Gesundheit Nord: Betriebsratschef fordert Auflösung trotz 600 geplanter Stellenstreichungen
Veröffentlicht am: 01.11.2026 um 02:01 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer Betriebsratsvorsitzende des kommunalen Bremer Klinikverbunds Gesundheit Nord (Geno) hat in einem Interview die vollständige Auflösung des Klinikverbunds gefordert. Wie der Weser-Kurier am 30. Oktober 2026 berichtete, reagiert die Arbeitnehmervertretung damit auf weitreichende Spar- und Kürzungspläne, die den gesamten Krankenhauskonzern und insbesondere einzelne Standorte betreffen.
Stellenabbau und Millionendefizit belasten den Verbund
Der Verbund steht vor gravierenden finanziellen und personellen Einschnitten. Bei Gesundheit Nord wird derzeit ein Defizit in Höhe von 20 Millionen Euro erwartet. Um den finanziellen Schieflagen zu begegnen, sollen im gesamten Verbund bis zu 600 Stellen abgebaut werden.
Mit dem Beginn dieser Maßnahmen wird für Ende Dezember oder Anfang Januar gerechnet. Etwa die Hälfte des geplanten Stellenabbaus soll dabei über die reguläre Fluktuation abgewickelt werden.
Gleichzeitig sorgt die Vergütungsstruktur der Führungsebenen für Diskussionen: Die zentrale Geschäftsführung von Gesundheit Nord bezieht ein Jahresgehalt von 600.000 bis 700.000 Euro, während die einzelnen Krankenhausdirektionen mit jeweils 200.000 Euro vergütet werden.
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Umstrukturierung bedroht Klinikum Bremen-Ost
Besonders tiefgreifende Veränderungen drohen dem Klinikum Bremen-Ost (KBO), das rund 2.300 Beschäftigte zählt. Nach den aktuellen Planungen soll der gesamte somatische Bereich vom Standort abgezogen werden. Dies betrifft die Neurologie, die Dermatologie, die Lungenheilkunde, die Geriatrie und die Innere Medizin sowie die Notaufnahme und die Intensivstation. Lediglich die Psychiatrie soll am Standort verbleiben.
Diese Pläne werfen erhebliche Fragen hinsichtlich der regionalen Not- und Akutversorgung auf. Allein die Notaufnahme des KBO behandelt jährlich über 25.000 Patienten, Psychiatrie-Fälle nicht eingerechnet.
Zudem versorgt die dortige Stroke-Unit pro Jahr rund 2.000 Schlaganfall-Patienten. Der geplante Rückzug der Somatik steht zudem im Kontrast zu den bisherigen finanziellen Mitteln: Die Investitionen in Bremen-Ost belaufen sich auf fast 24 Millionen Euro.
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Vorbehalte wegen früherer Erfahrungen mit Verlagerungen
Die Skepsis der Arbeitnehmervertretung gegenüber Zentralisierungen und Abteilungsverlegungen stützt sich auch auf vergangene Entwicklungen. Im Jahr 2023 zeigte sich bei der Verlegung der Thoraxchirurgie, dass das Personal solchen Schritten häufig nicht folgt: Von rund 25 Kollegen wechselten damals lediglich vier bis fünf Beschäftigte an den neuen Standort mit.
Der ursprünglich geplante Bettenausbau von 18 auf 30 Betten konnte in der Folge nicht realisiert werden; derzeit sind in dem Bereich lediglich 12 Betten belegt. Die aktuellen Pläne bergen aus Sicht der Arbeitnehmervertretung die Gefahr, erneut dringend benötigte Fachkräfte zu verlieren.
