Treibstoffnotstand, Gazastreifen

Treibstoffnotstand im Gazastreifen: KrankenhÀuser vor dem Aus

10.05.2024 - 13:34:03

HumanitÀre Helfer in der Grenzstadt Rafah im Gazastreifen haben am Freitag von verheerenden ZustÀnden berichtet.

"Ich arbeite seit fast 30 Jahren bei humanitĂ€ren GroßeinsĂ€tzen und war noch nie in eine so verheerende, komplexe und unberechenbare Situation involviert wie diese", sagte Hamish Young, Nothilfekoordinator des UN-Kinderhilfswerks Unicef. "Die Notlage im Gazastreifen hat ein noch nie dagewesenes Ausmaß erreicht", sagte der Vertreter des UN-NothilfebĂŒros OCHA, Georgios Petropoulos. Beide waren in Rafah und sprachen ĂŒber Videolink mit Reportern in Genf.

FĂŒnf KrankenhĂ€user, 17 kleinere Kliniken, fĂŒnf Feldlazarette, zehn mobile Ärzteteams und 28 Krankenwagen mĂŒssten innerhalb von 24 Stunden ihre Dienste einstellen, wenn nicht dringend benötigtet neuer Treibstoff geliefert werde, sagte Petropoulos.

Nach Angaben von Young haben nach den Evakuierungsaufrufen Israels, das grĂ¶ĂŸere MilitĂ€reinsĂ€tze in Rafah ankĂŒndigte, innerhalb von fĂŒnf Tagen mehr als 100 000 Menschen die Region verlassen. Die Straßen Richtung Norden seien verstopft. Das von Israel als Sicherheitszone ausgewiesene Gebiet Al-Mawasi nahe der KĂŒste sei völlig ĂŒberfĂŒllt. Familien buddelten Löcher neben ihren Zelten in den Boden, um ihre Notdurft zu verrichten.

Über die GrenzĂŒbergĂ€nge Rafah und Kerem Schalom kĂ€men seit Tagen praktisch keine HilfsgĂŒter mehr in den Gazastreifen, vor allem kein Benzin, sagte Petropoulos. Ohne das seien aber die grundlegendsten BedĂŒrfnisse der Menschen nicht mehr zu befriedigen. KrankenhĂ€user, Banken, Kommunikationsfirmen und die Trinkwasseraufbereitung brauchten Benzin fĂŒr Generatoren, um rudimentĂ€re Dienste aufrechterhalten zu können. Die MĂŒllabfuhr sei teilweise eingestellt worden, ebenso die Abwasserentsorgung in bestimmten Gebieten.

"Wir brauchen sofort Treibstoff", sagte Young. "Hilfe muss reinkommen. Die Geiseln mĂŒssen freigelassen werden. Rafah darf nicht eingenommen werden. Und Kinder mĂŒssen geschĂŒtzt werden, nicht getötet."

@ dpa.de