Kiewer Wahlkommission: Nachkriegswahlen brauchen mehr Zeit
31.03.2025 - 13:57:31"Wir mĂŒssen ein Gesetz ĂŒber die Besonderheiten der Nachkriegswahlen verabschieden", forderte Kommissionschef Oleh Didenko in einem Interview des Nachrichtenportals "Ukrajinska Prawda".
Wegen des Kriegsrechts, das seit dem russischen Ăberfall von 2022 gilt, haben die regulĂ€ren PrĂ€sidenten- und Parlamentswahlen nicht stattgefunden. In Politik und Gesellschaft in der Ukraine herrscht groĂe Einigkeit, sich an diese Rechtslage zu halten und erst nach einem möglichen Kriegsende zu wĂ€hlen.
Die ausbleibenden Wahlen werden vor allem von Russland immer wieder als Argument genutzt, um die LegitimitĂ€t von PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj infrage zu stellen. US-PrĂ€sident Donald Trump hat zeitweise die Forderung nach Neuwahlen in der Ukraine ĂŒbernommen. Selenskyjs regulĂ€re Amtszeit war im Mai vergangenen Jahres ausgelaufen, die des Parlaments im August 2024.
Parlamentswahl nach 60 Tagen, PrÀsidentenwahl nach 90 Tagen
Nach geltendem Gesetz mĂŒssen Wahlen des Parlaments und des PrĂ€sidenten innerhalb eines Monats nach Aufhebung des Kriegsrechts angesetzt werden. Didenko zufolge sind danach fĂŒr den Wahlprozess zum Parlament 60 Tage und bei der PrĂ€sidentenwahl 90 Tage vorgesehen. Diese Fristen seien jedoch nicht ausreichend, um nach einem Krieg demokratische Wahlen zu organisieren, die den Standards entsprechen, sagte der Kommissionschef.
Ein Hauptproblem werde sein, Millionen Ukrainern im Ausland und den derzeit von Russland besetzten Gebieten eine Beteiligung zu ermöglichen. Didenkos SchĂ€tzungen nach befinden sich fĂŒnf bis sechs Millionen Wahlberechtigte im Ausland, von denen weniger als 400.000 in Konsulaten registriert sind.
Wie können Millionen Ukrainer im Ausland mitstimmen?
"Wir wissen natĂŒrlich nicht, wie die Migration in der Nachkriegszeit aussehen wird, diese Zahl kann sinken", sagte Didenko. Dennoch sei von mehreren Millionen WĂ€hlern auĂerhalb des Landes auszugehen. Deshalb werde die Einrichtung von zusĂ€tzlichen WahlrĂ€umen auĂerhalb von Botschaften und Konsulaten erwogen. Auch Varianten einer Briefwahl oder einer elektronischen Abstimmung wĂŒrden diskutiert.

