DGB-Chefin kritisiert Tarifflucht von Unternehmen - Milliardenschaden
01.05.2024 - 15:14:22 | dpa.de(neu: mehr Details und Hintergrund)
HANNOVER/BERLIN/ERFURT (dpa-AFX) - Am Tag der Arbeit haben die Gewerkschaften in Deutschland fĂŒr soziale Gerechtigkeit, faire Löhne und Arbeitnehmerrechte gekĂ€mpft. Die Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Yasmin Fahimi, forderte bei der Hauptkundgebung in Hannover bessere Bedingungen fĂŒr BeschĂ€ftigte. Sie kritisierte die Tarifflucht von Arbeitgebern, die einen volkswirtschaftlichen Schaden von 130 Milliarden Euro jĂ€hrlich anrichte. "TarifvertrĂ€ge machen BeschĂ€ftigte zu freien Menschen in der Arbeitswelt." Mehr Lohn, faire Bezahlung und geregelte Arbeitszeiten seien das gute Recht der BeschĂ€ftigten, sagte Fahimi, die ein Bundestariftreuegesetz forderte.
Die Vorsitzende der IG Metall, Christiane Benner, nannte Investitionen "das Gebot der Stunde". Gewerkschaften und ihre Mitglieder mĂŒssten sich immer hĂ€ufiger gegen die Verlagerung von ArbeitsplĂ€tzen und AbbauplĂ€ne wehren. Die Investitions- und Strategielosigkeit der Unternehmen werde immer offensichtlicher. "Kurzsichtige AbbauplĂ€ne und mangelndes Vertrauen in den Industriestandort und seine BeschĂ€ftigten sind feige", sagte Benner in Erfurt. "Das schwĂ€cht nicht nur die BeschĂ€ftigten und die Wirtschaft, sondern ist auch gesamtgesellschaftlich ein fatales Signal."
Sozial- und Infrastrukturpolitik dĂŒrften nicht lĂ€nger gegeneinander ausgespielt werden, verlangte der Vorsitzende der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, Frank Werneke. Deswegen mĂŒsse auch die Schuldenbremse endlich ausgesetzt oder zumindest grundlegend reformiert werden. "Die Schuldenbremse ist eine Zukunftsbremse." Arbeitgeber und ihre Lobby versuchten, "mit ihrem stĂ€ndigen Jammern" ĂŒber zu hohe Steuerbelastung und Abgaben die Einnahmen des Staates zu vermindern. "Diese Verelendungsstrategie darf nicht lĂ€nger aufgehen."
Der DGB feierte den Tag der Arbeit nach eigenen Angaben mit Hunderten Kundgebungen und Veranstaltungen auf den StraĂen und PlĂ€tzen in Deutschland. In Hannover versammelten sich nach DGB-Angaben mehr 10 000 Menschen, die Polizei sprach allerdings nur von 2500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. In Hamburg folgten dem Aufruf rund 7000 Menschen. Zu Beginn des Zugs in Berlin durch die Mitte der Hauptstadt schĂ€tzte die Polizei die Teilnehmerzahl auf 7500.
In einer Botschaft zum 1. Mai lehnte Bundeskanzler Olaf Scholz eine Anhebung des Renteneintrittsalters erneut klar ab. "FĂŒr mich ist es eine Frage des Anstands, denen, die schon lange gearbeitet haben, nicht den verdienten Ruhestand streitig zu machen", sagte der SPD-Politiker. "Und auch die JĂŒngeren, die am Anfang ihres Berufslebens stehen, haben das Recht zu wissen, wie lange sie arbeiten mĂŒssen."
Scholz betonte, die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland hĂ€tten noch nie so viele Stunden gearbeitet wie im vergangenen Jahr. "Deshalb Ă€rgert es mich, wenn manche abschĂ€tzig vom "Freizeitpark Deutschland" reden." Mit ĂŒber 46 Millionen Frauen und MĂ€nnern gebe es mehr ErwerbstĂ€tige in Deutschland als je zuvor.
Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) warnte zum Tag der Arbeit vor SozialkĂŒrzungen. "Der 1. Mai ist der Tag der SolidaritĂ€t ? wir lassen uns nicht auseinandertreiben", sagte der SPD-Politiker dem Berliner "Tagesspiegel". "Gerade zum Tag der Arbeit kann man nicht genug betonen: Ich lasse es nicht zu, dass Arbeitnehmerrechte rasiert und der Sozialstaat geschleift werden."
Ein Thema bei den Kundgebungen zum 1. Mai war auch die AfD. DGB-Chefin Fahimi forderte in Hannover mit Blick auf die Europawahl am 9. Juni dazu auf, demokratisch zu wĂ€hlen. "Wir wollen ein Europa fĂŒr die Menschen und ein gutes und friedliches Miteinander", sagte sie. Ein Europa der Abschottung, wie es Rechtspopulisten letztlich fordern, wĂ€re hingegen gerade fĂŒr Deutschland eine wirtschaftliche Katastrophe.
Bei der DGB-Kundgebung in Dresden sagte Heil: "Die AfD ist keine Alternative fĂŒr Deutschland, sie ist ein Albtraum fĂŒr unser Land." Bei der Europawahl trete die AfD mit einem Programm an, das am Ende des Tages den Austritt Deutschlands aus der EuropĂ€ischen Union anstrebe. "Europa ist nicht nur ein Friedensprojekt, Europa ist eine Grundlage fĂŒr unseren Wohlstand." Man dĂŒrfe sich Europa von Rechtsradikalen nicht zerstören lassen und mĂŒsse Flagge zeigen.
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