GrĂŒner Stahl, Dillinger HĂŒtte

GrĂŒner Stahl: Merz und Rehlinger loben Umbau im Saarland

Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 18:25 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Bundeskanzler Friedrich Merz und Saar-MinisterprÀsidentin Anke Rehlinger sehen den Umbau der Stahlindustrie im Saarland auf einem guten Weg. Das Milliardenprojekt soll die CO2-Emissionen deutlich senken, steht aber vor hohen Energie- und Marktpreisen.

  • Der Kanzler macht sich im Saarland ein Bild vom Umbau der Stahlindustrie  - Bild: Harald Tittel/dpa
    Der Kanzler macht sich im Saarland ein Bild vom Umbau der Stahlindustrie - Bild: Harald Tittel/dpa
  • Merz bekennt sich zur Stahlindustrie in Deutschland - Bild: Harald Tittel/dpa
    Merz bekennt sich zur Stahlindustrie in Deutschland - Bild: Harald Tittel/dpa
  • Bei der Transformation gibt es noch HĂŒrden. (Archivbild) - Bild: Laszlo Pinter/dpa
    Bei der Transformation gibt es noch HĂŒrden. (Archivbild) - Bild: Laszlo Pinter/dpa
Der Kanzler macht sich im Saarland ein Bild vom Umbau der Stahlindustrie  - Bild: Harald Tittel/dpa Merz bekennt sich zur Stahlindustrie in Deutschland - Bild: Harald Tittel/dpa Bei der Transformation gibt es noch HĂŒrden. (Archivbild) - Bild: Laszlo Pinter/dpa

Bundeskanzler Friedrich Merz und die saarlÀndische MinisterprÀsidentin Anke Rehlinger haben den laufenden Umbau der Stahlindustrie im Saarland zu einer klimafreundlicheren Produktion gelobt.

Milliardenprojekt fĂŒr die Saar-Stahlindustrie

Bei einem Besuch der Dillinger HĂŒtte sagte Merz, der Umbau mache „Mut fĂŒr Deutschland“. Deutschland mĂŒsse Industrieland bleiben und brauche dafĂŒr eine eigene Stahlerzeugung. Die Grundstoffindustrie könne klimafreundlich modernisiert und wettbewerbsfĂ€hig gehalten werden.

Rehlinger bezeichnete die Transformation der Saar-Stahlindustrie als „Musterbeispiel von Transformation“. Das Saarland spiele dabei eine FĂŒhrungsrolle.

Umbau soll 2028/29 starten

Die Transformation kostet rund 4,6 Milliarden Euro. Bund und Land fördern das Vorhaben mit 2,6 Milliarden Euro, den verbleibenden Betrag tragen die Unternehmen. Im Saarland arbeiten die Stahl-Holding-Saar sowie die Standorte in Dillingen und Völklingen an der Umstellung von Kohle auf Wasserstoff.

Nach Angaben einer SHS-Sprecherin liegt das Projekt derzeit im Zeitplan. Erste Bauwerke seien fertiggestellt, der Hochbau habe begonnen. Die Inbetriebnahme ist fĂŒr 2028/29 geplant.

Weniger CO2 durch Direktreduktion

In Direktreduktionsanlagen soll Wasserstoff die Kohle und den Koks klassischer Hochöfen ersetzen. Die neuen Anlagen in Dillingen und Völklingen sollen die CO2-Emissionen bis Anfang der 2030er Jahre um bis zu 55 Prozent beziehungsweise 4,8 Millionen Tonnen jĂ€hrlich senken. FĂŒr 2045 ist CO2-NeutralitĂ€t vorgesehen.

ZunĂ€chst soll Erdgas eingesetzt werden, spĂ€ter Wasserstoff. Die Stahlbranche gehört zu den grĂ¶ĂŸten CO2-Emittenten in Deutschland; neben der Stahl-Holding-Saar arbeiten unter anderem Thyssenkrupp und die Salzgitter AG an vergleichbaren Umstellungsprojekten.

Wasserstoffpipeline im Bau

Im August begann im Saarland der Bau einer Wasserstoffpipeline zwischen Dillingen und Leidingen an der französischen Grenze. Der Standort soll an das grenzĂŒberschreitende Wasserstoffnetz „mosaHYc“ angeschlossen werden. Ab 2029 ist eine jĂ€hrliche Lieferung von 6.000 Tonnen Wasserstoff vorgesehen; 2032/2033 soll die Anbindung an das deutsche Wasserstoff-Kernnetz folgen.

Eine zentrale Herausforderung bleiben die Kosten. GrĂŒner Wasserstoff ist derzeit deutlich teurer als fossile Alternativen und voraussichtlich auch 2030 mindestens doppelt so teuer wie grauer Wasserstoff aus Erdgas. Dadurch ist auch grĂŒner Stahl teurer als konventionell produzierter Stahl.

Schutz vor Billigimporten und neue GeschÀftsfelder

Die Branche fordert international wettbewerbsfĂ€hige Energiepreise und Arbeitskosten sowie grĂŒne LeitmĂ€rkte. Öffentliche AuftrĂ€ge, etwa fĂŒr den Bau des Schienennetzes, könnten die Nachfrage nach CO2-reduziertem Stahl erhöhen. Die EU hat zudem eine Verordnung zum Schutz des europĂ€ischen Stahlmarkts vor Billigimporten erlassen.

Merz lobte außerdem die Beteiligung der Stahl-Holding-Saar am deutschen Start-up Y-SIC. Das Unternehmen entwickelt ein patentiertes Verfahren zur Herstellung von hochreinem Siliziumkarbid, das unter anderem in der Halbleiterindustrie benötigt wird. Die Produktion in Dillingen soll im kommenden Jahr beginnen.

Umbau unter Kostendruck

Die Saar-Stahlindustrie steht exemplarisch fĂŒr die industrielle Transformation Deutschlands. Mit dem Wechsel vom Hochofen zur Direktreduktionsanlage sollen die Emissionen deutlich sinken, zugleich bleiben die bestehenden Standorte und damit industrielle Wertschöpfung, ArbeitsplĂ€tze und regionale Zulieferstrukturen erhalten.

Der Zeitplan bis zur Inbetriebnahme 2028/29 macht die nĂ€chsten Jahre entscheidend. ZunĂ€chst soll Erdgas eingesetzt werden, bevor Wasserstoff die zentrale Rolle ĂŒbernimmt. DafĂŒr braucht es nicht nur die angekĂŒndigte Pipeline, sondern auch verlĂ€ssliche Mengen, wettbewerbsfĂ€hige Energiepreise und eine Infrastruktur, die den grenzĂŒberschreitenden Bezug ermöglicht.

Politische UnterstĂŒtzung und offene Marktfrage

Die öffentliche Förderung von 2,6 Milliarden Euro zeigt die GrĂ¶ĂŸenordnung des Vorhabens. Sie senkt die Investitionslast der Unternehmen, löst aber nicht automatisch das Problem dauerhaft höherer Produktionskosten. Ob klimafreundlicher Stahl am Markt konkurrenzfĂ€hig bleibt, hĂ€ngt deshalb auch von Importregeln und einer ausreichenden Nachfrage nach emissionsĂ€rmeren Produkten ab.

FĂŒr Verbraucherinnen und Verbraucher ist der Umbau zunĂ€chst vor allem indirekt relevant: Stahl steckt in Fahrzeugen, GebĂ€uden, Maschinen und Infrastruktur. Staatliche LeitmĂ€rkte könnten die Nachfrage stĂŒtzen, wĂ€hrend Unternehmen ihre Lieferketten und Beschaffungsstandards anpassen mĂŒssten. Zugleich bleibt der Erfolg davon abhĂ€ngig, dass Wasserstoff verfĂŒgbar und bezahlbar wird.

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