Hitzeschutz am Arbeitsplatz: DGB fordert Ausfallgeld für Beschäftigte
Veröffentlicht am: 31.07.2026 um 04:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Yasmin Fahimi, hat die Einführung eines Hitze-Ausfallgeldes für Beschäftigte gefordert. Hintergrund sind neue Daten zur gesundheitlichen und wirtschaftlichen Belastung durch Extremwetter. Während die Zahl der Hitzetoten laut Robert Koch-Institut (RKI) einen neuen Höchststand erreicht hat, warnen Berufsverbände und Sozialorganisationen vor massiven Investitionslücken beim Hitzeschutz in der kritischen Infrastruktur.
In einer aktuellen Befragung des DGB gab mehr als ein Drittel der Beschäftigten an, sich durch Hitze am Arbeitsplatz belastet zu fühlen. Besonders drastisch stelle sich die Situation bei gleichzeitigem Zeitdruck dar: Hier berichteten 48 Prozent der Befragten von einer hohen Belastung. Fahimi plädierte neben finanziellen Kompensationen für eine ganzheitliche Strategie, die unter anderem Verschattungen, die Bereitstellung von Getränken und eine Lockerung der Kleidungsvorschriften umfasst. Die wirtschaftlichen Folgen der Wärmeperioden sind demnach erheblich. Den Angaben zufolge verursacht jeder einzelne Hitzetag in Deutschland Kosten in Höhe von 431 Millionen Euro.
Gefahren für öffentliche Sicherheit und Gesundheit
Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sieht dringenden Handlungsbedarf. Hagen Husgen von der GdP betonte, dass die Beschäftigten einen deutlich besseren Wärme- und Hitzeschutz benötigten. Er forderte die Klimatisierung von Dienstimmobilien, die Bereitstellung von UV-Schutz und die Möglichkeit für Pausen im Schatten. Zudem müssten atmungsaktive Dienstkleidung und ausreichend Flüssigkeit gewährleistet sowie geplante Dienste an die Wetterlage angepasst werden.
Der Sozialverband Deutschland (SoVD) weitete die Forderungen auf den gesamten öffentlichen Raum aus. Die Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier erklärte, dass extreme Hitze längst zu einem sozialen Gesundheitsrisiko geworden sei. Der Verband fordert bundesweit verbindliche Mindeststandards für den Hitzeschutz in öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Kitas und Krankenhäusern. Dazu gehörten Investitionen in öffentliche Kühlräume, Trinkwasserangebote und verbindliche Notfallpläne.
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Kritische Lage in Kliniken und Pflegeeinrichtungen
Besonders besorgniserregend stellt sich die Situation im Gesundheitswesen dar. Nach Daten des RKI wurden bis zum 19. Juli des laufenden Jahres bereits 9.800 hitzebedingte Todesfälle registriert. Damit wurde der bisherige Höchststand aus dem Jahr 2018 bereits vor Ende des Sommers übertroffen. Allein eine Hitzewelle Ende Juni forderte laut den Statistikern über 5.000 Menschenleben. Regional meldete Nordrhein-Westfalen 2.270 und Baden-Württemberg 1.870 Verstorbene.
Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) wies darauf hin, dass nur ein Bruchteil der Patientenzimmer in Deutschland über Kühltechnik verfügt. Eine Umfrage des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) ergab, dass Nachrüstungen oft an fehlenden Mitteln scheitern, da die Bundesländer nur etwa 60 Prozent der notwendigen Investitionskosten decken. Der Marburger Bund bestätigte, dass lediglich ein Drittel der Kliniken klimatisierte Zimmer vorweisen kann. Die DKG fordert daher ein Investitionsprogramm in Höhe von 31 Milliarden Euro, um Krankenhäuser klimawandelgerecht umzubauen, und verwies auf Dänemark, wo Kühltechnik in Kliniken zur Standardausstattung gehört.
Ähnliche Defizite zeigen sich in der Altenpflege. Laut einer HISTA-Studie verfügen zwar 97,9 Prozent der Pflegeeinrichtungen über Hitzeschutzmaßnahmen, jedoch sind nur 41 Prozent mit Klimaanlagen ausgestattet. Bei Neubauten im Sozialbereich ist laut dem Interessenverband BIVA lediglich in 14,5 Prozent der Fälle eine Kühlung vorgesehen. Patientenschützer fordern vor diesem Hintergrund ein Investitionsprogramm in Höhe von 30 Milliarden Euro für Pflegeheime und Krankenhäuser.
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Meteorologischer Kontext und Präventionsangebote
Die Forderungen fallen in eine phase extremer Witterung. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) ordnete den Juli 2026 bereits vor seinem Ende als einen der zehn wärmsten Monate seit Beginn der Aufzeichnungen ein, mit Spitzenwerten von bis zu 39 Grad.
Erste präventive Ansätze für spezifische Berufsgruppen werden bereits umgesetzt. Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) stellt etwa einen kostenlosen Online-Kurs für Beschäftigte in Kindertagesstätten bereit. In der rund zehnminütigen Schulung werden organisatorische Maßnahmen wie frühes Lüften und die Einplanung von Kurzpausen vermittelt, um die Hitzebelastung für Personal und Kinder zu minimieren.
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