Siemens gibt Healthineers-Aktien fĂŒr Milliarden an AktionĂ€re
12.11.2025 - 19:36:13Siemens will Aktien seiner Tochter Siemens Healthineers im Wert von rund 15 Milliarden Euro an seine AktionĂ€re abgeben. Konkret geht es um rund 30 Prozent an dem Medizintechnikunternehmen, wie der Konzern mitteilt. Ziel der Aktion ist, dass die MĂŒnchner das GeschĂ€ft der Erlanger Tochter nicht mehr voll konsolidieren mĂŒssen - zudem setzt Siemens damit seinen seit Jahren eingeschlagenen Kurs fort, sich auf das KerngeschĂ€ft zu konzentrieren. Derzeit hĂ€lt Siemens noch gut zwei Drittel.Â
Die Aktien sollen den aktuellen Siemens-AktionĂ€ren vorzugsweise in Form einer Direktabspaltung ĂŒbertragen werden. Auf Dauer will Siemens nur noch eine signifikante Minderheitsbeteiligung an Healthineers halten. «Der heutige Tag markiert den Beginn der nĂ€chsten Wachstumsphase fĂŒr Siemens», sagt Konzernchef Roland Busch. Mit der Abgabe der Kontrollmehrheit an Healthineers konzentriere sich Siemens auf ein «hochgradig synergetisches» Portfolio.Â
Finanzchef Ralf P. Thomas betonte zudem, dass die Entkonsolidierung die SpielrĂ€ume fĂŒr Siemens erweitere. Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt, dass die Hauptversammlungen beider Unternehmen zustimmen. Die genaue Ausgestaltung soll in den kommenden Monaten erarbeitet werden. Details sollen Anfang des zweiten Kalenderquartals 2026 bekanntgegeben werden.Â
Arbeitnehmer: BegrĂŒndung nachvollziehbarÂ
Die Trennung der beiden Unternehmen sei ein letztlich konsequenter Schritt - auch wenn er nicht leicht falle, heiĂt es von IG Metall und Betriebsrat. Wichtig fĂŒr die Arbeitnehmer sei gewesen, fĂŒr die Trennung tragfĂ€hige Bedingungen zu erreichen. Dazu gebe es Zusagen der Firmenseite: Unter anderem eine unverĂ€nderte Tarifbindung, Standort- und BeschĂ€ftigungssicherung sowie den Verbleib der Unternehmenszentrale in Deutschland.Â
«Wir tragen das Konzept der integrierten One Tech Company mit, weil es aus heutiger Sicht langfristig die besten Aussichten fĂŒr Siemens bietet», sagt der 2. Vorsitzende der IG Metall, JĂŒrgen Kerner. Denke man das konsequentÂ
weiter, passe Healthineers technologisch «auf Dauer nicht wirklich zu den Kernelementen Digital Industries, Smart Infrastructure und Mobility und hat obendrein eigenstĂ€ndig bessere Chancen. Sich wider besseres Wissen an der aktuellen Struktur festzuklammern, geht dann nicht mehr â stattdessen kommt es auf bestmögliche Gestaltung der VerĂ€nderung an.»Â
Seit 2018 an der BörseÂ
Siemens hatte seine Medizintechniksparte im MĂ€rz 2018 unter dem Namen Healthineers an die Börse gebracht, dabei aber eine komfortable Mehrheit behalten. Aktuell hĂ€lt Siemens noch rund 67 Prozent der Healthineers-Anteile und muss die Tochter daher voll konsolidieren. Zu Kursen um 45 Euro pro Healthineers-Aktie, wie sie zuletzt gezahlt wurden, wĂ€re der gesamte Siemens-Anteil um die 34 Milliarden Euro wert.Â
Healthineers, gefĂŒhrt vom ehemaligen Basketball-Bundesligaspieler Bernd Montag als CEO, gehört zu den weltgröĂten Herstellern von Medizintechnik. Das Unternehmen, inzwischen selbst ein Dax-Konzern, stellt unter anderem bildgebende MedizingerĂ€te wie Kernspin- und Computertomografen her und versorgt KrankenhĂ€user mit Komplettlösungen.Â
Die Sparte Labordiagnostik - dazu zĂ€hlen etwa technische Möglichkeiten fĂŒr Bluttests - galt zunĂ€chst als HoffnungstrĂ€ger, zuletzt aber eher als Verkaufskandidat. 2021 hatte Healthineers den hochprofitablen US-Strahlentherapie-Spezialisten Varian ĂŒbernommen.Â
Im abgelaufenen GeschĂ€ftsjahr hat Healthineers knapp 2,2 Milliarden Euro Gewinn gemacht und damit einiges zum Jahresergebnis der Mutter beigetragen. Das Unternehmen gilt insgesamt als profitabel, wenn auch die Wachstumsprognosen nicht immer alle Hoffnungen von Investoren erfĂŒllten. Nach eigenen Angaben beschĂ€ftigt das Unternehmen mit Hauptsitz am alten Siemens-Standort Erlangen weltweit mehr als 70.000 Menschen.Â
Schon lĂ€nger Spekulationen um ReduzierungÂ
Ăber eine Reduzierung des Healthineers-Anteils war bei Siemens schon lĂ€nger spekuliert worden. Die Gewinne der Tochter haben zuletzt zwar dazu beigetragen, SchwĂ€chen an anderer Stelle im Konzern abzufedern, doch Healthineers bringt dem Konzern keine Synergien und bindet Kapital. Investoren fordern daher schon lĂ€nger eine komplette Trennung. Im laufenden Jahr hat Siemens bereits Anteile verkauft, um mit den Erlösen zum Teil die Ăbernahmen zu finanzieren.Â
Siemens hat in der Vergangenheit immer wieder Teile abgespalten - sei es die Halbleitersparte, die heute unter dem Namen Infineon lĂ€uft, sei es Osram oder die 2020 an die Börse gebrachte Energietechniksparte Siemens Energy. Dass der Konzern ĂŒber mehr als sieben Jahre eine so hohe Beteiligung wie bei Healthineers hĂ€lt, kam dabei aber nicht vor.





