Hitzekosten: Jeder Tag über 35°C kostet Wirtschaft 948 Millionen Euro
Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 04:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Angesichts steigender Temperaturen und wachsender wirtschaftlicher Schäden machen europäische Gewerkschaftsverbände Druck. Sie fordern gesetzlich verankerte Schutzmaßnahmen für Arbeitnehmer – mit klaren Vorbildern aus dem Profisport.
Der Europäische Gewerkschaftsbund (EGB) verlangt Temperaturobergrenzen, bezahlte Abkühlpausen und finanzielle Entschädigungen für hitzebedingte Arbeitsausfälle. Besonders betroffen sind Berufsgruppen wie Bauarbeiter, Erntehelfer oder Busfahrer. Auch der Zugang zu Schatten, Trinkwasser und Kühlmöglichkeiten soll gesichert werden. Arbeitszeiten müssten in die kühleren Morgen- und Abendstunden verlegt werden können.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beziffert die Zahl der jährlichen Hitzetoten weltweit auf rund 500.000. Die EU-Kommission prüft derzeit die Einführung einer entsprechenden Hitzeschutz-Verordnung.
Jeder Hitzetag kostet die Wirtschaft fast eine Milliarde
Die ökonomischen Folgen sind enorm. Eine Prognos-Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) zeigt: Jeder Hitzetag über 30 Grad Celsius kostet die deutsche Wirtschaft rund 431 Millionen Euro. Bei Temperaturen über 35 Grad steigen die Kosten auf 948 Millionen Euro pro Tag.
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97 Prozent der Schäden gehen auf Produktivitätsverluste zurück. Allein die IT-Branche verliert 17 Millionen Euro pro Hitzetag. Im Jahr 2025 wurden in Deutschland 11,1 Hitzetage registriert.
Eine DGB-Umfrage unter 4.000 Beschäftigten ergab zudem: Jeder dritte Arbeitnehmer fühlt sich durch Hitze am Arbeitsplatz belastet. Unter Zeitdruck steigt dieser Anteil auf 48 Prozent.
DGB fordert Hitze-Ausfallgeld
DGB-Chefin Yasmin Fahimi fordert ein gesetzliches Hitze-Ausfallgeld. Es soll Unternehmen und Beschäftigte absichern, wenn die Arbeit wegen extremer Temperaturen eingestellt werden muss. Vorbild ist die Regelung für Dachdecker: Sie können bereits ein Ausfallgeld von 75 Prozent des Stundenlohns für maximal 53 Stunden pro Jahr beanspruchen.
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Ein Fachanwalt für Arbeitsrecht gibt jedoch zu bedenken, dass ein solches Modell bürokratische Hürden mit sich bringen könnte. Er schlägt stattdessen ein umlagefinanziertes System vor.
Die Notwendigkeit strengerer Kontrollen zeigen aktuelle Inspektionen der Gewerkschaft Unia im Schweizer Kanton Wallis. Von 41 kontrollierten Baustellen hielten 88 Prozent die geltenden Hitzeschutzvorschriften nicht ein. In einigen Fällen fehlte es den Arbeitern sogar an Trinkwasser. Arbeitnehmervertreter fordern formelle Arbeitsverbote bei extremer Hitze.
Streiks und Kritik an Schulplanung
Am Flughafen Palma de Mallorca kündigten Bodenabfertiger für Ende Juli und Anfang August Teilstreiks an. Neben mehr Personal und höherer Vergütung fordert die Gewerkschaft CCOO besseren Hitzeschutz für das Personal auf dem Rollfeld.
Im Bildungssektor machen Lehrerverbände in der Schweiz Druck: Ab 26 Grad Celsius im Klassenzimmer sollen verpflichtende Maßnahmen greifen. In Deutschland sorgt ein neues Gymnasium in Köln für Kritik. Das rund 200 Millionen Euro teure Gebäude wurde ohne Klimaanlage konzipiert. Eltern und Lehrkräfte warnen vor Innentemperaturen von bis zu 40 Grad. Die Stadtverwaltung verweist auf die angespannte Haushaltslage. Zum Vergleich: Frankreich investierte zuletzt 130 Millionen Euro in die Kühlung von Schulgebäuden.
Zur unmittelbaren Prävention empfiehlt die IG BAU die WSS-Regel: Wasser, Sonnencreme und Schatten. Arbeitgeber müssen ausreichend Getränke bereitstellen. Beschäftigte sollten alle zwei Stunden Lichtschutzfaktor 50 auftragen und regelmäßige Pausen im Schatten einlegen.
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