EU-Firmen, Aussichten

EU-Firmen bewerten Aussichten in China pessimistisch wie nie

10.05.2024 - 03:31:34

FĂŒr viele europĂ€ische Unternehmen lĂ€uft es in China nicht rund. Die Konjunktur stottert, der Wettbewerb mit lokalen Konkurrenten wird hĂ€rter. Auch das Thema ÜberkapazitĂ€ten bereitet zunehmend Sorgen.

EuropĂ€ische Unternehmen beurteilen ihre Wachstumschancen in China so schlecht wie noch nie. Wie aus der jĂ€hrlichen GeschĂ€ftsklimaumfrage der EU-Handelskammer in Peking hervorgeht, Ă€ußern sich 23 Prozent der befragten Unternehmen pessimistisch zu ihren Wachstumsaussichten in den kommenden zwei Jahren - so viele wie noch nie.

In der Vorjahresumfrage hatten sich nur 9 Prozent pessimistisch geĂ€ußert. Die Zahl der Unternehmen, die ihre Wachstumsaussichten positiv einschĂ€tzten, sank dagegen von 55 Prozent im Vorjahr auf 32 Prozent und damit auf einen Tiefststand.

«Es gibt beunruhigende Anzeichen dafĂŒr, dass einige europĂ€ische Unternehmen ihre AktivitĂ€ten in China aufgeben oder ihre Ambitionen zurĂŒckschrauben, da die Herausforderungen, mit denen sie konfrontiert sind, die Vorteile einer PrĂ€senz in China ĂŒberwiegen», sagte Jens Eskelund, PrĂ€sident der EU-Handelskammer in Peking anlĂ€sslich der Vorlage der Umfrage. «Die chinesische Regierung signalisiert immer wieder ihre Absicht, das GeschĂ€ftsumfeld zu verbessern, aber wir brauchen jetzt konkrete Maßnahmen, um das Vertrauen der Investoren wiederherzustellen.»

Das vergangene Jahr sei fĂŒr die europĂ€ischen Unternehmen in der Volksrepublik von «wachsender Unsicherheit» geprĂ€gt gewesen, so die EU-Kammer. Zwar habe die Öffnung Chinas nach der Pandemie zunĂ€chst ein «GefĂŒhl des Optimismus» ausgelöst. «Tiefgreifende strukturelle Probleme» wie die schwache Binnennachfrage, die hohe Verschuldung der Lokalregierungen und anhaltende Herausforderungen im Immobiliensektor hĂ€tten die Aussichten jedoch schnell wieder eingetrĂŒbt. Das Vertrauen der Unternehmen sei zudem durch widersprĂŒchliche Botschaften der chinesischen Regierung weiter geschwĂ€cht worden.

Wirtschaftliche AbschwĂ€chung grĂ¶ĂŸte Herausforderung

Als derzeit grĂ¶ĂŸte Herausforderungen fĂŒr ihr GeschĂ€ft nannten die Firmen insbesondere die wirtschaftliche AbschwĂ€chung in China, gefolgt von der allgemeinen schwachen Weltkonjunktur. Als wichtige Faktoren wurden zudem der Konflikt zwischen den USA und China und andere geopolitische Spannungen genannt. Auch ein zunehmend harter Wettbewerb mit chinesischen Firmen macht den EU-Firmen zu schaffen.

WĂ€hrend sich die wirtschaftlichen Herausforderungen verschĂ€rften, blieben andere GeschĂ€ftshindernisse in China wie regulatorische Anforderungen und unvorhersehbare Gesetzgebung hoch. Nur noch 16 Prozent der Befragten erwarteten eine Verringerung der regulatorischen HĂŒrden - auch das ist der niedrigste Wert aller Zeiten.

Die negative Gemengelage wirke sich auch spĂŒrbar auf die Investitionsentscheidungen der Firmen aus. Der Anteil der Befragten, die China noch als Top-Destination fĂŒr gegenwĂ€rtige und kĂŒnftige Investitionen einstufen, ist demnach mit 15 und 12 Prozent der Befragten so niedrig wie nie zuvor.

«Unternehmen verlagern Investitionen»

«Die Unternehmen verlagern weiterhin Investitionen, die ursprĂŒnglich fĂŒr China geplant waren, auf alternative MĂ€rkte, die als berechenbarer, zuverlĂ€ssiger und transparenter wahrgenommen werden», so der Kammer-Bericht. Zugleich fiel der Anteil der Befragten, die eine Ausweitung ihrer derzeitigen China-AktivitĂ€ten im kommenden Jahr planen, auf ein Rekordtief von 42 Prozent von 48 Prozent im Vorjahr. Viele Unternehmen schrĂ€nken laut Kammer zudem auch die Reinvestition ihrer Gewinne in China.

Ein immer grĂ¶ĂŸeres Problem in China seien zudem die hohen ÜberkapazitĂ€ten in vielen Wirtschaftszweigen. Insgesamt beobachteten 36 Prozent der Befragten ÜberkapazitĂ€ten in ihrer jeweiligen Branche. Weitere zehn Prozent erwarteten diese in naher Zukunft. Der höchste Anteil der Befragten (69 Prozent) meldete ÜberkapazitĂ€ten im Baugewerbe. Den zweithöchsten Anteil verzeichnete die Automobilindustrie mit 62 Prozent.

Zu geringe Nachfrage

Drei FĂŒnftel der Befragten, die von ÜberkapazitĂ€ten in ihrer Branche berichteten, nannten zu hohe Investitionen in die heimische Produktion als Hauptursache fĂŒr die Probleme. Aber auch eine zu geringe Nachfrage sowohl auf dem chinesischen Markt als auch auf dem Weltmarkt wurden als GrĂŒnde genannt.

Erst am Montag hatte EU-KommissionsprÀsidentin Ursula von der Leyen vor einem Treffen mit dem chinesischen Staats- und Parteichef Xi Jinping in Paris deutlich gemacht, dass die EU die derzeitigen Subventions- und Handelspraktiken Chinas nicht lÀnger tolerieren werde.

Aufgrund der schwachen Binnennachfrage produziere China derzeit mit hohen Subventionen mehr als es verkaufe, argumentierte die Spitzenpolitikerin. Bereits im vergangenen Jahr hatte die EU-Kommission angekĂŒndigt, mögliche Strafzölle auf Elektroautos aus China zu prĂŒfen.

@ dpa.de