EU-Staaten: Weniger ukrainische Agrarwaren zollfrei in EU
27.03.2024 - 18:35:33Unter dem Druck von Bauern will eine Mehrheit der EU-Staaten strengere Zollvorgaben fĂŒr bestimmte Lebensmittel aus der Ukraine. Die Botschafter der EU-Staaten einigten sich auf einen neuen Kompromiss zu Zollvorgaben fĂŒr ukrainische Agrarprodukte, wie die belgische EU-RatsprĂ€sidentschaft mitteilte.
Er sieht nach Angaben von Diplomaten vor, dass weniger Waren als ursprĂŒnglich vorgesehen zollfrei in die EU verkauft werden dĂŒrfen. Das dĂŒrfte zum Nachteil der ukrainischen Landwirtschaft werden. Betroffen sind unter anderem Eier, GeflĂŒgel, Zucker und Mais. Die VerschĂ€rfung der Vorgaben braucht auch im Europaparlament eine Mehrheit.
Eigentlich hatten sich bereits vergangene Woche UnterhĂ€ndler der Mitgliedsstaaten und des Europaparlaments auf neue Zoll-Vorgaben fĂŒr ukrainische Waren geeinigt. Konkret sollen von den Regeln betroffene Waren nur noch bis zu einer bestimmten Menge zollfrei in die EU importiert werden dĂŒrfen. Wenn diese Menge erreicht ist, werden wieder Zölle fĂ€llig.
Der zwischen Parlament und EU-Staaten vergangene Woche erzielte Kompromiss sah vor, dass sich diese Menge nach dem Schnitt der Importe in den Jahren 2022 und 2023 richtet. Diese Referenzperiode soll nach Angaben aus Diplomatenkreisen nun auch das zweite Halbjahr 2021 umfassen, als noch weniger der betroffenen ukrainischen Waren in die EU verkauft wurden.
UnterstĂŒtzung ist den Bauern ein Dorn im Auge
Hintergrund der Debatte ist, dass die EU kurz nach Beginn des russischen Angriffskriegs auf sein Nachbarland ukrainische Waren von Zöllen befreit hat. Damit sollte die Wirtschaft des Landes gestĂ€rkt werden. Nach Angaben des fĂŒr Handel zustĂ€ndigen EU-Kommissars Valdis Dombrovskis gab es nie zuvor derartige MaĂnahmen zur Handelserleichterung. Ein weiterer Vorteil: Wenn die ukrainische Wirtschaft besser lĂ€uft, können die EU und ihre Mitgliedsstaaten auch weniger Hilfsgelder an das angegriffene Land ĂŒberweisen. Im Sommer laufen die derzeit geltenden Zollerleichterungen fĂŒr die Ukraine aus. Wenn bis dahin keine neue Regelung gefunden wird, wĂŒrden die Handelserleichterungen ganz wegfallen.Â
Diese UnterstĂŒtzung ist vielen Bauern, vor allem im Osten der EU, aber ein Dorn im Auge. Sie sehen sich durch gĂŒnstige Agrarimporte aus der Ukraine unverhĂ€ltnismĂ€Ăiger Konkurrenz ausgesetzt. Aber auch aus Frankreich gibt es Stimmen, die strengere Zollregeln fordern. Wie schlimm diese Auswirkungen der ukrainischen Exporte auf den Markt in der EU aber tatsĂ€chlich sind, darĂŒber wird gestritten.Â
Noch am Dienstag hatte Bundesagrarminister Cem Ăzdemir (GrĂŒne) gesagt, die Verteidigung der Ukraine finde auch darĂŒber statt, «dass man sich an putinscher Propaganda nicht beteiligt». Das Problem sinkender Getreidepreise liege nicht an ukrainischen Lieferungen. «DafĂŒr gibt es einfach keinerlei Belege. Wer das sagt, soll es bitte schön durch Fakten, durch Zahlen belegen», so der GrĂŒnen-Politiker.
Weizen bleibt zunÀchst zollfrei
Die Ukraine ist ein weltweit wichtiger Produzent von Weizen, vor allem Menschen in Ă€rmeren LĂ€ndern sind auf gĂŒnstiges Getreide aus dem osteuropĂ€ischen Staat angewiesen. Wegen des russischen Angriffs auf das EU-Nachbarland konnte zeitweise kein Weizen auf dem fĂŒr den Handel wichtigen Seeweg aus dem Land gebracht werden. Die Preise fĂŒr Weizen waren zwischenzeitlich deutlich gestiegen.
Auch wenn etwa Ungarn gefordert hatte, dass auch fĂŒr Weizen Kontingente eingefĂŒhrt werden sollen, bleibt die Einfuhr von Weizen aus der Ukraine zunĂ€chst zollfrei. Allerdings sollen unter bestimmten Bedingungen MaĂnahmen ergriffen werden können. Der GeneralsekretĂ€r des Deutschen Bauernverbandes, Bernhard KrĂŒsken, sieht das kritisch. Er hatte vergangene Woche mitgeteilt, das sei nicht nachvollziehbar. Auch Weizen hĂ€tte stĂ€rker einbezogen werden sollen.


