Dumping, Behörde

Dumping? Behörde leitet Verfahren gegen Post-Tochter ein

24.10.2023 - 15:06:31

Im Digitalzeitalter verlieren Briefe an Bedeutung, manche BriefkĂ€sten sind trotzdem voll mit Werbung. FĂŒr die Deutsche Post ist das ein eintrĂ€gliches GeschĂ€ft. Eine Bundesbehörde schaut nun genau hin.

Die Bundesnetzagentur erwĂ€gt, die Deutsche Post zur Erhöhung bestimmter Preise fĂŒr GeschĂ€ftskunden-Post zu zwingen. Wegen möglichen Preisdumpings habe man Verfahren gegen die Deutsche Post InHaus Services GmbH (DPIHS) eingeleitet, teilte die Bonner Behörde am Dienstag mit. Die DPIHS ist eine Tochter des Bonner Konzerns, sie ĂŒbernimmt «Konsolidierungsleistungen». Damit ist gemeint, dass sie zum Beispiel Versicherungsschreiben und Werbebriefe von Firmen abholt, frankiert und sortiert. Zugestellt werden die Schreiben spĂ€ter von BrieftrĂ€gern der Deutschen Post - um diesen Arbeitsbereich geht es in den Verfahren nicht.

Die Aufsichtsbehörde argwöhnt, dass die Post-Tochter zu niedrige Preise berechnet. Es sei zu vermuten, dass die Entgelte «die Kosten der effizienten Leistungsbereitstellung unterschreiten und somit AbschlĂ€ge enthalten, die die Wettbewerbsmöglichkeiten anderen Unternehmen auf einem Markt fĂŒr Postdienstleistungen in missbrĂ€uchlicher Weise beeintrĂ€chtigen», heißt es von der Behörde. Die Aufsichtsbehörde prĂŒft jetzt mehr als 2000 einzelne Entgelte der DPIHS, rund 250 Kunden der Post-Tochter sind betroffen.

Das Unternehmen hat nun die Möglichkeit zur Stellungnahme. In zwei Monaten mĂŒssen die 12 Verfahren, die sich an den Dienstleistungszentren der DPIHS orientieren, abgeschlossen sein. Dann könnte die Netzagentur eine UnterlassungsverfĂŒgung verhĂ€ngen und die Post-Tochter mĂŒsste ihre Preise anheben.

EintrÀgliches GeschÀft

Ein Post-Sprecher sagte, man habe die Einleitung der Verfahren zur Kenntnis genommen. «Wir werden der Behörde selbstverstĂ€ndlich alle erforderlichen Unterlagen zur VerfĂŒgung stellen und darlegen, dass die Entgelte der Deutsche Post InHaus Service GmbH nicht gegen das Postgesetz verstoßen.»

SchĂ€tzungsweise 85 Prozent ihres BriefgeschĂ€fts macht die Deutsche Post mit grĂ¶ĂŸeren Firmenkunden, der Rest entfĂ€llt auf Privatkunden und kleine Unternehmen, die fĂŒr den Versand ganz normale Briefmarken kaufen. FĂŒr die Höhe dieses Portos gelten staatliche Vorgaben, fĂŒr das Firmenkunden-Porto hingegen nicht.

Die Sendungsmenge schrumpft im Digitalzeitalter zwar seit langem, der Nischenmarkt gilt dennoch als durchaus lukrativ. Die Post hat hier kleine Konkurrenten, die im Wettbewerb mit dem MarktfĂŒhrer aber einen schweren Stand haben. Sollte die Post besagte Konsolidierungspreise anheben mĂŒssen, könnte das die Position der Konkurrenten verbessern.

«Wir haben schon lange Zweifel an der RechtmĂ€ĂŸigkeit der Preisgestaltung der Deutschen Post und ihrer Tochter geĂ€ußert», sagt Walther Otremba vom Bundesverband Briefdienste (BBD), der die Interessen der Post-Wettbewerber vertritt. Dazu zĂ€hlen etwa die regional tĂ€tigen Firmen Citypost aus Hannover, PostModern aus Dresden und die Pin AG aus Berlin. «Mit niedrigsten Spannen fĂŒr ihre Konsolidierungsleistungen hat der Post-Konzern schon lange, leider zum Teil erfolgreich, versucht, lĂ€stige Konkurrenz durch alternative Anbieter auszuschalten und so ihre alte Monopolposition wieder herzustellen», sagt der Verbandsvorsitzende.

@ dpa.de