Dritter Angeklagter im Wirecard-Prozess entschuldigt sich
17.07.2024 - 10:56:24Am 138. Verhandlungstag hat der dritte Angeklagte im Wirecardprozess sein Schweigen gebrochen. Der Chef der Buchhaltung, E., rĂ€umte zu Beginn seines auf zwei Tage angesetzten Statements ein, Fehler gemacht zu haben, die er bereue und fĂŒr die er sich entschuldigen wolle. Allerdings betonte er auch, sich nicht persönlich bereichert und stets das Beste fĂŒr das Unternehmen gewollt zu haben. Zudem habe er sich mit vielen Dingen nur sehr knapp beschĂ€ftigt und sich auf die Fachabteilungen verlassen.
«Ich hatte sehr viele Themen auf dem Tisch und kam mir vor, wie ein Jongleur, der voll damit beschĂ€ftigt war, dass kein Ball herunterfĂ€llt», beschrieb E. seine TĂ€tigkeit. Dabei habe er keine Zeit gehabt, sich mit den einzelnen BĂ€llen eingehender zu beschĂ€ftigen. Heute sehe er aber ein, dass er innehalten und dies hĂ€tte tun sollen.Â
Nicht die Kraft, alles zu hinterfragen
Insgesamt zeichnete E. ein Bild von schlechter personeller Ausstattung, schlechten Prozessen und ĂŒberforderndem Arbeitsvolumen.«Es war eigentlich immer so, dass zwei Leute gleichzeitig etwas von mir wollten», beschrieb er seinen typischen Arbeitstag. Insbesondere bei den JahresabschlĂŒssen habe es viel Zeitdruck gegeben. «Man hat nicht die Zeit und die Kraft, alles zu hinterfragen. DafĂŒr gibt es die Fachabteilung», sagte E. Auf deren Informationen mĂŒsse man vertrauen können. Oft habe man deren Antworten nur an die WirtschaftsprĂŒfer weitergeleitet. «Wenn die zufrieden damit waren, waren wir es auch.»
Zum DrittpartnergeschĂ€ft, das beim Zusammenbruch von Wirecard eine zentrale Rolle spielte, Ă€uĂerte sich E. zunĂ€chst nicht. Er schrĂ€nkte Erwartungen allerdings bereits zu Beginn seiner Aussage ein. Dies sei nicht Schwerpunkt seiner Arbeit gewesen, viele Informationen dazu habe er nur vom Hörensagen. Er könne nur «von vielen Jahren Schreibtisch» bei Wirecard erzĂ€hlen.
Der Zahlungsdienstleister Wirecard war im Juni 2020 in die Insolvenz gegangen, weil auf Treuhandkonten verbuchte 1,9 Milliarden Euro nicht mehr auffindbar waren. Die Anklage wirft den drei Angeklagten sowie dem abgetauchten frĂŒheren Vertriebsvorstand Jan Marsalek und weiteren Komplizen vor, UmsĂ€tze in Milliardenhöhe schlicht erfunden zu haben, um den eigentlich defizitĂ€ren Dax-Konzern ĂŒber Wasser zu halten. In dem seit Dezember 2022 gefĂŒhrten Prozess hatte E. bisher geschwiegen. Braun hat alle VorwĂŒrfe bestritten, der gestĂ€ndige Bellenhaus tritt als Kronzeuge auf und beschuldigt die beiden Mitangeklagten.


