Galeria, Insolvenz

Galeria startet Investorensuche fĂŒr 83 Filialen

Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 17:06 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die insolvente Warenhauskette lĂ€sst die Suche von Roland Berger begleiten. Parallel prĂŒft der vorlĂ€ufige Insolvenzverwalter alle 83 Filialen, wĂ€hrend GesprĂ€che ĂŒber die Finanzierung des laufenden GeschĂ€fts andauern.

Galerias Filialnetz steht zur PrĂŒfung

  • Der vorlĂ€ufige Insolvenzverwalter Frank Kebekus untersucht jedes der 83 WarenhĂ€user auf seine wirtschaftliche TragfĂ€higkeit.
  • Galeria beschĂ€ftigt 11.250 Menschen, wĂ€hrend mögliche Standortschließungen weiterhin offen sind.
  • Gordon Brothers stellte im Juni eine Kreditfinanzierung von bis zu 160 Millionen Euro bereit.
Aktuell hat Galeria noch 83 WarenhĂ€usern. Offen ist bislang, wie viele nach dem Insolvenzverfahren fortgefĂŒhrt werden. - Bild: Rolf Vennenbernd/dpa

Galeria sucht KĂ€ufer fĂŒr 83 Filialen

FĂŒr die insolvente Warenhauskette Galeria hat die Suche nach einem oder mehreren KĂ€ufern offiziell begonnen. Der Investorenprozess wird von der Unternehmensberatung Roland Berger begleitet.

Filialnetz wird einzeln geprĂŒft

Galeria hat kĂŒrzlich erneut einen Insolvenzantrag gestellt, der GeschĂ€ftsbetrieb in den 83 Filialen lĂ€uft zunĂ€chst weiter. Ob und welche Standorte schließen mĂŒssen, ist offen.

Der vorlĂ€ufige Insolvenzverwalter Frank Kebekus will jedes Warenhaus auf seine wirtschaftliche TragfĂ€higkeit prĂŒfen. Die BeschĂ€ftigten wurden darĂŒber am Freitag in einer Informationsversammlung unterrichtet.

Finanzierung fĂŒr das WeihnachtsgeschĂ€ft

Kebekus verhandelt zudem mit der US-Investmentgesellschaft Gordon Brothers ĂŒber die Finanzierung des operativen GeschĂ€fts. Eine Einigung könnte den GeschĂ€ftsbetrieb und die Warenversorgung stabilisieren.

Gordon Brothers hatte Galeria im Juni eine Kreditfinanzierung von bis zu 160 Millionen Euro zur VerfĂŒgung gestellt. Die Finanzierung ist durch Waren des Unternehmens abgesichert. FĂŒr Galeria ist das WeihnachtsgeschĂ€ft besonders wichtig, weil aus den Erlösen neue Bestellungen finanziert werden sollen.

Betriebsrat fordert langfristiges Engagement

Der Gesamtbetriebsrat zeigte sich nach dem Austausch mit Kebekus vorsichtig optimistisch. Die Arbeitnehmervertretung fordert EigentĂŒmer, die sich langfristig und stabil fĂŒr Galeria einsetzen.

Nach EinschĂ€tzung des Handelsexperten Johannes Berentzen braucht ein neuer Investor tiefe Taschen. Er schĂ€tzt den Investitionsbedarf fĂŒr GebĂ€udetechnik und Innenausstattung auf rund eine Milliarde Euro; zusĂ€tzlich seien Mittel fĂŒr den Ausbau der OnlineprĂ€senz nötig.

EigentĂŒmer stehen erneut unter Druck

Galeria beschĂ€ftigt 11.250 Menschen. Die bisherigen EigentĂŒmer, die US-Investmentgesellschaft NRDC und eine Beteiligungsfirma des Unternehmers Bernd Beetz, hatten die Warenhauskette im Sommer 2024 ĂŒbernommen.

Handelsexperten und Verdi hatten zuletzt wiederholt kritisiert, die EigentĂŒmer hĂ€tten zu wenig Geld investiert. Nun entscheidet der Investorenprozess mit darĂŒber, ob Galeria als Ganzes oder nur mit einem verĂ€nderten Filialnetz fortgefĂŒhrt werden kann.

Galeria steht erneut vor einem tiefen Einschnitt. Mit dem offiziell gestarteten Investorenprozess beginnt zwar die Suche nach einer Lösung fĂŒr die insolvente Warenhauskette, zugleich muss der vorlĂ€ufige Insolvenzverwalter die wirtschaftliche TragfĂ€higkeit jedes einzelnen Standorts prĂŒfen.

Die GrĂ¶ĂŸenordnung des Problems zeigt sich an mehreren Punkten: 83 Filialen, 11.250 BeschĂ€ftigte und ein von einem Handelsexperten geschĂ€tzter Investitionsbedarf von rund einer Milliarde Euro allein fĂŒr GebĂ€udetechnik und Innenausstattung. Hinzu kommen Ausgaben fĂŒr den Onlinehandel, laufende Warenfinanzierung und die Sicherung des operativen GeschĂ€fts.

Standorte entscheiden ĂŒber Zukunft

FĂŒr potenzielle KĂ€ufer dĂŒrfte deshalb nicht nur die Marke Galeria zĂ€hlen, sondern vor allem die QualitĂ€t des Filialnetzes. Innenstadtlage, GebĂ€udezustand, regionale Kaufkraft und die Möglichkeit, das Sortiment stĂ€rker auf einzelne Standorte zuzuschneiden, können ĂŒber die Zukunft eines Warenhauses entscheiden.

Die Finanzierung des laufenden GeschĂ€fts ist besonders mit Blick auf das WeihnachtsgeschĂ€ft entscheidend. Galeria muss aus den Erlösen neue Bestellungen finanzieren können. Eine Einigung mit Gordon Brothers könnte die Warenversorgung stabilisieren, ersetzt aber nicht das langfristige Kapital, das fĂŒr ein tragfĂ€higes GeschĂ€ftsmodell erforderlich ist.

Folgen fĂŒr InnenstĂ€dte und BeschĂ€ftigte

Schließungen wĂŒrden nicht nur ArbeitsplĂ€tze betreffen. Galeria-HĂ€user prĂ€gen vielerorts zentrale Innenstadtlagen; bei aufgegebenen Standorten stellt sich daher auch die Frage nach neuen Nutzungen. FĂŒr die BeschĂ€ftigten bleibt der Investorenprozess dennoch der unmittelbare PrĂŒfstein: Ein KĂ€ufer mĂŒsste Kapital, ein belastbares Konzept und langfristiges Interesse am Unternehmen verbinden.

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