Gaspreise ab Januar 2027: Familien drohen bis zu 508 Euro Mehrkosten
Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 19:23 Uhr | Redaktion boerse-global.deMit dem Start der kälteren Jahreszeit sehen sich Mieter und Haushalte mit steigenden Nebenkosten durch Rohrwärme konfrontiert, während Experten dazu raten, den Beginn des Heizens möglichst hinauszuzögern. In Frankfurt (Oder) beklagte ein Mieter eine aus seiner Sicht überhöhte Nebenkostenabrechnung infolge von Rohrwärme, nachdem die Heizungsanlage im Gebäude eingeschaltet worden war.
Seitdem die Außentemperaturen nachts in den einstelligen Bereich gefallen sind, laufen die Heizanlagen in vielen dortigen Mietshäusern wieder. Ob die Beanstandung des Mieters sachlich berechtigt ist, bleibt offen.
Abrechnungsregeln und Einsparpotenziale bei Heizkosten
Heizkosten werden in Wohngebäuden üblicherweise zu 50 bis 70 Prozent nach dem tatsächlichen Verbrauch und zu 30 bis 50 Prozent über die Wohnfläche verteilt. Sollte der erfasste Verbrauch ohne ein verändertes Heizverhalten um mehr als 30 Prozent vom Vorjahr abweichen, deutet dies häufig auf einen technischen Fehler hin. Ein Widerspruch gegen die Abrechnung ist innerhalb von zwölf Monaten nach Zugang möglich.
Gleichzeitig verweisen Verbraucherschützer auf deutliche Sparpotenziale bei der Regulierung. Laut der Verbraucherzentrale Niedersachsen spart bereits ein Grad weniger Raumtemperatur rund 5 Prozent Heizenergie ein.
Zudem wird empfohlen, Heizkörper bei Gluckergeräuschen oder ungleichmäßiger Erwärmung zu entlüften, die Vorlauftemperatur sowie die Heizkennlinie anzupassen und eine Nachtabsenkung zu programmieren.
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Angaben der VdZ Wirtschaftsvereinigung Gebäude und Energie zufolge steuern Thermostatstufen die Zieltemperatur und nicht die Geschwindigkeit des Heizens: Stufe 3 entspricht rund 20 Grad, Stufe 5 etwa 26 bis 28 Grad, wobei jede Ziffer einen Unterschied von 3 bis 4 Grad markiert.
Das Schneeflockensymbol gewährleiste Frostschutz bei rund 6 Grad. Durch moderne Thermostate lassen sich laut dem Branchenverband bis zu 7 Prozent der Kosten sparen; einfache mechanische Ausführungen sind ab etwa 10 Euro erhältlich.
Steigende Beschaffungspreise und Preisprognosen
Die finanzielle Belastung für Haushalte bleibt hoch. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes war Haushaltsenergie im Jahr 2023 im Durchschnitt 55,1 Prozent teurer als noch 2020 und lag 2025 weiterhin 46,9 Prozent über dem Niveau von 2020. Im Großhandel verdoppelten sich die Gaspreise bis zum Herbst infolge des Iran-Kriegs.
Neukunden zahlen in Deutschland im Schnitt typischerweise 14 Cent je Kilowattstunde Gas, bezogen auf den Sieben-Tage-Mittelwert des Vergleichsportals Verivox mit Datenstand vom 24. Oktober 2026.
Verivox erwartet ab Januar 2027 einen Preisanstieg bei Erdgas um 10 bis 20 Prozent, während die Netzentgelte im Schnitt um rund 3 Prozent zulegen. Bei einer Teuerung um 20 Prozent würde der durchschnittliche Gaspreis von 12,7 auf 15,2 Cent je Kilowattstunde steigen.
Für einen Single-Haushalt mit einem Verbrauch von 5.000 Kilowattstunden ergäben sich Mehrkosten von rund 127 Euro, für ein Paar mit 10.000 Kilowattstunden rund 254 Euro und für eine Familie mit 20.000 Kilowattstunden etwa 508 Euro, jeweils inklusive Netzentgelten zwischen 5 und 19 Euro.
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Ein um ein Grad reduziertes Heizen senke die Ausgaben laut Verivox je nach Haushaltsgröße um 46 bis 183 Euro pro Jahr, während ein Wechsel aus der Grundversorgung zwischen 51 und 204 Euro einsparen könne.
Auch bei anderen Energieträgern zogen die Preise an: Eine Preiserhebung der Verbraucherzentrale Südtirol vom 1. Oktober 2026 verzeichnete im Vorjahresvergleich Anstiege von 56 Prozent bei Erdgas, 53 Prozent bei Heizöl, rund 30 Prozent bei Pellets sowie 31 Prozent bei Strom.
Eine dreiköpfige Familie in einer unsanierten Altbauwohnung mit einem jährlichen Verbrauch von 1.500 Litern Heizöl zahlt dort rund 1.000 Euro mehr als im Vorjahr. Zur Entlastung fördert der Bund den Austausch alter Heizungen gegen erneuerbare Systeme derzeit mit 30 bis 80 Prozent der Investitionskosten, wobei die Zuschüsse zum 1. Februar 2027 gesenkt werden.
