IHK-Offensive, Betriebe

IHK-Offensive: 100.000 Betriebe suchen Nachfolger

08.05.2026 - 20:40:11 | boerse-global.de

Die IHK startet eine bundesweite Webinar-Reihe zur Unternehmensnachfolge, um die drohende Führungslücke in über 100.000 Betrieben zu schließen.

IHK-Offensive: 100.000 Betriebe suchen Nachfolger - Foto: über boerse-global.de
IHK-Offensive: 100.000 Betriebe suchen Nachfolger - Foto: über boerse-global.de

Über 100.000 deutsche Unternehmen stehen vor einem Führungswechsel – die IHK startet eine digitale Bildungsoffensive.

Die deutschen Industrie- und Handelskammern haben ihre Beratungsaktivitäten massiv ausgeweitet. Nach einem Spitzentreffen Anfang Mai 2026 startet im Juni eine Welle digitaler Schulungsprogramme. Ziel ist es, die Lücke zwischen ausscheidenden Inhabern und einer neuen Unternehmergeneration zu schließen. Der Fokus liegt auf der Vereinfachung rechtlicher Hürden und strukturierten Planungsrahmen – sowohl für familieninterne als auch externe Übergaben.

Nationale Strategie: Die „Entbürokratisierungs-Agenda“

Am 7. Mai 2026 erreichte die Modernisierungsoffensive einen wichtigen Meilenstein. Beim bundesweiten IHK-Tag trafen Vertreter aus 79 Regionalkammern mit Spitzen aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft zusammen. Das Ergebnis: eine „Entbürokratisierungs-Agenda für Deutschland“. Bundeskanzler Friedrich Merz war persönlich dabei. Der Bürokratieabbau wurde als oberstes Ziel definiert, um die Zukunftsfähigkeit des deutschen Mittelstands zu sichern. Die Unternehmensnachfolge steht dabei neben Digitalisierung und Innovation ganz oben auf der Agenda.

Der Druck aus den Regionen ist enorm. Bereits am 5. Mai 2026 bestätigte der Gewerbe- und Unternehmerverband Saarland (GVS) seinen Vorstand in Saarlouis und forderte erneut bessere Rahmenbedingungen für Betriebsübergaben. Die Botschaft: Weniger Bürokratie ist überlebenswichtig für den Wettbewerb kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU).

Experten wie die der Family Business Development in Würzburg betonen: Eine erfolgreiche Nachfolge ist weit mehr als ein Rechtsakt. Es ist eine komplexe Führungs- und Organisationsaufgabe. Selbst innerhalb der Familie ersetzt ein berühmter Name keine unternehmerische Kompetenz. Die Inhaber müssen loslassen lernen – und gleichzeitig die Führungspersönlichkeit ihrer Nachfolger aktiv entwickeln.

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Digitale Hilfe: Intensiv-Webinare im Juni

Mehrere IHK-Bezirke und Partnerorganisationen haben für Juni 2026 eine umfassende Webinar-Reihe angesetzt. Die Programme decken den gesamten Prozess ab – von der ersten Planung bis zum finalen Rechtsakt.

Die IHK Heilbronn-Franken startet ihre Reihe „Fortsetzung folgt“ vom 15. bis 19. Juni 2026. Das tägliche Programm bietet einen strukturierten Tiefgang:
- 15. Juni: Erfahrungen aus echten Übergaben
- 16. Juni: Strategische Planung für externe Nachfolger
- 17. Juni: Rollenklärung zwischen Alt und Neu
- 18. Juni: Steuerliche und rechtliche Rahmenbedingungen
- 19. Juni: Unternehmensbewertung

Parallel dazu läuft in derselben Woche die „Unternehmenswerkstatt Deutschland“. Sie richtet sich an die rund 109.000 Betriebe, die laut KfW-Nachfolge-Monitor aktuell einen Nachfolger suchen. Wer die Intensivwoche nicht nutzen kann, findet spezialisierte Alternativen: Am 4. Juni 2026 führt die IHK Ostbrandenburg ein Webinar zur strategischen Planung familieninterner Übergaben durch. Am 24. Juni folgt die IHK zu Köln mit einem Zoom-Seminar zu den rechtlichen und steuerlichen Fallstricken beim Unternehmensverkauf.

Der wirtschaftliche Druck: Die Nachfolgelücke im Mittelstand

Die Dringlichkeit der Programme untermauert eine aktuelle Studie der Handwerkskammer Freiburg. Demnach sucht fast ein Drittel der Handwerksbetriebe in Südbaden bis 2030 einen Nachfolger. Rund 44 Prozent hoffen auf eine interne Lösung – der Rest muss extern rekrutieren.

Das Problem ist national. Während 109.000 Unternehmen aktiv nach Erben oder Käufern suchen, planen weitere 114.000 Inhaber schlichtweg die Schließung, falls sich kein Nachfolger findet. Um diesen Substanzverlust zu verhindern, haben die Handwerkskammern in Baden-Württemberg das Projekt „Next Generation Handwerk“ gestartet. Es bringt potenzielle Käufer mit ausscheidenden Inhabern zusammen und bereitet beide Seiten vor.

Die Hürden liegen nicht nur im Mangel an Kandidaten. Moderne Betriebe verlangen von Nachfolgern zunehmend Technologiekompetenz. Deshalb investieren die Länder massiv in Innovationsinfrastruktur. Das Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg genehmigte kürzlich rund 9,4 Millionen Euro für elf kommunale Innovationsprojekte. Die Mittel aus Landes- und EU-Töpfen (EFRE) modernisieren Technologie- und Transferzentren – damit die übergebenen Betriebe fit für KI, Robotik und Automatisierung sind.

Über die Nachfolge hinaus: Der gesamte Ökosystem-Boost

Die Stabilisierung bestehender Betriebe durch Nachfolge ist eng mit der Startup-Förderung verknüpft. Anfang Mai 2026 gab es mehrere Förder-Milestones. Am 6. Mai erhielt die Stadt Lahr einen Förderbescheid über 1,2 Millionen Euro für das Startup-Zentrum „Innolab 33“ am dortigen Flugplatz. Der Soft Launch ist für Sommer 2026 geplant, die offizielle Eröffnung für den Herbst.

Der Wettbewerb um die nächste Unternehmergeneration ist hart. Am 7. und 8. Mai 2026 kürte der Wettbewerb „BayStartUP“ die Sieger der zweiten Phase des nordbayerischen Businessplan-Wettbewerbs. Die Gewinner kommen aus Life-Science und Medizin:
- Platz 1: TigerShark Science (Würzburg) – künstliche Hautmodelle
- Platz 2: Vasc-on-Demand (Würzburg) – künstliche Blutgefäße
- Platz 3: UroPro (Erlangen) – Implantate gegen Inkontinenz

Weitere Finalisten: LIGARO (fossilfreie Klebstoffe) und Marchl Metering (Smart-Meter-Infrastruktur). Die Sieger haben bis zum 9. Juni 2026 Zeit, ihre Businesspläne für die finale Runde einzureichen.

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Soziale Absicherung: Mutterschutz für Selbstständige

Neben Finanzhilfen und Webinaren kümmern sich die politischen Spitzen auch um die sozialen Hürden der Selbstständigkeit. Anfang Mai 2026 erneuerte Nordrhein-Westfalen seine Forderung nach einem bundesweiten Mutterschutz für Selbstständige.

Schätzungsweise 27.000 selbstständige Frauen sind jährlich von der fehlenden Absicherung betroffen. Wirtschaftsminister argumentieren: Eine Schwangerschaft darf kein Berufsrisiko sein. Eine Machbarkeitsstudie des Westdeutschen Handwerkskammertags (WHKT) schlägt eine einmalige pauschale Lohnersatzzahlung vor. Die Ergebnisse werden für Juli 2026 erwartet. Unterstützung kommt vom Bayerischen Landfrauenverband, der eine schnelle Reform fordert – Einkommensersatz und flexible Lösungen für Hof- und Betriebshilfe inklusive.

Ausblick Sommer 2026

Die kommenden Monate werden entscheidend. Neben der Webinar-Reihe im Juni nähern sich mehrere Fristen:
- Der „CONTENTshift“-Accelerator für Buch- und Medien-Startups hat seine Bewerbungsfrist auf den 14. Mai 2026 verlängert.
- In NRW pitchen die Finalisten des „OUT OF THE BOX.NRW“-Preises (dotiert mit 50.000 Euro) am 18. Juni 2026 in Bielefeld.
- Das Programm „Spitze auf dem Land“ für ländliche KMU nimmt bis 31. August 2026 Bewerbungen an. Es gibt Zuschüsse bis zu 400.000 Euro für innovative Produkte – mit Schwerpunkt Kreislauf- und Bioökonomie.

Die Botschaft der IHK und der Landesregierungen ist klar: Vom innovativen Startup bis zum erfolgreich übergebenen Mittelstand soll eine nahtlose Pipeline entstehen. Ob das gelingt, wird sich in den nächsten Monaten zeigen.

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