Telekom-Chef droht mit Investitionsverlagerungen ins Ausland
10.08.2023 - 16:23:52Telekom-Chef Tim Höttges hat die Bundespolitik davor gewarnt, die fĂŒr die Digitalisierung dringend benötigten Investitionen mit falschen Regeln abzuwĂŒrgen. «Sollten sich die Rahmenbedingungen nicht Ă€ndern, sehen wir uns gezwungen, unsere Chancen noch stĂ€rker im Ausland und damit vor allem in den USA zu nutzen», sagte der Vorstandsvorsitzende in Bonn. In den USA sei der Umsatz pro Kunde in der Telekommunikationsbranche drei Mal höher als hierzulande. Nach Darstellung von Höttges lohnten sich Investitionen hier kaum, auch weil die Verbraucherpreise niedrig seien.
Die Telekom gibt derzeit Milliarden aus, um im deutschen Festnetz Glasfaser zu verlegen und das 5G-Handynetz auszubauen. Die Ertragsperle des Bonner Konzerns ist allerdings die amerikanische Tochter T-Mobile US. Noch investiere man «patriotisch», sagte Höttges mit Blick auf die Inlandsinvestitionen. «Das können wir aber nur tun, weil wir die Bilanz von unserem amerikanischen GeschĂ€ft im RĂŒcken haben - wir könnten nicht so viel investieren, wenn wir nicht den enormen Cashflow und die enorme FinanzstĂ€rke aus den USA hĂ€tten.»
Höttges stellte klar, dass es bei den Inlandsinvestitionen zu einem Kurswechsel kommen könnte. «Wir mĂŒssen uns ganz nĂŒchtern die Zahlen legen â wir sind ein Unternehmen und da geht es nicht darum, patriotische Entscheidungen zu treffen.» Vielmehr mĂŒsse man Investitionsentscheidungen gegenĂŒber AktionĂ€ren rechtfertigen. Seine Firma habe «sehr viele hochprofitable Möglichkeiten, um ihr GeschĂ€ft zu erweitern», sagte Höttges und machte deutlich, dass diese Stand heute nicht in Deutschland seien.
Kritik an der Mobilfunk-Frequenzen-Versteigerung
Die Kritik von Höttges bezieht sich unter anderem auf die gĂ€ngige Praxis, dass die Bundesrepublik alle vier bis fĂŒnf Jahre Mobilfunk-Frequenzen versteigert und die Netzbetreiber dafĂŒr Milliarden bezahlen. «Wir regulieren komplett an den Themen vorbei.» Anstatt fĂŒr die richtigen Rahmenbedingungen fĂŒr einen guten Netzausbau zu sorgen, veranstalte der Staat «artifizielle Auktionen, die extrem viel Geld verschlingen, was hinterher irgendwo im StaatssĂ€ckel verschwindet, aber nicht in der Infrastruktur».
Im kommenden Jahr gibt es vermutlich die nÀchste Mobilfunk-Auktion. Es ist allerdings möglich, dass es diesmal keine Versteigerung gibt, sondern dass Frequenzen zugeteilt werden und sich die Firmen zu ambitionierten Ausbauauflagen verpflichten.
Bei der anstehenden Vergabe könnte es zudem zu einer sogenannten Diensteanbieterverpflichtung kommen, bei der Mobilfunkfirmen ohne eigenes Netz - etwa Freenet - Zugriff auf die etablierten Netze bekommen. Solch eine Regelung, die von Bundespolitikern ĂŒberwiegend positiv gesehen wird und den Wettbewerb ankurbeln könnte, ist ein rotes Tuch fĂŒr den Manager - er will nicht, dass seine Firma Konkurrenten auf das teuer gebaute eigene Handynetz lassen muss.
Die Diensteanbieterverpflichtung hĂ€tte negative Konsequenzen fĂŒr die AusbauintensitĂ€t in Deutschland, warnte der Firmenchef. Nach seiner Darstellung wĂŒrden die hohen Investitionen in das Netz entwertet, wenn die Konkurrenz mit demselben Netz am Markt auftrumpfen könnte. Der Netzbetreiber bekĂ€me zwar Miete, die wĂ€re laut Höttges aber zu niedrig. «Das ist nicht gut fĂŒr den Gesamtmarkt, das ist nur gut fĂŒr den Diensteanbieter.»
Die Deutsche Telekom legt Quartalszahlen vor
Die Deutsche Telekom hat nach ihrer Tochter T-Mobile US ebenfalls die Jahresziele feingeschliffen. FĂŒr 2023 soll nun ein branchenĂŒbliches Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen inklusive Leasingkosten (Ebitda AL) von 41,0 Milliarden Euro zustande kommen, wie das im Dax notierte Unternehmen in Bonn mitteilte. Das ist aber nur minimal mehr als bislang erwartet. Das Ziel fĂŒr den freien Barmittelzufluss (Free Cashflow) bleibt bei mehr als 16 Milliarden Euro. Bereits vor zwei Wochen hatten die Amerikaner Hand an ihren Ausblick gelegt. In der Vergangenheit war der Mutterkonzern aus Bonn dann regelmĂ€Ăig gefolgt.
Unterdessen gewann die Telekom in Deutschland im zweiten Quartal unter eigenen Marken 319.000 Mobilfunkkunden fĂŒr sich - fast zwei Drittel mehr als von Analysten erwartet. Der Wettbewerber Telefonica Deutschland (O2) hatte einen Ă€hnlich starken Zuwachs gemeldet, wĂ€hrend der britische Konkurrent Vodafone netto 24.000 VertrĂ€ge zĂ€hlte.
Auf Konzernebene ging der Umsatz des zweiten Quartals gegenĂŒber dem Vorjahr um 2,4 Prozent auf 27,2 Milliarden Euro zurĂŒck. Das lag vorrangig an schwĂ€cheren VerkĂ€ufen von EndgerĂ€ten, von denen bei Telekomunternehmen kaum etwas hĂ€ngen bleibt. In den USA fĂ€hrt T-Mobile zudem das Leasing von Mobilfunk-EndgerĂ€ten zurĂŒck. Mit Dienstleistungen wie Sprach- und Daten-Ăbertragungen verdienen sie dagegen deutlich mehr. Der Service-Erlös stieg um 1,4 Prozent.
Entsprechend stieg das operative Ergebnis inklusive Leasingkosten (Ebitda AL) der Monate April bis Juni um 1,5 Prozent auf gut 10 Milliarden Euro. Unter dem Strich verdiente die Deutsche Telekom mit 1,5 Milliarden Euro gut 5 Prozent mehr.


