Hitzerekord, Produktivität

Hitzerekord: Produktivität sinkt um 50%, Frankfurt meldet 500 Rettungseinsätze

30.06.2026 - 13:03:51 | boerse-global.de

Steigende Temperaturen zwingen Firmen zu neuen Regeln. Eine Bloomberg-Umfrage zeigt: Kurze Hosen im Büro werden zunehmend akzeptiert.

Hitzewelle in Europa: Unternehmen lockern Kleiderordnung und kämpfen mit Produktivitätseinbußen
Hitzerekord - Eine Person in lockerer Sommer-Businesskleidung arbeitet entspannt in einem modernen Büro, das von Sonnenlicht durchflutet wird. 30.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Klassische Dresscodes bröckeln, die Produktivität sinkt: Die anhaltende Hitzewelle in Europa zwingt Unternehmen zum Umdenken. Während immer mehr Beschäftigte kurze Hosen fordern, zeigt eine aktuelle Umfrage von Bloomberg: 45 Prozent der Befragten halten das Tragen kurzer Hosen im Büro inzwischen für angemessen. Erste Firmen testen bereits Lockerungen ihrer Kleiderordnung.

Wenn die Hitze die Leistung frisst

Doch es geht um mehr als nur Komfort. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnen vor massiven Produktivitätseinbußen. Bereits ab einer Feuchtkugeltemperatur von 24 bis 26 Grad sinkt die Arbeitsleistung. Steigt das Thermometer auf 33 bis 34 Grad, kann die Produktivität um bis zu 50 Prozent einbrechen. Ab 38 Grad ist normale Arbeit kaum noch möglich.

Frankreich hat bereits reagiert. Eine Hitzeschutzverordnung soll die Risiken eindämmen. Laut einer Studie von France Stratégie stieg dort die Fehlzeitenquote nach sieben Tagen mit Temperaturen über 35 Grad um fünf Prozent an.

Kühlsysteme: Deutschland hinkt hinterher

Die technische Ausstattung deutscher Gebäude bleibt trotz der Notwendigkeit mau. Das Statistische Bundesamt (Destatis) meldet: Nur 4,3 Prozent der 2025 fertiggestellten Wohngebäude haben eine Kühlanlage. Das ist zwar eine Verdopplung gegenüber 2015 (1,9 Prozent), aber immer noch extrem niedrig.

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Anders sieht es bei Büro- und Verwaltungsgebäuden aus. Hier verfügen 37,8 Prozent der Neubauten über eine Kühlung – 2015 waren es noch 30,9 Prozent. Schulen und Gesundheitseinrichtungen liegen bei rund 34 Prozent. Pflegeheime hingegen nur bei 14,5 Prozent, immerhin ein deutlicher Anstieg von 5,7 Prozent im Jahr 2015.

Milliardenmarkt Klimaanlage

Analysten der Bank Citi sehen hier enormes Potenzial. Die Durchdringung mit Klimaanlagen liegt in Europa bei rund 20 Prozent – in den USA oder Japan sind es etwa 90 Prozent. Für Hersteller wie Carrier, Trane oder Johnson Controls bedeutet das ein erhebliches Wachstum. Carrier erzielt bereits über 20 Prozent seines Umsatzes in Europa und gilt als Marktführer im gewerblichen Bereich. Auch Wärmepumpen, die sich zum Kühlen eignen, sind zunehmend gefragt.

Politik fordert Hitzeschutz-Sofortprogramm

Die Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge macht Druck. Sie fordert ein Hitzeschutz-Sofortprogramm mit solarbetriebenen Klimaanlagen für Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Kitas und Schulen. Zudem müssten Städte stärker begrünt werden, um der Hitzeentwicklung entgegenzuwirken.

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Rettungskräfte am Limit

Die konkreten Auswirkungen sind bereits spürbar. In Frankfurt am Main verzeichneten die Rettungskräfte am Wochenende über 500 Einsätze pro Tag – normal sind rund 350. Die Feuerwehr berichtet von einer hohen Belastung durch hitzebedingte Notfälle und zusätzliche Waldbrände.

In Rostock kämpfen Außendienstmitarbeiter bei Temperaturen bis zu 37 Grad. Arbeitgeber reagieren mit Wasser, Ventilatoren und zusätzlichen Pausenzeiten. Der hessische Städte- und Gemeindebund spricht von einem Stresstest für die gesamte kommunale Infrastruktur – inklusive Straßen und Brücken.

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