ROUNDUP, Harris

Harris bei Fox News unter Druck - Hitziges Wortgefecht im TV

17.10.2024 - 06:35:04

Im ersten TV-Interview des konservativen Senders Fox News mit der US-PrÀsidentschaftskandidatin hat sich Kamala Harris einen heftigen Schlagabtausch mit dem Moderator geliefert.

Das rund 30-minĂŒtige GesprĂ€ch hatte Duell-Charakter - immer wieder wurde es laut. Moderator Bret Baier begann das GesprĂ€ch mit dem im Wahlkampf zentralen Thema Migration und fiel der Demokratin mehrfach ins Wort. Harris geriet gerade zu Beginn in die Defensive, fing sich aber im Laufe des GesprĂ€chs. Das Interview war deutlich konfrontativer als vorangegangene GesprĂ€che der Demokratin mit US-Sendern.

Aufgeheizte Stimmung bei Fragen zu Migration

Baier setzte die Demokratin in dem mit Spannung erwarteten Interview direkt mit mehreren Fragen zum Thema Migration unter Druck. Harris ist als US-Vize unter anderem fĂŒr das Thema Einwanderung zustĂ€ndig. Ihr republikanischer Rivale Donald Trump greift die 59-JĂ€hrige bei dieser Thematik immer wieder heftig an und wirft ihr Versagen vor. Im Wahlkampf hatte die Demokratin die US-Grenze zu Mexiko besucht, um sich ein Bild von der Lage zu dort machen.

"Darf ich zu Ende antworten?", fragte Harris immer wieder, wĂ€hrend Baier sie in dem Interview unterbrach. Es sei richtig, dass das amerikanische Volk vor der Wahl eine Diskussion ĂŒber Migration fĂŒhren wolle. Was die Menschen aber nicht wollten, seien "politische Spiele", sagte Harris mit Blick auf Trump. Die Demokratin kam ins Schwimmen und versuchte, dagegenzuhalten.

Harris: Migrationssystem in den USA ist kaputt

Baier fragte Harris etwa, ob sie den Angehörigen von Frauen, die von Migranten ermordet wurden, eine Entschuldigung schulde. "Lassen Sie mich zunĂ€chst einmal sagen, dass dies tragische FĂ€lle sind. Daran besteht kein Zweifel", reagierte US-Vize Harris. Das Migrationssystem der USA sei schon seit langem kaputt. Der Kongress sei dafĂŒr zustĂ€ndig, es zu reparieren, sagte Harris und warf den Republikanern und Trump vor, Lösungen zu blockieren.

Baier lenkte das GesprĂ€ch dann auf das von Konservativen immer wieder politisierte Thema geschlechtsangleichende Operationen und Rechte Transsexueller. Der Moderator fragte die US-Vize, ob dafĂŒr Steuergelder verwendet werden sollten. Harris antwortete, dass Trump Millionen von US-Dollar fĂŒr Anzeigen ausgeben wĂŒrde, "um bei den WĂ€hlern ein GefĂŒhl der Angst zu erzeugen, denn er hat bei dieser Wahl eigentlich keinen Plan, der sich auf die BedĂŒrfnisse des amerikanischen Volkes konzentriert".

Harris geht auf Distanz zu Biden

Harris wird als amtierende Vize im Wahlkampf immer wieder fĂŒr Fehler der Regierung verantwortlich gemacht, so auch mehrfach in dem Fox-News-Interview. "Wann haben Sie zum ersten Mal bemerkt, dass die geistigen FĂ€higkeiten von PrĂ€sident (Joe) Biden vermindert zu sein scheinen?", fragte Baier. Harris stutzte und antwortete dann: Sie habe Biden dreieinhalb Jahre lang mindestens einmal pro Woche getroffen, sie habe keine Bedenken.

Die Demokratin versuchte, das GesprĂ€ch auf ihren Kontrahenten Trump zu lenken: Das amerikanische Volk sei besorgt ĂŒber den Ex-PrĂ€sidenten, sagte Harris. Die Leute, die ihn am besten kennen wĂŒrden - selbst seine frĂŒheren Mitarbeiter im Weißen Haus - hielten den Republikaner fĂŒr "ungeeignet und gefĂ€hrlich" und sagten, dass er "nie wieder PrĂ€sident der Vereinigten Staaten sein sollte".

Bei der Frage, was sie von Biden unterscheide, ging Harris bewusst auf Distanz: "Lassen Sie mich ganz klar sagen, dass meine PrĂ€sidentschaft keine Fortsetzung der PrĂ€sidentschaft von Joe Biden sein wird." Wie jede neue Person in dem Amt werde sie ihre Lebenserfahrung, ihre berufliche Erfahrung und "frische, neue Ideen" einbringen. Außerdem reprĂ€sentiere sie eine neue Generation.

Trump: Fox News ist "schwach und weich" geworden

Trumps Wahlkampfteam nannte das Interview ein Fiasko und bezeichnete Harris als "wĂŒtend und defensiv". Baier ist Chefmoderator fĂŒr Politik bei Fox News. Sein Schwerpunkt liegt auf politischer Analyse, Interviews und Nachrichten. Trump hatte den Moderator schon vor der Ausstrahlung des Interviews angegriffen. Er gehe Linke nicht hart genug an, warf er Baier auf seiner Online-Plattform Truth Social vor. "Ich hĂ€tte lieber einen Journalisten gesehen, der hartnĂ€ckiger nachfragt, aber Fox ist so schwach und weich gegenĂŒber den Demokraten geworden." Nach dem Interview sagte ein Fox-News-Kommentator zu Baier, dass dieser das Interview "gewonnen" habe.

Strategie-Wechsel im Wahlkampf

Harris war vor allem in der Anfangsphase ihrer Kandidatur vorgeworfen worden, Interviews zu meiden und sich damit vor kritischen Fragen zu drĂŒcken. Zuletzt hat sie mehrere Interviews gegeben - unter anderem mit CNN, CBS und ABC News, die als liberalere Sender und den Demokraten tendenziell eher wohlgesonnen gelten. Außerdem gab die Demokratin unterschiedlichen Podcastern Interviews, um eine jĂŒngere Zielgruppe anzusprechen. Eine Ă€hnliche Strategie fahren Trump und sein Vizekandidat J.D. Vance. Vance versucht besonders, junge MĂ€nner zu umwerben und tritt in entsprechenden Podcasts auf.

Es gibt Berichte darĂŒber, dass Harris auch einen Auftritt in der Sendung des populĂ€ren Podcasters Joe Rogan plane - bestĂ€tigt sind diese allerdings bisher nicht. Rogan ist in der Vergangenheit mit der Verbreitung von Falschinformationen und rassistischen Äußerungen aufgefallen, fĂŒr die er sich entschuldigt hat. Zu seinen GĂ€sten zĂ€hlten in der Vergangenheit auch Personen, die Verschwörungstheorien verbreiten.

@ dpa.de