Gehaltsspannen-Pflicht: 26% der HR-Chefs kennen Richtlinie nicht
Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 10:40 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Doch die Umsetzung stockt gewaltig.
Eine aktuelle Umfrage des Jobportals Stepstone unter 141 HR-Entscheidern zeigt alarmierende Defizite: 26 Prozent der Befragten kennen die Richtlinie gar nicht. Nur jeder dritte Personalverantwortliche ist mit den Details der Gesetzgebung vertraut.
Viele Betriebe ohne durchdachte Gehaltsstruktur
Die Implementierung der neuen Prozesse dauert. 46 Prozent der Unternehmen rechnen mit mehr als sechs Monaten Umsetzungszeit. Der aktuelle Stand ist ernüchternd: Zwar haben 54 Prozent der Betriebe eine etablierte Gehaltssystematik. Aber nur 40 Prozent kommunizieren ihre Vergütungsstrukturen transparent. Gerade einmal 28 Prozent der Organisationen ermöglichen ihren Beschäftigten interne Gehaltsvergleiche.
Die gesetzliche Pflicht gilt seit Juni 2026: Unternehmen müssen bereits in Stellenausschreibungen oder vor dem Vorstellungsgespräch Gehaltsspannen nennen. Ziel ist es, Lohngleichheit zu fördern und Informationsasymmetrien abzubauen.
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Ab 2027 kommt die nächste Pflicht
Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie sieht eine weitere Verschärfung vor: Ab 2027 müssen Unternehmen mit mehr als 150 Beschäftigten jährlich über das geschlechtsspezifische Lohngefälle berichten. Experten raten, bestehende Ungleichheiten vor der Offenlegung zu beheben. Sonst drohen rechtliche und reputationsbezogene Risiken.
„Ein Bürokratiemonster“
In der Wirtschaft wächst der Widerstand. Ein Gehalts-Experte bezeichnete die Richtlinie am 20. Juli als „Bürokratiemonster“ und warnte vor einer Kostenlawine. Die Stepstone-Umfrage bestätigt die Bedenken: 36 Prozent der HR-Verantwortlichen befürchten mehr interne Diskussionen über Gehälter. 28 Prozent erwarten einen deutlichen Mehraufwand in der Verwaltung. 22 Prozent rechnen mit steigenden Personalkosten durch notwendige Anpassungen.
Die neuen Pflichten treffen auf ein schwieriges Marktumfeld. Laut Mittelstandsindex der Datev stiegen die Lohnkosten im Juni 2026 um 6,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Der Umsatz legte nur um 2,7 Prozent zu. Besonders Kleinstunternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten leiden unter der Entwicklung.
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Regulatorische Dichte belastet Unternehmen
Die Entgelttransparenz ist nur eine von vielen neuen Vorschriften. Seit dem 19. Juli gilt ein EU-weites Vernichtungsverbot für unverkaufte Textilien und Schuhe für große Unternehmen. Ab dem 2. August kommen strengere Kennzeichnungspflichten für KI-Inhalte und verschärfte Transparenzregeln für KI-Modelle (EU AI Act) hinzu. Bußgelder von bis zu 15 Millionen Euro oder drei Prozent des weltweiten Jahresumsatzes drohen bei Verstößen.
Im Finanzsektor gelten seit Jahresbeginn verschärfte Meldepflichten für Kryptoanbieter (DAC8). Sie müssen Transaktionsdaten ihrer Nutzer an die Finanzbehörden übermitteln.
Angesichts dieser Regulierungsflut priorisieren Führungskräfte derzeit die digitale Transformation durch KI. Nachhaltigkeits- und Transparenzthemen fallen oft hinten runter – ein riskanter Kurs.
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