ROUNDUP, PrÀsident

Neuer PrÀsident Taiwans vereidigt - Forderungen an China

20.05.2024 - 08:58:13

Im angespannten VerhĂ€ltnis zu China hat Taiwans neuer PrĂ€sident Lai Ching-te bei seiner AmtseinfĂŒhrung Peking zu einem Ende der EinschĂŒchterungsversuche aufgefordert.

"Ich möchte auch China aufrufen, seine politische und militĂ€rische EinschĂŒchterung gegen Taiwan einzustellen", sagte der Politiker der Demokratischen Fortschrittspartei (DPP) am Montag wĂ€hrend seiner Antrittsrede vor Tausenden AnhĂ€ngern in Taipeh. China solle die Verantwortung mit Taiwan teilen, in der Meerenge zwischen den beiden LĂ€ndern (Taiwanstraße) und der Region Frieden und StabilitĂ€t aufrechtzuerhalten.

Die Zukunft der Beziehungen in der Taiwanstraße zwischen der Volksrepublik China und Taiwan, das offiziell Republik China heißt, hĂ€tten einen entscheidenden Einfluss auf die Welt. Seine Regierung werde weder nachgeben noch provozieren und werde den Status quo beibehalten, sagte der 64-JĂ€hrige. Damit ist gemeint, dass Taiwan faktisch ein eigenstĂ€ndiges Land bleiben soll. Die Kommunistische Partei in Peking zĂ€hlt die Insel und ihre mehr als 23 Millionen Einwohner zu ihrem Territorium, obwohl sie Taiwan bislang nie regierte und in Taipeh seit Jahrzehnten eine demokratisch gewĂ€hlte Regierung sitzt.

Peking antwortet mit Sanktionen

Ein Krieg in der Taiwanstraße hĂ€tte dramatische Folgen, da die zwischen rund 130 und 180 Kilometer breite Meerenge eine wichtige Schifffahrtsroute fĂŒr den Welthandel ist und taiwanische Firmen global wichtige Chip-Technologie herstellen. Zudem wĂŒrden die USA als engster VerbĂŒndeter und Waffenlieferant Taiwans durch ihre Zusage, im Verteidigungsfall zu helfen, mit in den Konflikt gezogen werden. Parallel zum Amtsantritt Lais kĂŒndigte China Sanktionen gegen drei US-RĂŒstungskonzerne an. Betroffen waren die Verteidigungs-, Raumfahrt- und Sicherheitssparte von Boeing sowie die Unternehmen General Atomics Aeronautical Systems und General Dynamics Land Systems, die auf eine Liste "unzuverlĂ€ssiger Unternehmen" gesetzt wurden. Damit sollen sie fĂŒr Waffenlieferungen an Taiwan bestraft werden.

Weil die DPP fĂŒr eine UnabhĂ€ngigkeit Taiwans steht, sieht Peking in Lai und der Partei Separatisten. Immer wieder demonstriert die Volksbefreiungsarmee in der Taiwanstraße ihre militĂ€rische StĂ€rke. Peking drohte zudem mit militĂ€rischen Mitteln, sollte es Taiwan nicht mit friedlichen Mitteln mit dem Festland vereinen können. "Ich hoffe, dass China die RealitĂ€t der Existenz Taiwans einsieht und die Wahl der Menschen Taiwans respektiert", sagte Lai. Gleichzeitig bot er Peking an, dass sich beide LĂ€nder etwa ĂŒber die Wiederaufnahme des Tourismus wieder miteinander austauschen könnten.

Lai ruft zu entschlossener Verteidigung Taiwans auf

Solange China jedoch nicht davon absehe, Gewalt gegen Taiwan einzusetzen, werde der Wille Pekings, Taiwan zu annektieren, nicht einfach verschwinden, sagte er. Schon jetzt fliegen beinahe tĂ€glich chinesische Kampfflugzeuge in Richtung Taiwan und dringen dort in die Luftverteidigungszone ein, worauf Taiwans MilitĂ€r stets reagiert und etwas selbst Flugzeuge in die Luft schickt. "Angesicht des vielen Bedrohungen und Infiltrierungsversuchen Chinas, mĂŒssen wir unseren Entschluss zeigen, unser Land zu verteidigen", sagte Lai.

Shen Po-yang, Mitglied des Verteidigungsausschusses in Taiwans Parlament, schĂ€tzt, dass China bis 2027 bereit fĂŒr eine Invasion sei. Den besten Zeitpunkt fĂŒr eine Attacke sieht der in Taiwan auch als Puma Shen bekannte DPP-Politiker dann, wenn 40 bis 50 Prozent der Bevölkerung bei einem Angriff fĂŒr eine Kapitulation stimmen wĂŒrden. "Sie könnten einfach die erste Rakete zĂŒnden, und wenn die Menschen sagen, sie wollen sich ergeben und einen Friedensvertrag unterzeichnen, dann wĂ€re dies das Ende des Krieges binnen einer Woche." Shen fordert deshalb mehr Cybersicherheit und eine Regulierung von sozialen Medien wie der Kurzvideoplattform Tiktok des chinesischen Bytedance-Konzerns, damit sich Pekings Propaganda nicht in Taiwan breit machen kann.

Innenpolitische Lage fĂŒr Regierung schwierig

Lai hatte mit seiner Stellvertreterin Hsiao Bi-khim am 13. Januar die PrĂ€sidentschaftswahl mit rund 40 Prozent der Stimmen fĂŒr sich entschieden. Zur Vereidigung des PrĂ€sidenten und der Regierung schickten die USA und Japan Delegationen. Auch aus Deutschland reiste eine Parlamentariergruppe der CDU, SPD und FDP an. Nur ein Dutzend LĂ€nder erkennen den Inselstaat offiziell an, darunter sind etwa der Vatikan, Paraguay und Haiti. Deutschland, Japan und die USA gehören nicht dazu, da sonst eine diplomatische Krise mit China bevorstehen wĂŒrde.

Vor dem PrĂ€sidentensitz fĂŒhrten Gruppen TĂ€nze auf, Bands spielten und die Armee feuerte SalutschĂŒsse ab. Die DPP stellt das dritte Mal in Folge das Staatsoberhaupt, das gleichzeitig Oberbefehlshaber der StreitkrĂ€fte ist. Die bisherige PrĂ€sidentin Tsai Ing-wen durfte nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten. Im Parlament bĂŒĂŸte die DPP allerdings ihre absolute Mehrheit ein und ist nun auf Allianzen angewiesen.

GrĂ¶ĂŸte Oppositionspartei ist die pekingfreundliche Kuomintang, die am Freitag in einer turbulenten Parlamentssitzung mit DPP-Politikern im Streit um mehrere GesetzentwĂŒrfe aneinandergeraten war. Es kam zu Rangeleien zwischen den Parlamentariern, ungefĂ€hr eine Handvoll wurde anschließend im Krankenhaus auf Verletzungen untersucht. FĂŒr die neue Regierung dĂŒrfte es im Parlament angesichts der politischen VerhĂ€ltnisse deutlich mehr HĂŒrden zu ĂŒberwinden geben.

@ dpa.de