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WDH / ROUNDUP: Putin sucht Kriegshilfe bei Kim in Nordkorea - Nacht im Überblick

19.06.2024 - 07:40:48

(Im ersten Satz des 2. Absatzes wurde korrigiert: Kim Jong Il - statt: Kim Il Sung)PJÖNGJANG - Russlands PrĂ€sident Wladimir Putin ist zu einem zweitĂ€gigen Staatsbesuch in Nordkorea eingetroffen.

(Im ersten Satz des 2. Absatzes wurde korrigiert: Kim Jong Il - statt: Kim Il Sung)

PJÖNGJANG (dpa-AFX) - Russlands PrĂ€sident Wladimir Putin ist zu einem zweitĂ€gigen Staatsbesuch in Nordkorea eingetroffen. Der Kremlchef sei am Flughafen von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un empfangen worden, berichtete die russische Nachrichtenagentur Interfax am Dienstag. Bei der zweitĂ€gigen Visite geht es Beobachtern zufolge auch um weitere Waffenlieferungen von Pjöngjang fĂŒr Moskaus Krieg gegen die Ukraine.

Das letzte Mal war Putin im Jahr 2000 in Nordkorea, damals wurde er noch von Kims Vater, Kim Jong Il empfangen. Nach einer lÀngeren Auszeit wurden die Beziehungen zuletzt deutlich ausgebaut - nicht zuletzt wegen des Kriegs. So hatte Putin Kim im vergangenen Herbst in Russlands Fernem Osten empfangen.

Dabei soll nach US-Angaben die Lieferung von nordkoreanischen Raketen und Artilleriemunition an Russland vereinbart worden sein, die Moskau im Krieg verwendet. Im Gegenzug wird auch die Übergabe von militĂ€rischen SchlĂŒsseltechnologien an das wegen seines Atomprogramms international sanktionierte Pjöngjang vermutet. Beide LĂ€nder haben eine solche Kooperation bestritten.

Moskau schĂ€tze "die standhafte UnterstĂŒtzung" Nordkoreas fĂŒr "Russlands militĂ€rische Spezialoperation in der Ukraine" und die SolidaritĂ€t bei wichtigen internationalen Fragen, schrieb Putin vorab in einem Beitrag fĂŒr die nordkoreanische Zeitung "Rodong Sinmun". Russland hat vor mehr als zwei Jahren seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine, in Moskau als "militĂ€rische Spezialoperation" bezeichnet, begonnen.

USA: Besuch Putins in Nordkorea Grund zur Sorge

Die US-Regierung ist wegen Putins Besuch in Nordkorea daher in großer Sorge. "Die sich vertiefende Zusammenarbeit zwischen Russland und Nordkorea ist etwas, das jeden beunruhigen sollte, der an der Aufrechterhaltung von Frieden und StabilitĂ€t auf der koreanischen Halbinsel interessiert ist, aber auch an der UnterstĂŒtzung des ukrainischen Volkes, das weiterhin gegen die russische Aggression kĂ€mpft", sagte der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, Pat Ryder, in Washington.

Ähnlich Ă€ußerte sich die Sprecherin des Weißen Hauses, Karine Jean-Pierre. Sie sagte, die Lieferung von Waffen aus Nordkorea hĂ€tte dazu beigetragen, dass Russland in der Lage sei, seinen brutalen Krieg in der Ukraine zu fĂŒhren.

Nato-Chef betont globale Sicherheitskooperation

Nato-GeneralsekretĂ€r Jens Stoltenberg machte mit Blick auf den Besuch deutlich, fĂŒr wie wichtig er den Ausbau der Zusammenarbeit der atlantischen MilitĂ€rallianz mit Partnern im Indopazifik-Raum hĂ€lt. Putins Visite in Nordkorea zeige und bestĂ€tige Russlands sehr enge Verbindung mit autoritĂ€ren Staaten wie Nordkorea, aber auch China und dem Iran, sagte Stoltenberg bei einer Pressekonferenz mit US-Außenminister Antony Blinken in Washington. Diese Staaten unterstĂŒtzten Russlands Kriegsaggression gegen die Ukraine und heizten diese an. "Das zeigt auch, dass unsere Sicherheit nicht regional ist. Sie ist global."

Man sei auch besorgt darĂŒber, dass Russland Technologie fĂŒr die Raketen- und Atomprogramme dieser LĂ€nder bereitstelle. Auch deshalb werde man beim Nato-Gipfel in Washington im Juli die Zusammenarbeit mit Partnern im Indopazifik-Raum weiter stĂ€rken, betonte Stoltenberg.

Selenskyj betont Effizienz neuer Regeln fĂŒr Waffeneinsatz

Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj lobte derweil den Einsatz westlicher Waffen gegen russisches Territorium als effizient. Die Zerstörung russischer Stellungen und Abschussrampen nahe der Grenze sei enorm wichtig, sagte er in seiner tĂ€glichen Videoansprache. "Das klappt. Genauso wie wir es erwartet haben." Der ukrainische Staatschef lobte dabei mehrere Einheiten fĂŒr nicht nĂ€her benannte Erfolge. Westliche Staaten hatten nach neuen russischen Angriffen gegen das Gebiet Charkiw im Nordosten der Ukraine ihr Verbot zum Einsatz ihrer Waffen gegen russisches Staatsgebiet gelockert.

Es sei den Ukrainern gelungen, die russischen Offensiven abzubremsen. Die ukrainischen Soldaten hĂ€tten eine neue Seite im Krieg aufgeschlagen - "eine Seite, die Putin eigentlich seiner Offensive widmen wollte und die fĂŒr Russland zu einem weiteren Fehler wurde", sagte Selenskyj. TatsĂ€chlich sind die GelĂ€ndegewinne der russischen Truppen in den vergangenen Wochen immer geringer geworden, was Beobachter auch darauf zurĂŒckfĂŒhren, dass nun westliche Waffen nach lĂ€ngerer Pause wieder bei den ukrainischen Verteidigern ankommen. Allerdings sehen die meisten Beobachter Russland immer noch im Vorteil.

Das wird am Dienstag wichtig

Der Hauptteil von Putins Besuchs beginnt an diesem Mittwoch. zunĂ€chst treffen sich die beiden Staatschefs auf dem Kim-Il-Sung-Platz, dem stĂ€dtebaulichen und symbolischen Zentrum Pjöngjangs. Danach sind Verhandlungen geplant, erst zu zweit, dann im grĂ¶ĂŸeren Rahmen. Neben mehreren gemeinsamen Mahlzeiten sind auch eine Kranzniederlegung und ein gemeinsamer Konzertbesuch angekĂŒndigt.

@ dpa.de