Gaskraftwerke: RWE und Leag erhalten zehn von elf ZuschlÀgen
Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 13:08 Uhr | dpa, AD HOC NEWSStandorte und Laufzeit der Kraftwerke
- Die ZuschlĂ€ge verteilen sich auf Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Bayern und Baden-WĂŒrttemberg.
- Leag erhielt vier ZuschlĂ€ge fĂŒr JĂ€nschwalde und zwei fĂŒr Boxberg.
- Die Betreiber sollen 15 Jahre lang Geld fĂŒr das Bereithalten der Leistung bekommen.
Bundesnetzagentur vergibt elf KraftwerkszuschlÀge
Neue Gaskraftwerke fĂŒr Dunkelflauten werden bis spĂ€testens 2031 in fĂŒnf BundeslĂ€ndern entstehen. In der ersten Ausschreibungsrunde gingen fast alle ZuschlĂ€ge an RWE und Leag, die ĂŒberwiegend bestehende oder frĂŒhere Kohlekraftwerksstandorte nutzen wollen.
Gesicherte Leistung fĂŒr den Kohleausstieg
Die Anlagen sollen die Stromversorgung absichern, wenn Wind- und Solaranlagen nicht genĂŒgend Energie liefern. ZunĂ€chst sollen sie Erdgas verbrennen, spĂ€testens 2045 aber mit klimafreundlich erzeugtem Wasserstoff betrieben werden.
Die Bundesnetzagentur vergab elf ZuschlÀge aus 41 Geboten. Neben RWE und Leag erhielten die Leag-Tochter Gaskraftwerk Leipheim und die Stadtwerke Karlsruhe ZuschlÀge.
FĂŒnf BundeslĂ€nder erhalten Projekte
Leag baut nach der Ausschreibung vier Anlagen in JĂ€nschwalde und zwei in Boxberg. RWE plant drei Kraftwerke an den Standorten Voerde, Weisweiler und Werne; je ein weiteres Projekt entfĂ€llt auf Leipheim in Bayern und Karlsruhe in Baden-WĂŒrttemberg.
Zusammen verfĂŒgen die elf Projekte ĂŒber 5.160 Megawatt ErzeugungskapazitĂ€t. Die Betreiber sollen im Durchschnitt rund 155.300 Euro je Megawattstunde erhalten, woraus jĂ€hrliche Kosten von gut 800 Millionen Euro entstehen.
Stromkunden tragen die Umlage
Finanziert werden soll die Förderung ĂŒber eine neue Umlage fĂŒr alle Stromverbraucher. Wie stark der Strompreis dadurch steigt, steht noch nicht fest, weil weitere Ausschreibungen folgen.
Zweite Runde startet in KĂŒrze
FĂŒr die zweite Ausschreibungsrunde sollen Gebote nach dpa-Informationen bis zum 29. Dezember abgegeben werden. RWE hat nach eigenen Angaben bereits Genehmigungsplanungen und Vorbereitungen fĂŒr den Bau angestoĂen.
Die Deutsche Umwelthilfe kritisierte, die Ausschreibung bevorzuge fossile GroĂkonzerne und habe Batteriespeicher nicht zum Zuge kommen lassen. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche bezeichnete die erste Runde dagegen als groĂen Erfolg fĂŒr Versorgungssicherheit und Erneuerbare.
Die Ausschreibung ist ein zentraler Baustein der deutschen Kraftwerksstrategie: Erneuerbare Energien sollen weiter ausgebaut werden, zugleich braucht das Stromsystem abrufbare Leistung fĂŒr lĂ€ngere Phasen mit wenig Wind und Sonne. Die neuen Anlagen sollen diese LĂŒcke zunĂ€chst mit Erdgas schlieĂen und spĂ€ter fĂŒr Wasserstoff nutzbar sein.
Die erste Runde war deutlich ĂŒberzeichnet. Auf die ausgeschriebenen 4.500 Megawatt entfielen 41 Gebote mit knapp 12.000 Megawatt Leistung. Dass RWE und Leag zehn der elf ZuschlĂ€ge erhielten, lenkt den Blick auf die starke Stellung etablierter Betreiber und auf die Standortlogik der Ausschreibung.
Kosten und offene Fragen
Die Förderung summiert sich ĂŒber 15 Jahre rechnerisch auf etwa zwölf Milliarden Euro; zusĂ€tzlich wird der Fördermechanismus bis 2045 auf deutlich höhere Gesamtkosten geschĂ€tzt. Die konkrete Belastung einzelner Stromkunden hĂ€ngt jedoch von den weiteren Ausschreibungen und der Ausgestaltung der Umlage ab.
FĂŒr die Versorgungssicherheit können die Kraftwerke besonders in angespannten Stunden relevant werden, auch wenn sie im Normalbetrieb nur selten laufen sollen. Offen bleibt, wie schnell die Anlagen genehmigt und gebaut werden, ob Wasserstoff kĂŒnftig in ausreichender Menge und zu tragbaren Preisen verfĂŒgbar ist und wie stark Speicher in den nĂ€chsten Ausschreibungen zum Zuge kommen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: âBundesnetzagentur fördert den Bau elf neuer Gaskraftwerkeâ (03.11.2026)
Der Beitrag bestĂ€tigt die elf ZuschlĂ€ge und die Gesamtleistung von 5.160 Megawatt. ZusĂ€tzlich ordnet er die rechnerischen Förderzahlungen ĂŒber 15 Jahre ein und hebt die Kritik an der starken Stellung von RWE und Leag hervor.
Deutschlandfunk: âEnergiesicherheit Netzagentur vergibt erste KraftwerkszuschlĂ€ge - vor allem an RWE und LEAGâ (03.11.2026)
Der Deutschlandfunk konzentriert sich auf den Versorgungssicherheitszweck und die Verteilung der ZuschlĂ€ge. Wie der Tagesschau-Beitrag nennt er die Umlagefinanzierung und die 15-jĂ€hrige VergĂŒtung, setzt aber weniger Gewicht auf die Kritik am Ausschreibungsdesign.
Einigkeit besteht bei den Eckdaten und beim Ziel, gesicherte Leistung fĂŒr Zeiten mit geringer Erzeugung aus Wind und Sonne bereitzustellen. Unterschiede liegen vor allem in der Gewichtung von Kosten, Marktmacht und energiepolitischer Einordnung.
