Hitzeschutz, Arbeitsplatz

Hitzeschutz: Jeder Dritte fühlt sich stark belastet am Arbeitsplatz

Veröffentlicht am: 27.07.2026 um 20:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Umfrage zeigt große Unterschiede bei sommerlicher Bürokleidung in Europa. Gewerkschaften fordern gesetzliche Hitzeschutzmaßnahmen und Abkühlpausen.

Hitzewelle in Europa: Kleiderordnung im Büro unter Druck
Professionelle Büroatmosphäre mit Mitarbeitenden in sommerlicher Business-Kleidung an hellen Arbeitsplätzen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Bis zu 40 Grad Celsius werden in Teilen Mitteleuropas prognostiziert. Das bringt nicht nur Schweißperlen auf die Stirn, sondern wirft auch Fragen zur Kleiderordnung am Arbeitsplatz auf. Eine aktuelle Umfrage zeigt: Die Akzeptanz für sommerliche Outfits im Büro variiert in Europa enorm. Gleichzeitig fordern Gewerkschaften weitreichende gesetzliche Hitzeschutzmaßnahmen.

Deutsche tragen häufiger kurze Hosen als Schweizer

Das Marktforschungsinstitut Digitec Galaxus und YouGov haben im Juli 2026 über 2.600 Teilnehmende in fünf Ländern befragt. Das Ergebnis: Schweizer halten bei Hitze deutlich stärker an der Business-Garderobe fest als ihre deutschen Nachbarn.

Nur 27 Prozent der Schweizer Männer tragen bei hohen Temperaturen kurze Hosen im Büro. In Deutschland sind es 38 Prozent, in Italien gerade einmal 16 Prozent. Ähnlich sieht es bei den Oberteilen aus: 69 Prozent der deutschen Männer greifen zum T-Shirt, in der Schweiz sind es 54 Prozent, in Italien 51 Prozent.

Besonders streng sind die Schweizer bei Flipflops: 53 Prozent halten die Badeschlappen für unangebracht im Büro. Auch bei geschlossenen Schuhen sind sie strikter – 56 Prozent bevorzugen sie, in Deutschland sind es nur 46 Prozent. Bei Frauen zeigen sich die Unterschiede weniger ausgeprägt: In der Schweiz tragen 37 Prozent Sandalen zur Arbeit, in Deutschland 29 Prozent.

Spannungsfeld zwischen Chef und Angestellten

Darf der Arbeitgeber überhaupt vorschreiben, was Mitarbeiter bei Hitze tragen? Juristen sehen hier ein Spannungsfeld zwischen Weisungsrecht und Persönlichkeitsschutz. In der Schweiz erlaubt Artikel 321d OR dem Arbeitgeber, eine Kleiderordnung festzulegen. Dem steht das Persönlichkeitsrecht nach Artikel 28 ZGB gegenüber.

Einschränkungen sind vor allem dann zulässig, wenn Kundenkontakt besteht oder Sicherheitsaspekte eine Rolle spielen. Wer keinen direkten Kundenkontakt hat und den Betriebsfrieden nicht stört, kann lockerere Kleidung rechtlich meist schwerer verboten werden. Zudem haben Mitarbeitende ein Mitwirkungsrecht bei der Erstellung von Kleiderordnungen.

Anzeige

Ob Kleiderordnung oder Pausenzeiten – rechtssichere Regelungen im Betrieb lassen sich am besten gemeinsam gestalten. Dieser kostenlose Leitfaden zeigt Betriebsräten und Arbeitgebern, wie sie rechtssichere Vereinbarungen aufsetzen und erfolgreich durchsetzen. Kostenlose Muster-Betriebsvereinbarung jetzt sichern

Gewerkschaften fordern verbindliche Hitzeschutz-Regeln

Die wirtschaftlichen Folgen extremer Hitze sind enorm. Die Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Yasmin Fahimi, verweist auf Daten, wonach jeder Hitzetag die Wirtschaft rund 431 Millionen Euro koste. Eine DGB-Umfrage unter 4.000 Beschäftigten zeigt: Jeder Dritte fühlt sich durch Hitze stark belastet. Bei Zeitdruck oder körperlich schwerer Arbeit steigt der Wert auf 48 Prozent.

Fahimi fordert ein Hitze-Ausfallgeld sowie eine umfassende Strategie mit Verschattung, kostenlosen Getränken und gelockerter Kleiderordnung. Der Europäische Gewerkschaftsbund geht noch weiter: Er verlangt verbindliche Abkühlpausen nach dem Vorbild von Sportgroßveranstaltungen. Dreiminütige Pausen, wie sie bei Weltmeisterschaften üblich sind, sollen Standard werden. Auch verbindliche Temperaturobergrenzen und besserer Zugang zu Schatten und Wasser stehen auf der Wunschliste.

Die EU-Kommission prüft derzeit, ob spezifische Hitzeschutzregeln in bestehende Verordnungen aufgenommen werden. Ein vorgestellter 5-Punkte-Hitzeschutzplan sieht zudem ein Hitze-Kurzarbeitergeld für Außenarbeitsplätze und kühle Schutzräume vor – erreichbar innerhalb von 15 Minuten Fußweg.

Anzeige

Extreme Wetterlagen erfordern eine Anpassung der Gefährdungsbeurteilung, um die Gesundheit der Mitarbeiter rechtssicher zu schützen. Erfahren Sie in diesem Gratis-Report, wie Sie behördenkonforme Dokumentationen erstellen und teure Haftungsrisiken vermeiden. Kostenlose Vorlagen zur Gefährdungsbeurteilung herunterladen

Kühlkabinen aus Japan und „Hitzefrei“ für Oberstufen

Neben organisatorischen Maßnahmen gewinnen technische Lösungen an Bedeutung. In Japan wurde die „Do Hiemon Box“ entwickelt: eine Kühlkabine für Einzelpersonen, die auf Baustellen oder in Fabriken zum Einsatz kommt. Die Kabine hält konstant 15 Grad Celsius und senkt die Körpertemperatur laut Entwickler innerhalb von zehn Minuten effektiv.

Auch Städte reagieren. Wien hat einen Leitfaden für außenliegenden Sonnenschutz wie Markisen und Jalousien veröffentlicht. In Nordrhein-Westfalen wurde die Regelung für „Hitzefrei“ bis Ende Juli auf die Oberstufen ausgeweitet – bei extremer Wetterlage können Unterrichtsstunden auf 30 Minuten verkürzt werden.

Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.

de | wirtschaft | 69887191 |