Gesellschaftsdienst: Prien will Freiwilligendienste und Katastrophenschutz bündeln
Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 09:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) plant eine umfassende Reform der Freiwilligendienste in Deutschland. Am 7. Oktober 2026 kündigte die Ministerin an, den entsprechenden Gesetzentwurf für einen sogenannten Gesellschaftsdienst in den kommenden Wochen in den politischen Raum zu geben. Das erklärte Ziel des Vorhabens bestehe darin, einen faktischen Rechtsanspruch sowie eine Garantie zu schaffen, damit jede Person, die einen solchen Dienst leisten möchte, diesen auch tatsächlich absolvieren kann.
Neuregelung soll Freiwilligendienste und Bevölkerungsschutz bündeln
Der Gesetzentwurf soll nach Angaben der Ministerin noch im laufenden Jahr vorgelegt werden. Geplant ist, den Bundesfreiwilligendienst, die verschiedenen Jugendfreiwilligendienste sowie den Zivil- und Katastrophenschutz in einem gemeinsamen rechtlichen Rahmen zu bündeln.
Ein wesentlicher Schwerpunkt der Reform liegt auf den finanziellen Rahmenbedingungen. Der Gesellschaftsdienst soll finanziell spürbar attraktiver ausgestaltet werden als die bisherigen Formate, damit die Teilnahme nicht von den finanziellen Mitteln der Eltern abhängt.
Im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) wird den Teilnehmenden gegenwärtig lediglich ein Taschengeld von einigen hundert Euro gezahlt. Prien knüpft damit an Vereinbarungen aus dem Koalitionsvertrag von Union und SPD an, wonach jungen Menschen ein Freiwilligendienst unabhängig von der elterlichen Unterstützung ermöglicht werden soll.
Einordnung im Kontext der Sicherheits- und Wehrdebatte
Ihre Pläne äußerte die Ministerin auf der Zugrückfahrt nach einem Besuch in Kiew. Dort hatte sie unter anderem einen Kindergarten besichtigt, der wiederholt Ziel russischer Drohnenangriffe geworden war.
Die Bundesregierung plant, Bundesfreiwilligendienst, Jugendfreiwilligendienste sowie Zivil- und Katastrophenschutz in einem gemeinsamen Rahmen zu bündeln — der Gesetzentwurf soll in den nächsten Wochen in den politischen Raum gegeben werden. Für Sozialverbände heißt das: Programme, Finanzierung und Compliance frühzeitig prüfen. Kostenlosen Reform-Leitfaden jetzt anfordern
Eine Dienstpflicht steht nach Priens Einschätzung derzeit nicht zur Debatte, da es für eine dafür notwendige Änderung des Grundgesetzes an einer politischen Mehrheit fehle.
Grundsätzlich halte sie einen verpflichtenden Gesellschaftsdienst jedoch für zeitgemäßer als einen reinen Wehrdienst und warb in diesem Zusammenhang für einen gesunden Patriotismus. Zugleich bezeichnete die Ministerin das geplante Gesetz als eine Vorbereitung auf einen Zivildienst, sollte die Wehrpflicht wieder eingeführt werden.
Geteilte Reaktionen in Verbänden und Parlament
Die Ankündigung stieß im politischen Berlin sowie bei Wohlfahrtsverbänden auf unterschiedliche Reaktionen. Die Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes, Eva Welskop-Deffaa, bezeichnete das Gesetz zwar als überfällig, mahnte jedoch zur Vorsicht und warnte vor zu weitgehenden Schritten mit Blick auf einen Zivildienst.
Im Freiwilligen Sozialen Jahr wird derzeit nur ein Taschengeld von einigen hundert Euro gezahlt — der geplante Gesellschaftsdienst soll finanziell spürbar attraktiver werden, damit nicht der Geldbeutel der Eltern entscheidet. Wer heute FSJ-Plätze besetzt, sollte seine Budgetplanung jetzt anpassen. Budget-Checkliste für Freiwilligen-Programme sichern
Aus den Reihen der Opposition forderte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, Misbah Khan, einen verbindlichen Rechtsanspruch auf Freiwilligendienste sowie eine verlässliche Verankerung der Mittel im Bundeshaushalt.
Der SPD-Bundestagsabgeordnete Felix Döring hielt der Debatte entgegen, dass sich die Frage nach einer Wiedereinführung der Wehrpflicht zum jetzigen Zeitpunkt nicht stelle. Scharfe Kritik kam hingegen von der Linken-Politikerin Mandy Eißing, die der Ministerin vorwarf, den Dienst als Instrument der Militarisierung zu nutzen.
