Heizkosten-Schock: Mieter- und VermieterverbÀnde fordern Entlastung
Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 23:44 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Angesichts drohender finanzieller Belastungen bei anstehenden Nebenkostenabrechnungen haben sich Mieter- und Vermietervertreter zusammengeschlossen. In einer gemeinsamen Initiative appellieren der Deutsche Mieterbund, Haus & Grund, die Verbraucherzentralen sowie Erneuerbaren-VerbÀnde an die Bundesregierung und den Bundestag.
Das BĂŒndnis warnt vor gravierenden Heizkosten-Schocks und fordert politische MaĂnahmen, um Energie- und WĂ€rmekosten fĂŒr Haushalte bezahlbar zu halten.
Entlastungen bei Netzentgelten und Stromsteuern gefordert
Die Organisationen drĂ€ngen auf eine grundlegende Entlastung bei den Energiekosten. Konkret fordern sie, die Netzentgelte bundesweit solidarisch zu verteilen und zu deckeln. Zudem solle die Stromsteuer auf das europĂ€ische MindestmaĂ gesenkt werden. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Kontrolle der FernwĂ€rmepreise sowie dem Abbau bestehender HĂŒrden fĂŒr Mieterstrom und SolardĂ€cher.
Auf Landesebene schlossen sich der Deutsche Mieterbund Schleswig-Holstein, Haus & Grund Schleswig-Holstein, die dortige Verbraucherzentrale und der Landesverband Erneuerbare Energien Schleswig-Holstein dem Appell an Bundesregierung und Bundestag an. Sie fordern, Strom und WĂ€rme bezahlbar zu halten, die Versorgung abzusichern und fossile Energieimporte dauerhaft zu reduzieren.
Notwendig seien der weitere Ausbau von Wind-, Solar- und Bioenergie, Speichern sowie Strom- und WĂ€rmenetzen. Zugleich mahnen sie mehr FlexibilitĂ€t, Digitalisierung, Effizienz, weniger BĂŒrokratie und verlĂ€ssliche Investitionsbedingungen an.
Kritisch bewerten die schleswig-holsteinischen VerbĂ€nde langfristige Investitionen in Gaskraftwerke: Diese dĂŒrften nicht zum kostenintensiven RĂŒckgrat des Energiesystems werden, wenn erneuerbare Lösungen dieselbe Systemleistung wirtschaftlicher erbringen können.
Nach Angaben des Landesverbands Erneuerbare Energien Schleswig-Holstein produziert das Land mehr Strom, als es verbraucht; der erneuerbare Anteil betrage im WĂ€rmebereich 14 Prozent und bei der MobilitĂ€t 7 Prozent. Ăberdies sehen die beteiligten VerbĂ€nde im geplanten Wegfall der garantierten EinspeisevergĂŒtung fĂŒr ĂŒberschĂŒssigen Solar- und Windstrom ein potenzielles Investitionshemmnis.
Hinsichtlich der Abrechnungsregeln weisen die VerbĂ€nde darauf hin, dass die Heizkostenabrechnung Mietern spĂ€testens zwölf Monate nach Ende des Abrechnungszeitraums zugehen muss. Die Kostenverteilung erfolgt in der Regel zu 50 bis 70 Prozent nach dem tatsĂ€chlichen Verbrauch. Fehlt der vorgeschriebene Vermieteranteil an den CO?-Kosten, haben Mieter das Recht, ihren Heizkostenanteil um 3 Prozent zu kĂŒrzen.
Wer sich mit der rechtssicheren Umlage von Heiz- und Nebenkosten befasst, muss die aktuellen gesetzlichen Vorgaben genau kennen. Dieser kostenlose Ratgeber erklĂ€rt in nur 5 Minuten, wie Sie eine korrekte Betriebskostenabrechnung erstellen und keine zulĂ€ssigen Posten vergessen. Betriebskostenabrechnung 2026: So holen Vermieter jeden zulĂ€ssigen Euro zurĂŒck
Debatte ĂŒber energiepolitische GesetzesplĂ€ne
Das Bundesfinanzministerium verweist auf bereits umgesetzte Schritte wie den Wegfall der Gasspeicherumlage seit 2026 sowie 6,5 Milliarden Euro im Klima- und Transformationsfonds fĂŒr die teilweise Ăbernahme von Ăbertragungsnetzentgelten und Umlagen. Die Senkung der Stromsteuer im Vorjahr habe laut Ministerium zudem mehr als 600.000 Unternehmen entlastet.
Gleichzeitig wĂ€chst der politische Druck. Der schleswig-holsteinische MinisterprĂ€sident Daniel GĂŒnther warnte Bundeskanzler Friedrich Merz in einem auf den 5. Oktober datierten Brief vor den PlĂ€nen der Bundesregierung.
Viele Immobilienbesitzer riskieren durch Formfehler bei der Abrechnung finanzielle EinbuĂen oder rechtliche Auseinandersetzungen. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Report, welche Fehler Experten vermeiden und wie Sie Ihre Abrechnungssicherheit fĂŒr 2026 erhöhen. Warum tausende Vermieter in Deutschland auf diesen Betriebskosten-Report schwören
GĂŒnther kritisierte die EEG-Reform und das Netzanschlusspaket von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und Ă€uĂerte die Sorge vor einer Bremse fĂŒr die Energiewende sowie vor SchĂ€den fĂŒr Deutschland und Schleswig-Holstein.
SPD-Energiepolitikerin Nina Scheer sieht bei den Vorhaben ebenfalls erheblichen Ănderungsbedarf. Der schleswig-holsteinische FDP-Landeschef Christopher Vogt verlangt seinerseits bundeseinheitliche Netzentgelte, regional differenzierte Strompreiszonen sowie eine Stromsteuer auf EU-MindestmaĂ.
Das Bundeskabinett hatte die EEG-Reform und das Netzanschlusspaket Ende Juli 2026 beschlossen. Ende September 2026 fand die erste Lesung der beiden Vorhaben im Bundestag statt; Termine fĂŒr die zweite und dritte Lesung stehen noch nicht fest. Der Bundesrat sprach sich Ende September gegen die Ănderungen aus, besitzt jedoch keine Möglichkeit, das Vorhaben zu stoppen.
