Galeria-Insolvenz, Insolvenzgeld

Galeria-Insolvenz: Verdi fordert schnell Klarheit über Insolvenzgeld für 12.000 Beschäftigte

Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 15:49 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Nach dem vierten Insolvenzantrag innerhalb von sechs Jahren ist für rund 12.000 Galeria-Beschäftigte weiterhin offen, ob sie Insolvenzgeld erhalten. Verdi fordert von den Verantwortlichen schnelle Informationen und eine tragfähige Perspektive für die Belegschaft.

Galeria betreibt 83 Filialen in Deutschland. - Bild: Soeren Stache/dpa
Galeria betreibt 83 Filialen in Deutschland. - Bild: Soeren Stache/dpa

Nach dem Insolvenzantrag von Galeria fordert Verdi schnelle Klarheit über die finanzielle Absicherung der rund 12.000 Beschäftigten.

Gewerkschaft drückt aufs Tempo

Für die Beschäftigten ist weiterhin offen, ob ihr Gehalt durch Galeria abgesichert ist oder Insolvenzgeld gezahlt wird. Verdi-Bundesvorstandsmitglied Silke Zimmer forderte die zuständigen Stellen auf, die offenen Fragen schnellstmöglich zu klären.

Die Situation bei Galeria sei schwierig, sagte Zimmer. Entscheidend sei, dass die Beschäftigten verlässlich und direkt über die weitere Entwicklung informiert würden. Viele fürchteten um ihre eigene Existenz und die ihrer Familien.

Forderung nach Perspektive

Nach Darstellung der Gewerkschaft dürfen die Beschäftigten nicht für Fehler der Chefetagen einstehen. Die Verantwortlichen müssten gemeinsam mit der Belegschaft und den Betriebsräten an einer tragfähigen Perspektive arbeiten.

Der Gesamtbetriebsrat äußerte sich auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur nicht zu den Chancen auf Insolvenzgeld.

Viertes Verfahren in sechs Jahren

Galeria hatte am Freitag beim Amtsgericht Düsseldorf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Es ist der vierte Insolvenzantrag des Warenhausunternehmens binnen sechs Jahren. Der Geschäftsbetrieb in den 83 Filialen läuft vorerst weiter.

Ob und welche Standorte schließen müssen, ist offen. Über die Bewilligung von Insolvenzgeld entscheidet die Bundesagentur für Arbeit; wann eine Entscheidung fällt, ist unklar. Ohne Insolvenzgeld müsste Galeria die Gehälter selbst zahlen oder eine andere Finanzierung finden.

Frank Kebekus als vorläufiger Insolvenzverwalter

Das Amtsgericht Düsseldorf hat inzwischen das vorläufige Insolvenzverfahren angeordnet. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Rechtsanwalt Frank Kebekus bestellt.

Viertes Verfahren in sechs Jahren

Der erneute Insolvenzantrag trifft Galeria nach mehreren Sanierungsrunden. Bereits seit 2020 wurden Filialen geschlossen, Arbeitsplätze abgebaut und Forderungen in Milliardenhöhe erlassen. Mit nun 83 Warenhäusern und rund 12.000 Beschäftigten ist das Unternehmen deutlich kleiner als zu Beginn der ersten Insolvenz.

Im Mittelpunkt steht kurzfristig die finanzielle Absicherung der Beschäftigten. Insolvenzgeld soll grundsätzlich ausstehende Entgeltansprüche für einen begrenzten Zeitraum absichern, wenn ein Insolvenzereignis vorliegt und die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Die Entscheidung der Bundesagentur für Arbeit ist deshalb für die Belegschaft besonders relevant, ersetzt aber keine tragfähige Sanierung des Unternehmens.

Folgen für Innenstädte und Standorte

Die Standortfrage reicht über Galeria hinaus. Warenhäuser gelten in vielen Städten als wichtige Frequenzbringer für Handel, Gastronomie und Dienstleistungen. Schließungen könnten Leerstände und sinkende Kundenfrequenz auslösen; zugleich eröffnen frei werdende Gebäude Chancen für neue Nutzungen wie Wohnungen, Bildung, Kultur oder gemischte Handelskonzepte.

Für die nächsten Schritte sind die Prüfung der Insolvenzgründe, die Finanzierung des laufenden Betriebs und die Bewertung jedes einzelnen Standorts entscheidend. Eine Fortführung dürfte damit vor allem von wirtschaftlich tragfähigen Häusern, einem klaren Sortiment und Investitionen in die Modernisierung abhängen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

WDR: „Galeria: Gericht ordnet Insolvenzverfahren an“ (05.10.2026)

Der Bericht bestätige die Anordnung des vorläufigen Insolvenzverfahrens und die Bestellung von Frank Kebekus. Er hebe zudem hervor, dass der Geschäftsbetrieb zunächst weiterlaufen könne, und ordne die vierte Insolvenz in die Sanierungsgeschichte seit 2020 ein.

NDR: „Galeria stellt erneut Insolvenzantrag: Sechs Häuser in Niedersachsen betroffen“ (06.10.2026)

Der Artikel bestätige die offene Frage des Insolvenzgeldes und richte den Schwerpunkt auf die regionalen Folgen. Für Niedersachsen und Bremen gehe es um 672 Beschäftigte; zudem verweise der Bericht auf mögliche Auswirkungen von Filialschließungen für Innenstädte sowie auf politische Forderungen nach Klarheit.

Beide Berichte stellten das vorläufige Verfahren und die Unsicherheit für die Beschäftigten heraus. Der WDR ordne stärker die gerichtlichen Schritte und frühere Sanierungen ein, während der NDR die regionalen Standorte und die Bedeutung der Warenhäuser für die Innenstädte betone.

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