Fuhrpark-Kosten, TCO

Fuhrpark-Kosten: Nur 26 Prozent der Unternehmen rechnen TCO vollstÀndig

Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 03:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Nur 26 Prozent der befragten Fuhrparkbetreiber kalkulieren Gesamtkosten vollstÀndig; zugleich bleibt der Elektroanteil in den Flotten begrenzt.

Deutsche Fuhrparks: TCO-LĂŒcken bremsen die Elektrifizierung
Leeres, modern gepflastertes IndustriegelÀnde mit markierten ParkplÀtzen bei warmem Licht am Abend. Illustration mit AI erstellt.

Trotz einer hohen Verbreitung schriftlicher Dienstwagenrichtlinien offenbart der Fuhrparksektor in Deutschland erhebliche LĂŒcken bei der Kostentransparenz und der operativen Elektrifizierung.

Laut dem im Herbst veröffentlichten BBM Fuhrpark-Benchmark 2026, dessen Feldphase im Mai und Juni 2026 stattfand, verfĂŒgen zwar 93 Prozent der 142 befragten Fuhrparkbetreiber ĂŒber eine schriftliche Car Policy, doch nur 26 Prozent nutzen eine vollstĂ€ndige Betrachtung der Gesamtkosten (Total Cost of Ownership, TCO).

Mangelnde Kostentransparenz in deutschen Flotten

Die Untersuchung, die Unternehmen aus zwölf Branchen abdeckt, zeigt eine Diskrepanz zwischen Datenerfassung und Datenbelastbarkeit. WÀhrend 57 Prozent der Betriebe ihre Gesamtkosten erfassen, sind lediglich 38 Prozent in der Lage, diese auch belastbar zu beziffern. Ein integriertes System zur Verwaltung dieser Daten kommt bei 53 Prozent der befragten Unternehmen zum Einsatz.

Diese mangelnde Transparenz erschwert die strategische Planung, insbesondere bei der Umstellung auf alternative Antriebe. Zwar lassen 90 Prozent der Car Policies mittlerweile batterieelektrische Fahrzeuge (BEV) zu, der tatsÀchliche Anteil im Bestand liegt im Median jedoch lediglich bei 20 Prozent.

BBM-Vorstand Marc-Oliver Prinzing bezeichnete diese LĂŒcke zwischen der formalen Freigabe in den Richtlinien und der tatsĂ€chlichen Umsetzung im Fuhrpark als erheblich.

Wirtschaftliche Anreize und Kostenvorteile der ElektromobilitÀt

Analysen anderer Organisationen unterstreichen das wirtschaftliche Potenzial einer konsequenten TCO-Rechnung. Der International Council on Clean Transportation (ICCT) berichtete, dass batteriebetriebene E-Autos im vergangenen Jahr in der EU im Fahrbetrieb 33 Prozent gĂŒnstiger waren als Benziner.

Sinkende Batteriekosten und steigende Ölpreise verstĂ€rken diesen Effekt laut ICCT-Direktor Peter Mock, der von einem entscheidenden Moment fĂŒr Investitionen in die Elektrifizierung spricht.

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Auch im schweren GĂŒterkraftverkehr zeigen sich deutliche TCO-Vorteile. Eine Kostenanalyse von Transport & Environment (T&E) beziffert den Kostenvorteil eines schweren E-Lkw in Deutschland ĂŒber einen Zeitraum von fĂŒnf Betriebsjahren auf rund 85.000 Euro gegenĂŒber einem Dieselmodell.

Haupthebel hierfĂŒr sei die bis Ende Juni 2031 geltende Mautbefreiung fĂŒr Elektro-Lkw. Trotz eines deutlich höheren Anschaffungspreises – ein europĂ€ischer E-Fernverkehrs-Lkw kostet etwa 265.000 Euro im Vergleich zu 120.000 Euro fĂŒr ein Dieselmodell – rechnen sich die Investitionen durch geringere Betriebskosten und Mautersparnisse.

Herausforderungen bei Infrastruktur und Instandhaltung

Ein wesentliches Hemmnis fĂŒr die weitere Elektrifizierung bleibt die Ladeinfrastruktur. Eine Studie des Öko-Instituts zeigt, dass die Kaufbereitschaft bei privaten KĂ€ufern ohne Lademöglichkeit bei 14 Prozent liegt, mit eigener Lademöglichkeit hingegen auf 51 Prozent steigt.

Da 70 Prozent der Befragten weder zu Hause noch am Arbeitsplatz laden können, bleibt die AbhÀngigkeit von öffentlichen SÀulen hoch. Ein aktueller Ladetarif-Test von connect und umlaut (Accenture) vom September 2026 verdeutlicht zudem enorme Preisunterschiede: Bei Vielfahrern differieren die jÀhrlichen Kosten je nach Anbieter um bis zu 635 Euro.

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Die technische ZuverlĂ€ssigkeit der Flotten steht ebenfalls im Fokus. Der TÜV-Report Nutzfahrzeuge 2026, der auf rund 2,4 Millionen Hauptuntersuchungen basiert, weist eine MĂ€ngelquote von 20,3 Prozent auf.

Besonders bei schweren Lastwagen ab 18 Tonnen liegt die Quote mit 21,8 Prozent leicht ĂŒber dem Durchschnitt. Erstmalig wurden auch E-Transporter erfasst, wobei der Peugeot E-Expert mit einer MĂ€ngelquote von 8,4 Prozent deutlich besser abschnitt als der Mercedes E-Vito mit 19,7 Prozent.

Technologische Vernetzung und Ausblick

Um die Effizienz zu steigern, setzen immer mehr Unternehmen auf vernetzte Systeme. Samsara integriert nun nahezu in Echtzeit Fahrzeugdaten von Marken wie Volkswagen, Audi und Ć koda in seine Plattform, um KilometerstĂ€nde, BatterieladezustĂ€nde und Wartungsmeldungen ohne zusĂ€tzliche Hardware zu ĂŒberwachen.

Weitere Details zur praktischen Umsetzung von MobilitĂ€tstrends werden auf der 5. Nationalen Konferenz fĂŒr betriebliche MobilitĂ€t (NaKoBeMo) am 24. und 25. November 2026 in Heidelberg erwartet. Dort sollen unter dem Leitmotiv der digitalen und nachhaltigen Transformation unter anderem die vollstĂ€ndigen Ergebnisse des BBM Mobility Survey vorgestellt werden.

Zudem mĂŒssen Fuhrparkleiter kurzfristig technische Anpassungen vornehmen: In der Schweiz dĂŒrfen ab dem 1. Oktober 2026 nur noch 4G-fĂ€hige Mautboxen verwendet werden, da die 2G-Netze sukzessive abgeschaltet werden. Ähnliche Fristen gelten in den kommenden Monaten auch fĂŒr andere europĂ€ische LĂ€nder.

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