Metall, BCE

IG Metall und IG BCE: Koordinierte Streiks in drei Industriebranchen drohen

Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 06:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Forderungen in Metall und bei Volkswagen treffen auf Stellenabbaupläne; beim Zulieferer Aios läuft eine Abstimmung über einen unbefristeten Streik.
Leere Industriehalle mit schweren Maschinen und Stahlträgern in einem modernen Fertigungsbetrieb. Illustration mit AI erstellt.

In der deutschen Industrie zeichnet sich eine erhebliche Verschärfung der Tarifkonflikte ab. Wie aus einem aktuellen Bericht hervorgeht, warnen die Industriegewerkschaft Metall (IG Metall) und die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) vor abgestimmten Arbeitskämpfen in der Automobil-, Chemie- sowie Metallbranche. Voraussetzung zur Abwendung einer solchen Konfrontation sei die Bereitschaft der Arbeitgeberseite, substanziellen Reallohnerhöhungen zuzustimmen.

Angespannte Lage in der Metall- und Elektroindustrie

In der Metall- und Elektroindustrie fordert die IG Metall ein Lohnplus von 5 Prozent für gut 3,7 Millionen Beschäftigte. Nachdem die erste Verhandlungsrunde Anfang Oktober ohne Ergebnis geblieben war, endet die gesetzliche Friedenspflicht am 31. Oktober.

Ab diesem Zeitpunkt sind bundesweit Warnstreiks möglich. Laut Medienberichten brachten Arbeitgebervertreter hingegen einen Lohnstopp sowie eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit ohne finanziellen Ausgleich ins Gespräch. Der aktuelle Tarifvertrag läuft ebenfalls am 31. Oktober aus.

Die Verhandlungen treffen auf ein schwieriges Branchenumfeld. Eine Umfrage des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall unter 1.461 Unternehmen mit rund 800.000 Beschäftigten vom 7. bis 16. Oktober verdeutlicht den wirtschaftlichen Druck: Demnach rechnen 42 Prozent der Betriebe innerhalb von sechs Monaten mit einem Personalabbau. 39 Prozent der befragten Unternehmen bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als schlecht und 40 Prozent als befriedigend, während 21 Prozent von einer weiteren Eintrübung ausgehen.

Gesamtmetall-Chef Zander verwies darauf, dass von den 3,7 Millionen Beschäftigten der Gesamtbranche rund 200.000 auf die Rüstungsindustrie entfallen. Zudem führe der Druck durch Personalkosten zu Verlagerungen ins Ausland, weshalb Inlandsaufträge nicht zwingend eine Produktion im Inland bedeuteten.

IG-Metall-Tarifvorständin Boguslawski hielt dem entgegen, dass Kürzungen keinen einzigen Arbeitsplatz sicherten. Sie forderte ein klares Bekenntnis zu den Industriestandorten, einen Stopp geplanter Stellenstreichungen sowie Vereinbarungen zur Beschäftigungssicherung und Gewinnbeteiligung.

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Eskalation im Haustarif bei Volkswagen droht

Parallel dazu spitzt sich die Auseinandersetzung beim Volkswagen-Konzern zu. Das Unternehmen hatte Ende September zehn von zwölf Haustarifverträgen zum 31. Dezember 2026 gekündigt, darunter auch den Manteltarifvertrag.

Die IG Metall verlangt die Rücknahme dieser Kündigungen bis Ende Oktober 2026 und fordert ebenfalls 5 Prozent mehr Entgelt für die rund 130.000 unter den Haustarif fallenden Beschäftigten an den Standorten Braunschweig, Chemnitz, Dresden, Emden, Hannover, Kassel, Salzgitter, Wolfsburg und Zwickau.

Der erste Verhandlungstermin ist für den 24. November 2026 in Emden angesetzt, eine Fortsetzung soll am 15. Dezember 2026 in Zwickau stattfinden. Nach Angaben des Verhandlungsführers und IG-Metall-Bezirksleiters für Niedersachsen, Thorsten Gröger, bereitet die Gewerkschaft 24-Stunden-Warnstreiks oder eine Urabstimmung vor.

Sollte die Unternehmensführung die Tarifkündigungen nicht fristgerecht zurückziehen, drohen die Beschäftigten nach dem Auslaufen der Friedenspflicht am 31. Dezember 2026 mit Streiks ab Januar 2027. Gröger erklärte, Volkswagen habe das traditionelle Modell der Sozialpartnerschaft beendet; die Anzeichen deuteten auf einen Arbeitskampf von bisher ungesehenem Ausmaß hin.

Der Hintergrund der Kündigungen sind tiefgreifende Restrukturierungspläne bei Volkswagen. Der Konzern, der in Deutschland rund 275.000 Mitarbeiter beschäftigt, plant bis 2030 den Abbau von rund 12.000 weiteren Stellen zusätzlich zu einem bereits vereinbarten Programm über 35.000 Arbeitsplätze.

Weltweit sieht der Zukunftsplan den Wegfall von 50.000 Stellen vor, von denen bis zur Hälfte auf deutsche Standorte entfallen könnte. Dem Betriebsrat zufolge beabsichtigt der Vorstand zudem, die Gehälter von weltweit 660.000 Beschäftigten bis 2030 einzufrieren.

Zugleich soll ein Kostenprogramm rund 30 Milliarden Euro beitragen, um die nach einem Einbruch im Jahr 2025 auf 2,8 Prozent gefallene operative Rendite bis 2030 auf 8 bis 10 Prozent zu heben. Für die Werke in Emden, Hannover, Zwickau sowie bei Audi in Neckarsulm gilt die Zukunft über die Jahre 2031 bis 2034 hinaus als ungeklärt.

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Insolvenz und Streikabstimmung beim Zulieferer Aios

Auch in der Zulieferindustrie verschärft sich die Situation drastisch. Beim Autozulieferer Aios (Automotive Integrated Overhead Systems), einem Hersteller von Dachhimmeln unter anderem für Mercedes-Benz, reichte die Geschäftsführung am 23. Oktober Insolvenzantrag ein.

Das Unternehmen beschäftigt rund 240 Mitarbeiter am Hauptsitz in Überherrn-Altforweiler sowie weitere Angestellte an Standorten in Bremen und Sindelfingen, insgesamt rund 300 Personen.

Nach einer Mitgliederversammlung am 24. Oktober mit rund 170 Beschäftigten rief die IG Metall zu einer Urabstimmung über einen unbefristeten Streik auf. Das Ergebnis soll am Nachmittag des 26. Oktober bekannt gegeben werden.

Der Bevollmächtigte Ralf Cavelius warf der Geschäftsführung ein fehlendes Zukunftskonzept vor und begründete den Schritt damit, dass ein Arbeitskampf die einzige verbleibende Option sei, um im laufenden Insolvenzverfahren Einfluss zugunsten der Belegschaft zu nehmen. Bereits im September hatte es einen Warnstreik gegeben, um die Forderung nach einem Sozialvertrag zu untermauern.

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