Galeria-Insolvenz: Verdi fordert schnell Klarheit fĂŒr 12.000 BeschĂ€ftigte
Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 14:34 Uhr | dpa, AD HOC NEWSNach dem Insolvenzantrag von Galeria fordert Verdi schnelle Klarheit fĂŒr die rund 12.000 BeschĂ€ftigten ĂŒber ihre GehĂ€lter und eine mögliche Zahlung von Insolvenzgeld.
Gewerkschaft verlangt schnelle Informationen
FĂŒr die BeschĂ€ftigten sei weiterhin unklar, ob ihr Gehalt durch Galeria abgesichert sei oder Insolvenzgeld gezahlt werde, sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Silke Zimmer. Die offenen Fragen mĂŒssten von den zustĂ€ndigen Stellen schnellstmöglich geklĂ€rt werden.
Zimmer bezeichnete die Lage als schwierig. Entscheidend sei, dass die BeschĂ€ftigten verlĂ€sslich und direkt darĂŒber informiert wĂŒrden, wie es weitergehe. Sie fĂŒrchteten um ihre eigene Existenz und die ihrer Familien.
Verdi kritisiert Verantwortung der Chefetagen
Es dĂŒrfe nicht sein, dass die BeschĂ€ftigten die Fehler der Chefetagen austragen mĂŒssten, sagte Zimmer. Die Verantwortlichen mĂŒssten nun gemeinsam mit der Belegschaft und den BetriebsrĂ€ten eine tragfĂ€hige Perspektive erarbeiten.
VorlÀufiges Verfahren angeordnet
Galeria hatte am Freitag beim Amtsgericht DĂŒsseldorf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Das Gericht ordnete inzwischen das vorlĂ€ufige Insolvenzverfahren an und bestellte den Rechtsanwalt Frank Kebekus zum vorlĂ€ufigen Insolvenzverwalter.
Es ist der vierte Insolvenzantrag des Warenhausunternehmens binnen sechs Jahren. Der GeschĂ€ftsbetrieb in den 83 Filialen lĂ€uft vorerst weiter. Ob und welche Standorte schlieĂen mĂŒssen, ist offen.
Entscheidung ĂŒber Insolvenzgeld steht aus
Ob die BeschĂ€ftigten Insolvenzgeld erhalten, entscheidet die Bundesagentur fĂŒr Arbeit. Wann eine Entscheidung fĂ€llt, ist bislang unklar. Das Insolvenzgeld soll BeschĂ€ftigte im Insolvenzfall vorĂŒbergehend beim Ausfall von Arbeitsentgelt absichern.
Vierte Sanierungsrunde in sechs Jahren
Der aktuelle Insolvenzantrag reiht sich in eine Serie von Verfahren seit 2020 ein. In den vergangenen Sanierungsrunden wurden Filialen geschlossen, ArbeitsplÀtze abgebaut und Forderungen in Milliardenhöhe erlassen. Nach dem Signa-Zusammenbruch folgte Anfang 2024 das bislang letzte Verfahren; damals schrumpfte das Filialnetz weiter.
FĂŒr Galeria geht es deshalb nicht nur um die kurzfristige Finanzierung des laufenden Betriebs. Das Unternehmen muss im vorlĂ€ufigen Verfahren zeigen, welche Standorte wirtschaftlich tragfĂ€hig sind und ob ein dauerhaft wettbewerbsfĂ€higes Warenhauskonzept möglich ist. Zuvor waren bereits 33 der 83 Filialen auf ihre Wirtschaftlichkeit geprĂŒft worden.
Folgen fĂŒr BeschĂ€ftigte und InnenstĂ€dte
Die rund 12.000 BeschĂ€ftigten stehen vorerst vor einer doppelten Unsicherheit: Neben der Frage nach dem Insolvenzgeld ist offen, welche HĂ€user langfristig bestehen bleiben. Eine FortfĂŒhrung mit weniger Standorten gilt als möglich, wĂŒrde aber erneut ArbeitsplĂ€tze und regionale Einkaufsangebote betreffen.
Galeria-Filialen liegen hĂ€ufig in zentralen Innenstadtlagen und fungieren als sogenannte Ankerbetriebe. SchlieĂungen können daher nicht nur BeschĂ€ftigte, sondern auch benachbarte GeschĂ€fte, Gastronomie und die AttraktivitĂ€t von Stadtzentren treffen. Zugleich zeigen Beispiele ehemaliger WarenhĂ€user, dass neue Nutzungen mit Handel, Gastronomie, Bildung, Kultur oder Wohnen möglich sind. FĂŒr die Belegschaft ist zunĂ€chst entscheidend, dass Insolvenzverwalter, GeschĂ€ftsfĂŒhrung und BetriebsrĂ€te die Perspektive jedes Standorts transparent klĂ€ren.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
WDR: âGaleria: Gericht ordnet Insolvenzverfahren anâ (05.10.2026)
Der Bericht bestĂ€tige die Anordnung des vorlĂ€ufigen Insolvenzverfahrens und die Bestellung von Frank Kebekus. Er hebe zusĂ€tzlich hervor, dass eine Ablehnung des Antrags die sofortige ZahlungsunfĂ€higkeit und den Wegfall des Insolvenzgeldes bedeutet hĂ€tte, wĂ€hrend ein Handelsexperte eine deutlich kleinere FortfĂŒhrung fĂŒr möglich halte.
NDR: âErneute Galeria-Insolvenz: Sechs HĂ€user in Niedersachsen betroffenâ (06.10.2026)
Der Artikel bestĂ€tige die offene Frage des Insolvenzgeldes und stelle die regionalen Folgen in Niedersachsen und Bremen heraus. Er berichte, dort seien 672 BeschĂ€ftigte betroffen, und verweise auf Kritik aus Kommunen sowie auf die Bedeutung der WarenhĂ€user fĂŒr InnenstĂ€dte.
Beide Berichte bestÀtigten den vorlÀufigen Fortbestand des GeschÀftsbetriebs und die ungeklÀrte Zukunft der BeschÀftigten; der WDR betone stÀrker die rechtlichen Folgen des Verfahrens, wÀhrend der NDR regionale Auswirkungen und mögliche LeerstÀnde in den Mittelpunkt stelle.
