Ganztagsbetreuung, Bundesweit

Ganztagsbetreuung ab August: Bundesweit 150.000 PlÀtze und Personal fehlen

06.06.2026 - 16:50:09 | boerse-global.de

Rekordzahl offener Stellen fĂŒr Erzieher und Sozialarbeiter belastet Einrichtungen und Schulen bundesweit.

FachkrÀftemangel in Sozialberufen erreicht neuen Höchststand
Ganztagsbetreuung - Menschen in sozialen und pĂ€dagogischen Berufen arbeiten zusammen in einem modernen BĂŒro, symbolisierend den Personalbedarf. 06.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Die Bundesagentur fĂŒr Arbeit meldete zum 5. Juni 2026 bundesweit 11.371 offene Stellen fĂŒr Erzieher. Noch dramatischer zeigt sich die Lage in der Sozialarbeit: Laut einer Auswertung der Plattform HeyJobs waren zum 4. Juni 2026 insgesamt 43.168 Positionen unbesetzt – knapp 33.000 davon in Vollzeit.

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Wo die LĂŒcken besonders klaffen

Die offenen Stellen konzentrieren sich auf die GroßstĂ€dte. Hamburg suchte Anfang Juni 797 Sozialarbeiter – bei einem Durchschnittsgehalt von rund 42.000 Euro pro Jahr. In Berlin zeigt sich ein differenziertes Bild: FĂŒr pĂ€dagogische FachkrĂ€fte in Pankow liegen die MonatsgehĂ€lter zwischen 3.444 und 4.660 Euro. Eine Kita-Leitung in Zehlendorf ist bereits mit Vorlauf fĂŒr Januar 2027 ausgeschrieben.

Auch der Westen sucht hĂ€nderingend. In Nordrhein-Westfalen registrierte eine große Jobbörse ĂŒber 38.000 Treffer fĂŒr Dozenten in der Sozialen Arbeit. Selbst kleinere Kommunen wie der Kreis Lippe (36 offene Stellen) oder der Landkreis Altötting sind auf der Suche – teils mit Bewerbungsfristen bis Mitte oder Ende Juni.

Schulleitungen am Limit

Der Personalmangel ist nur eine Seite der Medaille. Die Arbeitsbedingungen in pĂ€dagogischen Leitungspositionen werden zunehmend zum Problem. Der Schulleitungsmonitor 2025/2026 zeigt: Schulleitungen arbeiten im Schnitt 52 Stunden pro Woche. Über 85 Prozent der Befragten gaben an, zu viel Zeit mit administrativen Aufgaben zu verbringen.

Besonders prekĂ€r ist die Lage in ThĂŒringen. Dort bleiben im laufenden Schuljahr rund zehn Prozent der Grundschulen ohne feste Leitung. Die GrĂŒnde: demografischer Wandel, FachkrĂ€ftemangel und langwierige Konkurrentenklagen. Die LehrerverbĂ€nde VBE, LCH und GÖD-APS fordern eine deutliche Entlastung von Verwaltungsaufgaben und den Ausbau multiprofessioneller Teams.

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Ganztagsanspruch verschÀrft die Lage

Ab August 2026 haben Grundschulkinder einen gesetzlichen Anspruch auf Ganztagsbetreuung. Branchenexperten warnen: Bundesweit fehlen rund 150.000 BetreuungsplĂ€tze – und das entsprechende Personal. Ein Vorschlag: Außerschulische Experten wie FachkrĂ€fte aus der Landwirtschaft sollen verstĂ€rkt in die Betreuung eingebunden werden. Der Anspruch gilt zunĂ€chst fĂŒr die ersten Klassen und wird bis 2029/30 auf alle GrundschĂŒler ausgeweitet.

GegenlÀufige Strategien

Trotz des enormen Bedarfs gehen die BundeslĂ€nder unterschiedliche Wege. Der Wetteraukreis baut das Ganztagsangebot aus – mit zusĂ€tzlichen Lehrerstellen und dem Beitritt weiterer Schulen zum „Pakt fĂŒr den Nachmittag“. Die hessische Landesregierung plant dagegen Einsparungen im Bildungsbereich. Rund 300 Stellen könnten gestrichen werden.

In der Schweiz wird unterdessen ĂŒber die Organisation der Schulsozialarbeit debattiert. Im Kanton Basel-Landschaft fordern Parlamentarier eine UnabhĂ€ngigkeit der Sozialdienste von den Schulleitungen – um die NeutralitĂ€t der Beratung zu wahren. Die kĂŒnftige Bildungsdirektion unterstĂŒtzt den Vorstoß. Aus ZĂŒrich meldet das Volksschulamt derweil, dass der Lehrermangel auf der Kindergartenstufe einen neuen Höhepunkt erreicht hat. Vermehrt werden dort LehrkrĂ€fte ĂŒber das Pensionsalter hinaus eingesetzt.

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