Gaspreise setzen Haushalte mit Nachzahlungen unter Druck
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 10:55 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSCreditreform warnt vor wachsenden Zahlungsproblemen bei Gaskunden, wenn höhere Heizkosten zu zusĂ€tzlichen Nachzahlungen fĂŒhren. Besonders gefĂ€hrdet seien Haushalte, die bereits einen groĂen Teil ihres Einkommens fĂŒr Miete, Lebensmittel und Energie ausgeben.
Heizkosten können Nachzahlungen auslösen
âTeure Heizkosten werden vor allem diejenigen treffen, die einen GroĂteil ihres Einkommens fĂŒr die Lebenshaltungskosten wie Miete, Lebensmittel und eben Energie ausgeben mĂŒssenâ, sagte Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform-Wirtschaftsforschung, dem âHandelsblattâ. âFĂŒr sie kann eine zusĂ€tzliche Nachzahlung zum Auslöser von Zahlungsproblemen werden.â
Hantzsch sieht auch Risiken fĂŒr die Konjunktur. Die niedrigen FĂŒllstĂ€nde der deutschen Gasspeicher seien ein âWarnsignalâ fĂŒr Handel und Dienstleister, sagte er.
Creditreform warnt vor Folgen fĂŒr den Konsum
Höhere Heizpreise schwĂ€chten die Konsumbereitschaft der Verbraucher und schafften weitere Probleme fĂŒr die Binnenwirtschaft, erklĂ€rte Hantzsch. Damit könnten die Belastungen der privaten Haushalte auf den Handel und andere binnenwirtschaftlich ausgerichtete Branchen ausstrahlen.
Verbraucherzentrale fordert gezielte Entlastung
Auch Ramona Pop, Chefin des Verbraucherzentrale Bundesverbands, rechnet mit steigenden Kosten. âWer mit Gas heizt, muss im kommenden Winter mit höheren Kosten rechnenâ, sagte Pop dem âHandelsblattâ.
Als Grund nannte sie die seit Ausbruch des Kriegs im Iran âspĂŒrbarâ gestiegenen Weltmarktpreise. Der höhere Druck auf die Energieversorger werde âfrĂŒher oder spĂ€ter auch bei den Haushaltenâ ankommen.
Pop verlangt UnterstĂŒtzung fĂŒr kleinere Einkommen
Pop forderte die Bundesregierung auf, Haushalte mit kleinen und mittleren Einkommen gezielt bei den Energiekosten zu entlasten. Zugleich mĂŒsse Deutschland seine AbhĂ€ngigkeit von fossilen Energien weiter verringern, um weniger anfĂ€llig fĂŒr internationale Preisschocks zu sein.
Steigende Gaspreise treffen Haushalte nicht gleichmĂ€Ăig. Besonders angespannt ist die Lage fĂŒr Menschen, die bereits einen groĂen Teil ihres Einkommens fĂŒr Miete, Lebensmittel und Energie ausgeben. Eine höhere Jahresabrechnung oder Nachzahlung kann dann kurzfristig zu ZahlungsrĂŒckstĂ€nden fĂŒhren, selbst wenn das Einkommen unverĂ€ndert bleibt.
Der internationale Preisanstieg steht im Zusammenhang mit der angespannten Versorgungslage. Die europĂ€ischen Gasspeicher sind Ende September deutlich weniger gefĂŒllt als in den Vorjahren; fĂŒr Deutschland wurden Mitte September FĂŒllstĂ€nde von 55,6 Prozent genannt. Zugleich lag der europĂ€ische Referenzpreis TTF zuletzt bei rund 72 bis 74 Euro je Megawattstunde, nachdem er vor der Eskalation im Nahen Osten noch bei etwa 30 bis 31 Euro gelegen hatte.
Belastung fĂŒr Verbraucher und Wirtschaft
FĂŒr die privaten Haushalte entscheidet nicht nur der Börsenpreis ĂŒber die Rechnung. Versorger geben Beschaffungskosten zeitversetzt weiter, zudem wirken Vertragslaufzeiten, Netzentgelte, Steuern und die konkrete Heizmenge. Deshalb können höhere GroĂhandelspreise erst spĂ€ter in AbschlĂ€gen oder Nachzahlungen sichtbar werden.
Die Folgen reichen ĂŒber die Heizkosten hinaus. Wenn Haushalte mehr Geld fĂŒr Energie aufwenden mĂŒssen, bleibt weniger fĂŒr Handel und Dienstleistungen. Das kann den privaten Konsum dĂ€mpfen und die Binnenwirtschaft zusĂ€tzlich belasten. Besonders relevant ist daher, ob sich die SpeicherstĂ€nde vor dem Winter verbessern und ob internationale Lieferstörungen anhalten.
Politischer Handlungsdruck
Die Forderung nach gezielter UnterstĂŒtzung richtet sich vor allem auf kleine und mittlere Einkommen. Breite Entlastungen wĂŒrden zwar viele Haushalte erreichen, wĂ€ren aber teurer und wĂŒrden auch Menschen begĂŒnstigen, die höhere Preise leichter tragen können. Parallel bleibt die Verringerung der AbhĂ€ngigkeit von fossilen Energien ein strukturelles Ziel, weil dadurch die AnfĂ€lligkeit fĂŒr internationale Preisschocks sinken soll.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Euronews: âGeht uns das Gas aus? So sicher ist die EU fĂŒr den Winterâ (28.09.2026)
Der Beitrag ordnet die niedrigen SpeicherstĂ€nde in Deutschland und der EU ein und nennt fĂŒr Deutschland 55,6 Prozent Mitte September. Er bestĂ€tigt damit den Versorgungs- und Preisdruck, legt den Schwerpunkt aber stĂ€rker auf die Frage der Versorgungssicherheit und die europĂ€ischen Speicherziele.
Euronews: âZittern vor dem Winter: EU-Energiechef jagt Schockwelle durch die Gasspeicherâ (27.09.2026)
Dieser Artikel beschreibt die EU-weite Aufforderung zu geringerem Energieverbrauch und verweist auf SpeicherstÀnde von rund 70 Prozent sowie gestiegene TTF-Preise. Anders als die dts-Meldung konzentriert er sich auf europÀische Vorgaben und Marktpreise; offen bleibt, wie stark sich die Entwicklung auf einzelne deutsche Haushalte auswirkt.
Ăbereinstimmend wird die angespannte Speicherlage als wichtiger Preistreiber vor dem Winter beschrieben. Die BeitrĂ€ge unterscheiden sich beim Schwerpunkt: WĂ€hrend die dts-Meldung die Gefahr von Zahlungsproblemen und die soziale Abfederung betont, richten die Euronews-Artikel den Blick auf Versorgungssicherheit, Speicherziele und europĂ€ische Energiepolitik.
