Gleisarbeiten, Essen

Gleisarbeiten in Essen: Welche Sicherungsregeln nach dem tödlichen Unfall gelten

Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 16:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Gleisarbeiter starb, ein Kollege wurde schwer verletzt; Ermittler untersuchen den Arbeitsschutz und Zugausfälle beeinträchtigten den Verkehr.
Leere Bahngleise bei Nacht mit Schotterbett und Stahlschienen in einer stimmungsvollen, menschenleeren Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Bei einem schweren Bahnunfall in Essen-Katernberg ist am späten Sonntagabend ein Gleisarbeiter ums Leben gekommen. Der 39-jährige Mann aus Bottrop wurde am 25. Oktober 2026 gegen 23 Uhr auf der offenen Strecke zwischen Schonnebeckhöfe und Grundstraße von einem durchfahrenden ICE erfasst und erlag noch an der Unfallstelle seinen Verletzungen.

Ein 28-jähriger Kollege erlitt schwere Verletzungen, Lebensgefahr bestand nach Angaben der Einsatzkräfte jedoch zu keinem Zeitpunkt. Der Mann wurde mit einer Drehleiter geborgen und zur weiteren Versorgung in ein Krankenhaus gebracht.

Insgesamt waren sechs Mitarbeiter im Gleisbereich mit Grünschnittarbeiten beschäftigt, als zwei von ihnen von dem Zug erfasst wurden. Die Notfallseelsorge betreute mit drei Kräften aus Essen und Mülheim die weiteren Arbeiter sowie den Lokführer.

Neben der Feuerwehr Essen, die nach dem Notruf um 23.11 Uhr alarmiert worden war, rückten auch die Bundespolizei, das Deutsche Rote Kreuz, Notfallmanager der Deutschen Bahn sowie ein Polizeihubschrauber aus. Der Rettungseinsatz war nach rund zwei Stunden beendet.

Mordkommission ermittelt wegen möglicher Sicherheitsverstöße

Die Polizei Essen richtete nach dem Vorfall eine Mordkommission ein. Die Ermittler sicherten Spuren am Unfallort und leiteten ein Verfahren wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung gegen Unbekannt ein. Gegenstand der behördlichen Prüfungen ist insbesondere, ob Verstöße gegen geltende Sicherheitsvorschriften vorlagen.

Die Deutsche Bahn verwies auf die laufenden Ermittlungen, für die die Bundespolizeiinspektion zuständig ist, und äußerte sich nicht zu den konkreten Details des Hergangs. Das Unternehmen betonte jedoch, dass die Sicherung von Baustellen stets oberste Priorität habe.

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Nach Angaben des Konzerns galt am Unfallort Tempo 160 km/h; Hinweise auf eine überhöhte Geschwindigkeit des Zuges lagen nicht vor. Zudem seien Sicherungseinrichtungen vorhanden gewesen. Ob diese Schutzmaßnahmen im konkreten Fall ordnungsgemäß griffen, ist offen und Teil der Untersuchungen.

Vorgaben für Sicherungsmaßnahmen im Gleisbereich

Bei Arbeiten im Gleisbereich gelten im Bahnverkehr strenge Regularien. Für jede Maßnahme muss eine sogenannte Bau- und Betriebsanweisung (Betra) sowie ein individueller Sicherungsplan durch die jeweils zuständige Stelle ausgearbeitet werden. Arbeiten dürfen grundsätzlich erst aufgenommen werden, wenn sämtliche definierten Sicherungsmaßnahmen vollständig umgesetzt sind. Bei auftretender Gefahr ist das Gleis unverzüglich zu räumen.

Zu den technischen und organisatorischen Warnsystemen gehören automatische Detektoren, die mit optischen Lichtsignalen und Hupen warnen, sowie Sicherungsposten mit Signalhörnern. Zudem können Helme mit integriertem Kopfhörer zum Einsatz kommen. Die private Nutzung von Smartphones oder handelsüblichen Kopfhörern ist auf den Baustellen verboten.

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In vielen Fällen werden Gleise für die Dauer von Arbeiten komplett gesperrt. Warum die betroffene Strecke in Essen während des Grünschnitts nicht voll gesperrt war, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen. Bei Bauarbeiten ohne Vollsperrung sieht das Regelwerk der Deutschen Bahn zwingend Sicherungsposten, automatische Warnsysteme oder feste Absperrungen vor.

Auswirkungen auf den Bahnverkehr

Die betroffene Strecke zwischen Gelsenkirchen Hauptbahnhof und Essen-Altenessen war infolge des Unfalls seit 23.03 Uhr voll gesperrt. Am Vormittag konnte ein Gleis wieder für den Verkehr freigegeben werden. Am Montag führte der Vorfall dennoch zu erheblichen Einschränkungen: Fernzüge zwischen Gelsenkirchen und Duisburg wurden umgeleitet, was Verspätungen von rund 20 Minuten nach sich zog.

Im Regionalverkehr kam es zu Teilausfällen auf den Linien RB 32 und RB 35. Die Linie RE 3 wurde zwischen Dortmund und Oberhausen über Bochum und Essen umgeleitet. Für die Linien RE 1 (RRX) und RE 11 (RRX) erfolgten kurzfristige Einzelentscheidungen. Zwischen Dortmund und Oberhausen richteten die Verkehrsunternehmen einen Schienenersatzverkehr ein, ergänzt durch Busse auf den Abschnitten Essen-Altenessen–Gelsenkirchen und Wanne-Eickel–Oberhausen.

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