ROUNDUP, BemĂŒhungen

Neue BemĂŒhungen um Waffenruhe im Gaza-Krieg

12.08.2025 - 11:22:17

GAZA - WÀhrend sich Israels MilitÀr auf die Einnahme der Stadt Gaza vorbereitet, unternehmen Vermittler laut Medienberichten neue Anstrengungen zur Beendigung des Krieges.

(Neu: mit israelischer Untersuchung zu Hunger)

GAZA (dpa-AFX) - WĂ€hrend sich Israels MilitĂ€r auf die Einnahme der Stadt Gaza vorbereitet, unternehmen Vermittler laut Medienberichten neue Anstrengungen zur Beendigung des Krieges. Neben den USA bemĂŒhten sich auch Katar und Ägypten intensiv um eine Wiederaufnahme der indirekten GesprĂ€che zwischen Israel und der islamistischen Terrororganisation Hamas, berichteten israelische Medien. Der US-GeschĂ€ftsmann Bishara Bahbah, der in den vergangenen Monaten an Kontakten zwischen den USA und der Hamas beteiligt war, rief beide Kriegsparteien zur sofortigen RĂŒckkehr an den Verhandlungstisch auf.

Eine Ausweitung des Krieges werde nur die Zahl der Todesopfer im Gazastreifen erhöhen und das Leben der Geiseln in der Gewalt der Hamas gefĂ€hrden, sagte Bahbah im GesprĂ€ch mit der "Jerusalem Post". Er gilt als Vertrauter von US-PrĂ€sident Donald Trump. "Israel befindet sich in einer Situation, in der es nicht sein will", sagte Bahbah der Zeitung. "Die israelische Öffentlichkeit möchte nicht sehen, dass israelische Soldaten im Gazastreifen getötet werden. Und die Lage fĂŒr die PalĂ€stinenser ist unhaltbar."

Trump: Erinnert euch an den 7. Oktober

Israels neuer Kriegsplan sieht laut MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu neben der Einnahme der Stadt Gaza auch die Zerschlagung der Hamas in den zentralen FlĂŒchtlingslagern des Gazastreifens vor. "Angesichts der Weigerung der Hamas, ihre Waffen niederzulegen, bleibt Israel keine andere Wahl, als den Job zu Ende zu bringen und die Niederlage der Hamas abzuschließen", hatte Netanjahu am Sonntag auslĂ€ndischen Journalisten gesagt. Dies sei "der beste Weg, den Krieg zu beenden - und der beste Weg, ihn rasch zu beenden".

US-PrĂ€sident Trump sagte nach Angaben des US-Nachrichtenportals "Axios", er glaube nicht, dass die Hamas "in der derzeitigen Situation die Geiseln freilassen wird". In einem kurzen Telefoninterview mit "Axios" habe sich Trump zwar nicht dazu Ă€ußern wollen, ob er Israels geplante Ausweitung des Krieges unterstĂŒtze. Trump scheine jedoch Netanjahus Argumentation zuzustimmen, dass mehr militĂ€rischer Druck auf die Hamas erforderlich sei, schreibt "Axios".

In Anspielung auf das Massaker der Hamas und anderer Terrorgruppen am 7. Oktober 2023 in Israel sagte Trump dem Portal: "Erinnert euch an den 7. Oktober, erinnert euch an den 7. Oktober". Dabei waren etwa 1.200 Menschen getötet und mehr als 250 als Geiseln nach Gaza verschleppt worden. Es war der Auslöser des Krieges. Seither wurden laut der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde in Gaza mehr als 61.000 Menschen getötet. Die kaum ĂŒberprĂŒfbare Zahl unterscheidet nicht zwischen Zivilisten und KĂ€mpfern.

Berichte: Netanjahu zu keinem Teilabkommen bereit

Netanjahu ist israelischen Medienberichten zufolge zu Verhandlungen ĂŒber ein Abkommen nur bereit, wenn es die Freilassung aller im Gazastreifen noch verbliebenen Geiseln beinhaltet und den Krieg zu den israelischen Bedingungen beendet. Dazu gehört, dass die Hamas die Waffen niederlegt. Laut "Axios" arbeiten Katar und die USA an einem neuen Vorschlag fĂŒr ein solches umfassendes Abkommen zur Freilassung der Geiseln und einer Beendigung des Krieges. Hierzu habe sich der US-Sondergesandte Steve Witkoff kĂŒrzlich mit Katars Regierungschef Mohammed bin Abdulrahman Al Thani getroffen.

Der US-GeschĂ€ftsmann Bahbah warnte jedoch im GesprĂ€ch mit dem israelischen Fernsehsender i24 News, dass Verhandlungen ĂŒber ein umfassendes Abkommen Monate dauern könnten. Es sei unrealistisch, wĂ€hrend der laufenden KĂ€mpfe diesbezĂŒglich mit Fortschritten zu rechnen, wurde Bahbah zitiert. Stattdessen plĂ€diere er fĂŒr eine 60-tĂ€gige Waffenruhe. "Dies wĂŒrde Leben retten, die Geiseln vor weiterer GefĂ€hrdung bewahren und die Voraussetzungen fĂŒr echten Fortschritt schaffen", zitierte ihn der Sender. Ein Vorschlag fĂŒr eine solche 60-tĂ€gige Waffenruhe lag bereits zuvor auf dem Tisch, doch indirekte Verhandlungen darĂŒber gerieten zuletzt in die Sackgasse.

EU verurteilt Tötung von Al-Dschasira-Journalist

Die EU verurteilte unterdessen die Tötung des Korrespondenten des arabischen Fernsehsenders Al-Dschasira sowie vier weiterer Mitarbeiter durch die israelischen StreitkrĂ€fte im Gazastreifen. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas teilte zudem mit, man nehme den israelischen Vorwurf zur Kenntnis, dass es sich bei der Gruppe um Hamas-Terroristen handelte. "Aber in solchen FĂ€llen mĂŒssen im Sinne der Rechtsstaatlichkeit eindeutige Beweise vorgelegt werden", forderte die Estin. Israels MilitĂ€r hatte nach Angaben des arabischen Senders den Korrespondenten Anas al-Scharif und seine Kollegen bei einem gezielten Luftangriff auf ein Zelt fĂŒr Journalisten in der Stadt Gaza getötet.

Israels MilitĂ€r bestĂ€tigte den Tod von al-Scharif. Der 28-JĂ€hrige habe sich als Al-Dschasira-Journalist ausgegeben, aber eine Terrorzelle der islamistischen Hamas angefĂŒhrt. Nach Angaben der Organisation Reporter ohne Grenzen wurde außerdem ein freier Journalist getötet, insgesamt betrage die Zahl der Toten damit sechs. Kallas drang nach einer Videokonferenz der EU-Außenminister zudem auf mehr UnterstĂŒtzung fĂŒr die notleidenden Menschen im abgeriegelten Gazastreifen. Es kĂ€men zwar mehr HilfsgĂŒter an, doch der Bedarf sei noch viel grĂ¶ĂŸer. "Wir fordern Israel dringend auf, mehr Lastwagen zuzulassen und eine bessere Verteilung der Hilfe zu ermöglichen."

Israel wirft Hamas "Hungerkampagne" vor

Hilfsorganisationen zufolge droht im Gazastreifen eine Hungersnot. Israel wirft der Hamas in diesem Zusammenhang eine gezielte Kampagne vor, um internationalen Druck auf das Land zu generieren. Die Cogat-Behörde veröffentlichte am Morgen eine Untersuchung, wonach es "keine Anzeichen fĂŒr ein weit verbreitetes PhĂ€nomen der UnterernĂ€hrung" in der Bevölkerung im Gazastreifen gebe. Eine Analyse der veröffentlichten TodesfĂ€lle habe ergeben, dass die meisten der "angeblich an UnterernĂ€hrung gestorbenen Personen" bereits Vorerkrankungen hatten, die zu einer Verschlechterung ihres Zustands fĂŒhrten und nichts mit ihrem ErnĂ€hrungszustand zu tun gehabt hĂ€tten.

Zeitgleich mit den im Juli auf Hochtouren laufenden indirekten Verhandlungen fĂŒr eine Waffenruhe sei bei den Daten der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde ein Anstieg der Zahl der gemeldeten TodesfĂ€lle aufgrund von UnterernĂ€hrung verzeichnet worden, teilte die Behörde mit. Eine eingehende ÜberprĂŒfung verschiedener Plattformen habe eine niedrigere Zahl ergeben. Dies lasse Zweifel an der GlaubwĂŒrdigkeit der Daten aufkommen, hieß es. Die Angaben ließen sich nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen.

@ dpa.de