Gehaltsverhandlung: Wer verhandelt, wird 6.450 Euro reicher
Veröffentlicht am: 20.07.2026 um 23:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine aktuelle Studie in der Fachzeitschrift PNAS belegt: Die soziale Herkunft beeinflusst maßgeblich den finanziellen und beruflichen Erfolg. Menschen aus niedrigeren Schichten verhandeln seltener über ihr Gehalt – und stoßen dabei häufiger auf Vorurteile.
Die Klassendecke: Warum Verhandeln so schwerfällt
Die PNAS-Studie basiert auf fünf Teiluntersuchungen mit insgesamt 11.000 Teilnehmenden. Das Ergebnis: Wer aus niedrigeren sozialen Schichten kommt, neigt weniger zu Gehaltsverhandlungen. Dabei lohnt sich der Schritt enorm – Hochschulabsolventen erzielten durch Verhandlungen im Schnitt rund 6.450 US-Dollar mehr Einstiegsgehalt.
Doch die Hürden sitzen tief. Personalverantwortliche bewerten das Verhandlungsverhalten von Bewerbern aus niedrigeren Schichten tendenziell kritischer. Ein Teufelskreis, der die Karrierechancen massiv beeinflusst: 95 Prozent der Verhandler wurden befördert, aber nur 48 Prozent derjenigen, die keine Forderungen stellten.
Löhne steigen – aber nicht für alle
Die Bundesagentur für Arbeit liefert die harten Fakten für 2025: Das Medianentgelt für Vollzeitbeschäftigte stieg um 5,1 Prozent auf 4.217 Euro monatlich. Doch die Schere bleibt groß.
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Bildung ist und bleibt der entscheidende Faktor. Ohne Berufsabschluss verdienen Beschäftigte im Median 3.133 Euro, mit Abschluss 4.069 Euro. Akademiker liegen bei 6.146 Euro. Auch regional klaffen die Unterschiede: Hamburg führt mit 4.768 Euro, Mecklenburg-Vorpommern bildet mit 3.497 Euro das Schlusslicht. Der Gender-Pay-Gap schrumpfte leicht auf 309 Euro Differenz.
Altersarmut: Jeder zweite Ostdeutsche betroffen
Die aktuellen Daten zeigen ein strukturelles Problem. Laut einer Anfrage der Linken-Fraktion sind monatlich mindestens 3.771 Euro Brutto nötig, um nach 45 Beitragsjahren über der Armutsgefährdungsgrenze von 1.446 Euro Rente zu liegen.
In Ostdeutschland unterschreiten 54 Prozent der Vollzeitbeschäftigten diese Marke. In Sachsen-Anhalt sind es sogar 61 Prozent – rund 304.000 Menschen. Dietmar Bartsch fordert deshalb eine gezielte Lohnoffensive. Bundesweit droht jedem dritten Arbeitnehmer eine Armutsrente.
Lichtblicke in Logistik und Pflege
Amazon zieht bei den Löhnen nach: Ab September 2026 steigt der Einstiegslohn auf 16,66 Euro pro Stunde – ein Plus von 4,1 Prozent. Nach zwei Jahren sind 18,87 Euro geplant. Verdi fordert trotzdem weiter einen verbindlichen Tarifvertrag.
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Der Langzeitvergleich 2018 bis 2025 zeigt eine erfreuliche Entwicklung: Hilfskräfte verzeichneten mit 33 Prozent das stärkste Lohnwachstum. Hochqualifizierte legten nur um 20 Prozent zu. Besonders deutlich stiegen die Gehälter von Altenpflegefachkräften: 54 Prozent mehr auf 4.438 Euro. In der Metall- und Elektroindustrie betrug der Zuwachs 18,4 Prozent auf 4.891 Euro.
Praktika: Unbezahlte Arbeit für die Karriere?
Die Arbeiterkammer Wien schlägt Alarm: Fast die Hälfte der Studierenden hat bereits Praktika absolviert, der Anteil der Pflichtpraktika steigt. Doch nur jedes dritte Pflichtpraktikum wird vergütet. In Medizin, Lehramt und Gesundheit liegt die Quote unbezahlter Praktika bei over 70 Prozent. Besonders Frauen gehen dabei leer aus – sie erhalten signifikant seltener eine Vergütung als ihre männlichen Kollegen.
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