein zentrales KI-Kompetenzzentrum soll die Umsetzung begleiten, wobei etwa 18.000 Beschäftigte einbezogen werden.

Ein Kernaspekt der Bremer Strategie ist die Maßgabe, dass die Technologie keine eigenständigen Entscheidungen treffen darf und sämtliche Daten innerhalb der Verwaltung verbleiben müssen. Erprobt werden die Anwendungen unter anderem bereits in der Wohngeldstelle.

Parallel dazu forderte die CDU in Remscheid Mitte August ein Modernisierungskonzept für die dortige Verwaltung. Ein entsprechender Antrag für die kommende Sitzung sieht eine Personalplanung für einen Zeitraum von 10 bis 15 Jahren vor. Dabei sollen insbesondere die Möglichkeiten der KI-Automatisierung sowie der absehbare altersbedingte Personalabgang systematisch berücksichtigt werden.

Akzeptanz und wirtschaftliche Verschiebungen in Unternehmen

Die Bereitschaft, KI in Geschäftsprozesse zu integrieren, variiert je nach Aufgabenfeld. Laut der Studie „AI Pulse“ von Expleo, für die im Juli 2026 rund 800 Führungskräfte befragt wurden, akzeptieren 71 Prozent der deutschen Führungskräfte den Einsatz von KI bei der Erstellung von Dokumenten und Notizen.

Bei strategischen sowie Finanz- und Personalentscheidungen sinkt dieser Wert auf 43 bzw. 44 Prozent. Dennoch blicken 73 Prozent der Befragten zuversichtlich auf einen erfolgreichen KI-Einsatz in ihrem Unternehmen.

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Im Bereich der Technologie-Startups sind die Auswirkungen auf die Beschäftigung bereits messbar. Eine Bitkom-Umfrage unter 102 Startups ergab, dass 27 Prozent aufgrund von KI-Anwendungen auf Neueinstellungen verzichteten, während 7 Prozent Stellen abbauten. Demgegenüber stellen 16 Prozent der Unternehmen zusätzliches Personal ein.

Die durchschnittliche Mitarbeiterzahl in diesem Segment sank von 15 im Jahr 2024 auf zuletzt 12 Personen. Für das laufende Jahr 2026 erwarten jedoch 62 Prozent der Startups wieder eine steigende Beschäftigung von durchschnittlich vier neuen Stellen pro Unternehmen.

Transformation der Arbeitswelt und Anforderungsprofile

Der Fachkräftemangel bleibt trotz technologischer Automatisierung ein zentrales Thema. 80 Prozent der vom Branchenverband Bitkom befragten 850 Unternehmen erwarten eine Verschärfung des Mangels. Während 27 Prozent der Firmen einen Stellen abbau durch KI prognostizieren, sehen 42 Prozent einen zusätzlichen Bedarf an Spezialisten.

Besonders gefragt sind demnach IT-Security-Architekten mit einem Durchschnittsgehalt von 81.250 Euro, Software-Architekten (bis zu 109.500 Euro) sowie KI-Entwickler (92.000 Euro) und Machine-Learning-Engineers (87.000 Euro).

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Gleichzeitig geraten Führungspositionen unter Veränderungsdruck. Daten der Bundesagentur für Arbeit zeigen für das Jahr 2025 einen Anstieg der arbeitslosen Führungskräfte um 14,3 Prozent. Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) legen nahe, dass theoretisch 67 Prozent der Führungsaufgaben durch Algorithmen ersetzbar wären. In der Rekrutierung gewinnt die Prüfung von KI-Kompetenzen daher an Bedeutung.

Langfristige Strategien zur Wertschöpfung

Unternehmen wie EY reagieren auf diese Entwicklung mit der Einrichtung spezialisierter Abteilungen wie dem „AI Value Realization Office“, um KI-Ausgaben zu steuern und messbare Erträge zu erzielen. Nach Angaben von EY-Parthenon entstehen 75 Prozent des KI-Werts horizontal über verschiedene Funktionen hinweg. Durch den Einsatz eines KI-Routers konnte das Unternehmen den Token-Verbrauch seit April 2026 um 60 Prozent senken.

Internationale Beispiele wie IKEA verdeutlichen zudem das Potenzial der Umschulung. Nachdem dort bereits im Jahr 2021 die Hälfte der Kundensupport-Gespräche von einer KI übernommen worden war, erfolgte keine Entlassungswelle; stattdessen wurden Mitarbeiter zu Innenarchitekten umgeschult.

Der Möbelkonzern konnte seinen Umsatz in der Folge um jährlich 1,3 Milliarden US-Dollar steigern. Auch IT-Dienstleister wie Infosys setzen auf Qualifizierung und bilden jährlich bis zu 20.000 Hochschulabsolventen in neuen Rollen wie „Responsible AI Engineers“ aus.

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