WDH / ROUNDUP: Auftragseingang in der Industrie steigt dank Vorzieheffekten stark
07.05.2025 - 10:05:38Es handelt sich um eine Stellungnahme des Bundeswirtschaftsministeriums.)/la
WIESBADEN (dpa-AFX) - Die deutschen Industriebetriebe haben einen ĂŒberraschend deutlichen Anstieg beim Auftragseingang verzeichnet. Im MĂ€rz zogen die Bestellungen im Verarbeitenden Gewerbe im Monatsvergleich um 3,6 Prozent an, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte.
Analysten hatten zwar ein Plus erwartet, allerdings lediglich in Höhe von 1,3 Prozent. Im Februar hatten die Bestellungen in den Industriebetrieben noch stagniert, und im Januar hatte es einen deutlichen RĂŒckgang gegeben.
Das Orderplus im MĂ€rz dĂŒrfte zum Teil auf Vorzieheffekte als Reaktion auf die angekĂŒndigten US-Zollerhöhungen zurĂŒckzufĂŒhren sein, hieĂ es in einer Stellungnahme des Bundeswirtschaftsministeriums. Allerdings deute die ebenfalls deutlich gestiegene Nachfrage der europĂ€ischen Nachbarn nach deutschen InvestitionsgĂŒtern mit plus 12,8 Prozent auf eine Belebung der InvestitionstĂ€tigkeit hin.
Experten beurteilten die Zahlen unterschiedlich. Skeptisch Ă€uĂerte sich Michael Herzum, Leiter Volkswirtschaft bei Union Investment: "Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer." Auf den ersten Blick habe die deutsche Industrie zwar der hohen Zoll-Unsicherheit getrotzt. Allerdings sollte nicht zu viel in dieses Plus hineininterpretiert werden. Denn viele AuftrĂ€ge seien vorgezogen worden, um den Importzöllen von US-PrĂ€sident Donald Trump zu entgehen. Auf den zweiten Blick ist die Erholung Herzum zufolge bislang leider nicht mehr als ein Strohfeuer. Die unberechenbare US-Wirtschaftspolitik werde vorerst weiter belasten und stehe einem dynamischen Wachstum im laufenden Jahr entgegen.
Ein eher optimistisches Fazit zog Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank. Erfreulich sei, dass es bei den AuftragseingĂ€ngen auch unter Herausrechnung von GroĂauftrĂ€gen ein deutliches Plus gegenĂŒber dem Februar gegeben habe. Da auch die Auftragseingangskomponente des Einkaufsmanagerindex der S&P Global zuletzt zweimal im Plus gelegen habe, könnte dies auf eine mögliche Trendwende bei den AuftragseingĂ€ngen hindeuten - und das trotz aller US-Zollquerelen.
"Die Töne aus dem WeiĂen Haus klangen zuletzt etwas konzilianter", betonte Gitzel. KĂ€me es zu einer einvernehmlichen Lösung mit den USA, könnte das Verarbeitende Gewerbe in den kommenden Monaten weiter Tritt fassen. Dies hĂ€tte dann auch positive Auswirkungen auf das gesamtwirtschaftliche Wachstum.
Innerhalb des Verarbeitenden Gewerbes gab es im MĂ€rz laut Destatis in den meisten Sparten ZuwĂ€chse. Mehr AuftrĂ€ge hĂ€tten vor allem die gewichtigen Bereiche Kfz, Maschinenbau und elektrische AusrĂŒstungen verzeichnet. Weniger Orders gab es demnach lediglich bei Metallerzeugung und -erzeugnissen, EDV und Optik, Textilien sowie Papier und Pappe.
Im Jahresvergleich fiel die Entwicklung im MÀrz ebenfalls klar besser als erwartet aus. In dieser Betrachtung meldete das Bundesamt einen Anstieg um 3,8 Prozent, wÀhrend Analysten mit einem Plus von 1,2 Prozent gerechnet hatten.

