GKV-Defizit: Krankenkassen fordern Sparpaket für 18,8 Milliarden
18.06.2026 - 01:30:46 | boerse-global.de
Der GKV-Spitzenverband fordert Mitte Juni 2026 ein deutlich größeres Sparpaket als bisher geplant. Verbandschef Oliver Blatt verlangt eine Aufstockung der Maßnahmen. Grund sind die massiv gestiegenen Leistungsausgaben im ersten Quartal: plus 8 Prozent insgesamt.
Besonders die Krankenhausbehandlung legte um 9,4 Prozent zu. Arztpraxen verbuchten 7,3 Prozent mehr Kosten, Arzneimittel 6,4 Prozent. Gesundheitsministerin Warken rechnet für 2027 mit einer Finanzlücke von 18,8 Milliarden Euro – 3,5 Milliarden mehr als bislang erwartet. Der aktuelle Kabinettsentwurf sieht aber nur Einsparungen von 16,3 Milliarden Euro vor.
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Die Kassen wollen den durchschnittlichen Zusatzbeitrag bei 2,9 Prozent stabilisieren. Aktuell liegt er bei 3,1 Prozent. Zur Gegenfinanzierung fordern sie höhere Rabatte der Pharmaindustrie. Außerdem soll der Bund die Gesundheitskosten für Bürgergeld-Bezieher vollständig übernehmen.
Rentenreform: Höheres Alter, weniger Zuschüsse
Die Rentenkommission legt ihren Bericht zur langfristigen Sicherung des Systems voraussichtlich am 23. Juni 2026 vor. Diskutiert werden tiefgreifende Einschnitte: Die Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung steht im Raum. Auch ein verpflichtendes Rentensplitting und die mögliche Abschaffung der Rente mit 63 sind im Gesprich. Selbst die Hinterbliebenenrente könnte wegfallen.
Gleichzeitig plant das Bundesfinanzministerium, die Bundeszuschüsse zur Rentenversicherung 2027 um 4 Milliarden Euro zu kürzen. DRV-Präsidentin Roßbach warnt: Das werde zwangsläufig zu höheren Beiträgen führen. Der DGB rechnet bereits für 2027 mit einem Anstieg um 0,2 Prozentpunkte.
Aktuell liegt der Rentenbeitrag bei 18,6 Prozent. Prognosen zufolge könnte er bis 2040 auf 21,1 Prozent steigen. Kurzfristig gibt es aber auch eine gute Nachricht: Rund 21 Millionen Rentner erhalten im Juli eine Erhöhung ihrer Bezüge um 4,2 Prozent.
Minijobs werden teurer – für Arbeitgeber
Bei geringfügigen Beschäftigungen zeichnen sich neue Belastungen ab. Die Verdienstgrenze liegt 2026 bei 603 Euro. Geplant ist eine Anhebung der Arbeitgeberbeiträge zur Krankenversicherung von 13 auf 17,5 Prozent. Zudem prüft die Politik die Einführung eines Pflegeversicherungsbeitrags von 3,6 Prozent für Minijob-Verhältnisse.
Wirtschaftsverbände wie Dehoga und HDE kritisieren die Pläne scharf. Sie sprechen von erheblichen Kostensteigerungen für die Betriebe.
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Ab dem 1. Juli 2026 tritt eine Neuregelung in Kraft: Minijobber können ihre Befreiung von der Rentenversicherungspflicht einmalig widerrufen. Zahlen sie dann einen Eigenanteil von 3,6 Prozent, erwerben sie volle Rentenansprüche. Auch Zugänge zur Erwerbsminderungsrente oder zur Riester-Förderung sind dann möglich.
Bevölkerung zweifelt an Reformfähigkeit
Eine aktuelle Forsa-Umfrage von Mitte Juni zeigt: Die Mehrheit der Deutschen will höhere Steuerzuschüsse. 58 Prozent der Befragten sprechen sich dafür aus, die Sozialsysteme stärker aus Steuermitteln zu finanzieren. Nur 17 Prozent befürworten höhere Beiträge. 21 Prozent halten Leistungskürzungen für den richtigen Weg.
Das Vertrauen in die Politik ist gering: 70 Prozent der Bürger glauben nicht, dass Regierung, Arbeitgeber und Gewerkschaften zeitnah ein gemeinsames Reformkonzept vorlegen werden.
