Neue Anklage gegen mutmaĂlichen Trump-AttentĂ€ter
25.09.2024 - 06:50:02Bei dem Vorfall im US-Bundesstaat Florida handle sich um einen direkten Angriff auf die Demokratie, teilte das Justizministerium am Dienstagabend (Ortszeit) mit. Die Sorge vor politisch motivierter Gewalt in den USA ist mitten im Wahlkampf weiter groĂ - auch der Kongress handelt.
Bisher wurden dem 58 Jahre alten VerdÀchtigen der Besitz einer Feuerwaffe als verurteilter StraftÀter und mit unkenntlich gemachter Seriennummer vorgeworfen. Es war erwartet worden, dass gegen ihn noch in weiteren Punkten Anklage erhoben wird. Konkret nennt sich der nun hinzugekommene Anklagepunkt "Versuch der Ermordung eines bedeutenden politischen Kandidaten". Im Falle einer Verurteilung droht Ryan Wesley Routh eine lebenslange Haftstrafe.
Sorge im Kongress ĂŒber Sicherheit der Kandidaten
Fast zeitgleich verabschiedete der US-Kongress ein Gesetz, das den Schutz von PrĂ€sidentschaftskandidaten verbessern soll. Der Text passierte einstimmig den Senat, wenige Tage zuvor hatte das ReprĂ€sentantenhaus einstimmig fĂŒr den Gesetzesentwurf votiert. Das Gesetz sieht vor, dass dem republikanischen PrĂ€sidentschaftskandidaten Trump und seiner demokratischen Kontrahentin Kamala Harris das gleiche MaĂ an Secret-Service-Schutz gewĂ€hrt wird wie dem amtierenden US-PrĂ€sidenten Joe Biden. Dieser muss den Text nun noch unterzeichnen.
Es gibt allerdings Zweifel daran, dass zusĂ€tzliche Mittel fĂŒr den Secret Service so kurz vor der Wahl die Sicherheit der Kandidaten noch maĂgeblich verbessern können. Der Secret Service ist fĂŒr den Schutz hochrangiger Politiker zustĂ€ndig - unter anderem fĂŒr den amtierenden PrĂ€sidenten, aber auch fĂŒr frĂŒhere Amtsinhaber oder PrĂ€sidentschaftskandidaten wie Trump. Seit dem Attentat in der Stadt Butler im Bundesstaat Pennsylvania vor gut zwei Monaten bekommt Trump bereits den gleichen Schutz wie der amtierende PrĂ€sident. Dieser wird allerdings zum Beispiel noch mit KrĂ€ften des Verteidigungsministeriums geschĂŒtzt.
VerdÀchtiger in Florida soll Anschlag von langer Hand geplant haben
Ein SchĂŒtze hatte damals in Butler bei einer Wahlkampfveranstaltung der Republikanischen Partei das Feuer eröffnet und auf Trump geschossen. Ein Besucher der Kundgebung starb, zwei weitere wurden verletzt. Trump wurde am rechten Ohr verletzt. Der TĂ€ter wurde von SicherheitskrĂ€ften getötet. Vor gut einer Woche kam es dann zu dem weiteren Zwischenfall: Der Secret Service schoss an Trumps Golfplatz im Bundesstaat Florida auf einen bewaffneten Mann, der sich in den BĂŒschen versteckt hatte, wĂ€hrend der Ex-PrĂ€sident dort spielte. Der VerdĂ€chtige selbst feuerte keine Kugel ab und floh, wurde wenig spĂ€ter aber festgenommen und angeklagt.
Am Montag hatte die Staatsanwaltschaft bereits einen Brief veröffentlicht, den Routh verfasst haben soll. In dem Schreiben - adressiert an "die Welt" - heiĂt es: "Dies war ein Attentatsversuch auf Donald Trump, aber ich habe Sie enttĂ€uscht. Ich habe mein Bestes versucht und alles gegeben, was ich aufbringen konnte." Aus Gerichtsdokumenten geht hervor, dass sich das Mobiltelefon von Routh zuvor rund zwölf Stunden lang am Tatort befand - und damit wohl auch er selbst. Er soll den Anschlag methodisch geplant haben.
Justizminister: "Gewalt gegen AmtstrĂ€ger gefĂ€hrdet alles, wofĂŒr USA stehen"
Das Justizministerium teilte auĂerdem mit, dass Rouths Mobiltelefon an mehreren Tagen und zu verschiedenen Zeiten zwischen dem 18. August und dem 15. September in der NĂ€he von Trumps Golfclub und dessen wenige Kilometer entferntem Anwesen in Mar-a-Lago geortet worden sei. Der 58-JĂ€hrige wird bis zum Prozessbeginn in Untersuchungshaft bleiben. "Gewalt gegen AmtstrĂ€ger gefĂ€hrdet alles, wofĂŒr unser Land steht", erklĂ€rte US-Justizminister Merrick Garland.
Am 5. November treten Ex-PrĂ€sident Trump und VizeprĂ€sidentin Harris bei der PrĂ€sidentschaftswahl gegeneinander an. Die Stimmung in den USA ist aufgeheizt - die Sorge vor einer weiteren Eskalation ist groĂ. Trump gab nach dem Vorfall an seinem Golfklub in Florida den Demokraten eine Mitschuld. US-PrĂ€sident Biden warnte vor weiterer Gewalt.
Trump-Team: Bedrohung durch Iran
Zuletzt hatten auch Hacker-Angriffe auf die interne Kommunikation des Wahlkampfteams von Trump fĂŒr Schlagzeilen gesorgt. US-Geheimdienste machten dafĂŒr den Iran verantwortlich - der wies das zurĂŒck. Nun teilte Trumps Wahlkampfteam mit, dass der Republikaner vom US-Geheimdienst "ĂŒber reale und konkrete Bedrohungen aus dem Iran, ihn zu ermorden", informiert worden sei. Das Ziel des Irans sei es, die USA zu destabilisieren und Chaos zu sĂ€en, teilte Trump-Sprecher Steven Cheung unter Berufung auf das BĂŒro des nationalen Geheimdienstes mit. Trump sei darĂŒber am Dienstag (Ortszeit) unterrichtet worden.
Vom BĂŒro des nationalen Geheimdienstes gab es dazu zunĂ€chst keine Stellungnahme. Die Behörde warnte zu Beginn der Woche, dass auslĂ€ndische Akteure, darunter Russland und der Iran, KĂŒnstliche Intelligenz einsetzen wĂŒrden, um "ihre jeweiligen BemĂŒhungen zur Wahlbeeinflussung in den USA zu verstĂ€rken".

