Herbstprognose: Bundesregierung hebt Wachstumsziel für 2026 auf 1,3 Prozent
Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 15:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Bundesregierung hat ihre Herbstprognose vorgelegt und blickt spürbar optimistischer auf die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland. Für das Jahr 2026 erwartet sie nun ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 1,3 Prozent. In der vorangegangenen Frühjahrsprognose war die Regierung lediglich von einem Zuwachs von 0,5 Prozent ausgegangen.
Die aktuelle Anhebung entspricht damit einem Plus von 0,8 Prozentpunkten. Auch für die darauffolgenden Jahre liegen neue Schätzungen vor: Für 2027 prognostiziert die Regierung ein BIP-Wachstum von 1,1 Prozent nach zuvor veranschlagten 0,9 Prozent, für 2028 wird ein Anstieg von 0,6 Prozent erwartet.
Staatsausgaben und Exporte stützen die Konjunktur
Als wesentliche Treiber dieser Entwicklung nennt die Bundesregierung den Außenhandel, staatliche Investitionen sowie gesteigerte Verteidigungsausgaben. Die fiskalischen Impulse aus Sondervermögen und Verteidigungsetats sollen über den gesamten Projektionszeitraum hinweg spürbar bleiben.
Insgesamt habe sich die deutsche Wirtschaft trotz gestiegener Energiepreise und des Iran-Kriegs widerstandsfähiger gezeigt als zunächst angenommen. Zeitweise profitierten die hiesigen Exporteure zudem von weltweiten Engpässen und den damit verbundenen Lageraufstockungen energieintensiver Güter. Für das Gesamtjahr 2026 rechnet die Bundesregierung mit einem Exportplus von 3,7 Prozent.
Demgegenüber fiel die jüngste monatliche Entwicklung gedämpfter aus: Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sanken die deutschen Exporte im August kalender- und saisonbereinigt um 0,8 Prozent auf 137,6 Milliarden Euro.
Konsum und Investitionen entwickeln sich uneinheitlich
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Beim Konsum zeigt sich laut den Regierungsprognosen ein zweigeteiltes Bild. Während für den Staatskonsum im Jahr 2026 ein kräftiger Anstieg von 2,6 Prozent erwartet wird, fällt das prognostizierte Wachstum beim privaten Konsum mit 0,3 Prozent verhalten aus.
Eine schrittweise Erholung der privaten Investitionen stellt die Regierung erst im Laufe des Jahres 2027 in Aussicht. Für die Bauinvestitionen werden für 2027 ein Zuwachs von 1,6 Prozent und für 2028 ein Plus von 0,6 Prozent veranschlagt.
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Bei den Verbraucherpreisen geht die Bundesregierung von einer durchschnittlichen Inflationsrate von 2,7 Prozent für 2026 aus. Im Jahr 2027 soll die Teuerung auf 3,0 Prozent steigen, bevor sie sich 2028 voraussichtlich auf 2,2 Prozent abschwächt.
Wirtschaftsministerin Reiche warnt vor fragiler Lage
Wirtschaftsministerin Katherina Reiche stellte die Herbstprognose vor und ordnete die Zahlen zurückhaltend ein. Reiche betonte, dass knapp 0,7 Prozentpunkte des erwarteten Wachstumsanstiegs auf Ausgaben des Staates entfielen und gut 0,3 Prozentpunkte auf Sondereffekte bei den Exporten im zweiten Quartal 2026 zurückzuführen seien.
Angesichts externer Krisen wie dem Konflikt im Nahen Osten stütze sich der Zuwachs daher auf fragile Faktoren. Auch in einer Rede im Bundestag verwies die Ministerin darauf, dass die Erholung auf wackeligen Beinen stehe. Die weitere wirtschaftliche Entwicklung hänge nach Einschätzung der Regierung maßgeblich vom weiteren Verlauf der Konflikte im Nahen Osten und in der Ukraine ab.
Vor diesem Hintergrund forderte Reiche grundlegende Weichenstellungen. Dazu zählte sie flexiblere Arbeitszeitmodelle, stabile Sozialabgaben, einen spürbaren Bürokratieabbau sowie wettbewerbsfähige Preise für Energie.
Ergänzend sprach sich die Ministerin für Reformen am Arbeitsmarkt, im Sozial- und im Rentensystem sowie für flexiblere Kündigungsregeln und eine höhere individuelle Arbeitsleistung aus.
Reiche wies zudem darauf hin, dass die Nettozuwanderung zuletzt stark rückläufig gewesen sei und die Zahl der Erwerbstätigen in den kommenden Jahren sinken dürfte. Reformen mahnte auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag an.
Mit ihren Vorhersagen bewegt sich die Bundesregierung nahe an den Werten der Wirtschaftsforschungsinstitute. Diese prognostizieren für das Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2026 ebenfalls ein Wachstum von 1,3 Prozent und für 2027 von 1,1 Prozent. Für 2028 rechnen die Institute mit einem Zuwachs von 0,4 Prozent.
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