Hitze, Arbeitsplatz

Hitze am Arbeitsplatz: Neue Regeln ab 26 Grad für 130 Millionen

28.06.2026 - 08:12:54 | boerse-global.de

Rekordnachfrage nach Kühlgeräten im Juni 2026. Experten warnen vor Gesundheitsgefahren durch mangelhafte Wartung und Hitze am Arbeitsplatz.

Klimaanlagen-Boom: Rekordnachfrage und Gesundheitsrisiken im Juni 2026
Hitze - Ein modernes Büro mit einem Klimaanlagen-Lüftungsschacht und subtilen Staubpartikeln, die in einem Lichtstrahl schweben. 28.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Während die Temperaturen in ganz Europa steigen, warnen Mediziner und Arbeitsschutzexperten vor den Gefahren schlecht gewarteter Klimaanlagen.

Was die Wissenschaft wirklich sagt

Die Annahme, Klimaanlagen machten direkt krank, hält wissenschaftlicher Prüfung nicht stand. Bereits in den 1950er Jahren widerlegte die Common Cold Unit den Mythos, Kälte allein löse Infektionen aus.

Doch die Realität ist komplexer. Studien aus Brasilien (2005) und Indien (2023) belegen: In klimatisierten Büros nehmen Atemwegsbeschwerden, Kopfschmerzen und Fehlzeiten zu. Hauptursache ist das Sick-Building-Syndrom – ausgelöst durch verunreinigte Filter, Schimmelbildung und mangelhafte Wartung.

Besonders tückisch: Trockene Luft reizt die Schleimhäute und schwächt deren Schutzfunktion. Experten warnen zudem vor Legionellen in schlecht gepflegten Systemen, die die gefährliche Legionärskrankheit auslösen können.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stellt dem jedoch die massiven Gesundheitsrisiken durch Überhitzung gegenüber. Gut gewartete Anlagen filtern Staub und Pollen – und können Leben retten.

Arbeitsschutz: Wo die Grenzen liegen

Das Europäische Gewerkschaftsinstitut (ETUI) fordert EU-weite Regeln für 130 Millionen betroffene Arbeitnehmer. Die Zahlen sind alarmierend: Extreme Temperaturen verursachen jährlich rund 277.000 Verletzungen und 230 Todesfälle am Arbeitsplatz. Die Produktivität sinkt ab 16 Grad um zwei Prozent pro zusätzlichem Grad.

In Deutschland regelt die Technische Regel ASR A3.5 die Anforderungen:

  • Ab 26 Grad: Arbeitgeber sollen Getränke bereitstellen
  • Ab 30 Grad: Bereitstellung ist Pflicht
  • Ab 35 Grad: Strenge Maßnahmen wie Zusatzpausen oder Kühlräume
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Ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom 17. März 2010 zeigt zudem: Wer drei Jahre lang regelmäßig Getränke gewährt, schafft einen dauerhaften Anspruch.

Die Grenzwerte in Europa klaffen auseinander. Belgien definiert Schwellen zwischen 18 und 29 Grad je nach körperlicher Belastung. Italien setzt auf regionale Regelungen – teilweise mit Arbeitsunterbrechungen in den Mittagsstunden.

Deutsche Kliniken: Ein Drittel ohne Kühlung

Besonders dramatisch ist die Lage in Krankenhäusern. Nur etwa jedes dritte deutsche Krankenhaus verfügt über klimatisierte Patientenzimmer, so der Marburger Bund.

„Klare Vorgaben zur Kühlung gibt es meist nur für OP-Säle und die Radiologie“, kritisiert Susanne Johna, Vorsitzende des Marburger Bundes. Die Hitze gefährde Heilungsprozesse und treibe die Sterberaten nach oben. 2025 starben allein in Deutschland 2.500 Menschen an den Folgen von Hitze.

Ein Beispiel: An der Universitätsklinik Düsseldorf maßen Ärzte auf einer Herzstation 38,2 Grad – an einem Junitag 2026. Intensivmediziner sehen Deutschland bei Hitzeschutzplänen im Vergleich zu Frankreich deutlich im Rückstand.

Der Boom und seine Schattenseiten

Die Hersteller reiben sich die Hände. Midea verbuchte in Deutschland ein Umsatzplus von 37 Prozent. In Frankreich und Spanien liegen die Zuwächse bei über 100 Prozent. Samsung und LG melden zweistellige Wachstumsraten und Vollauslastung seit dem Frühjahr.

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Doch der Trend heizt das Problem an. Der sogenannte „Urban Heat Island Effect“ wird durch Klimaanlagen verschärft. Studien aus Paris und Tokio zeigen: Die Abwärme erhöht die Außentemperaturen in Städten nachts um bis zu ein Grad. In engen Straßenzügen wurden bei ungünstiger Installation sogar lokale Steigerungen von zehn Grad gemessen.

Forscher wie Bastian Schröter von der HFT Stuttgart raten daher zu baulichen Sanierungen – Verschattung und Isolation statt immer mehr Kühlgeräte. Die aktuelle Sanierungsrate von 0,8 Prozent reicht jedoch nicht aus, um den Kühlbedarf nachhaltig zu senken.

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