Unternehmensinsolvenzen, Deutsche Wirtschaft

Unternehmensinsolvenzen im Juli: Höchster Stand seit 13 Jahren

Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 08:59 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Im Juli sind in Deutschland so viele Unternehmenspleiten registriert worden wie seit 13 Jahren nicht mehr in einem einzelnen Monat. Besonders stark betroffen waren Verkehr und Lagerei, Gastgewerbe sowie Baugewerbe.

Die Kaufhauskette Galeria ist derzeit ein prominentes Beispiel fĂŒr Insolvenzen. Die meisten FĂ€lle sind deutlich kleiner. (Foto: Archiv)  - Bild: Rolf Vennenbernd/dpa
Die Kaufhauskette Galeria ist derzeit ein prominentes Beispiel fĂŒr Insolvenzen. Die meisten FĂ€lle sind deutlich kleiner. (Foto: Archiv) - Bild: Rolf Vennenbernd/dpa

In Deutschland sind im Juli 2373 Unternehmensinsolvenzen amtlich registriert worden – so viele wie seit 13 Jahren nicht mehr in einem einzelnen Monat.

Höchster Juli-Wert seit 2013

Wie das Statistische Bundesamt berichtet, lag die Zahl der FĂ€lle um 8,0 Prozent ĂŒber dem Wert des Vorjahresmonats. Einen höheren Monatswert hatte es zuletzt im Juli 2013 mit 2459 Insolvenzen gegeben. Damit setzte sich die Entwicklung aus dem ersten Halbjahr fort.

GezÀhlt werden die Verfahren erst, wenn das zustÀndige Insolvenzgericht eine erste Entscheidung getroffen hat. Die AntrÀge werden nach Angaben der Statistiker in der Regel annÀhernd drei Monate zuvor gestellt.

Weniger Forderungen als vor einem Jahr

Die Forderungen der GlÀubiger beliefen sich im Juli auf 21,9 Milliarden Euro. Im Vorjahresmonat hatten noch 31,8 Milliarden Euro im Feuer gestanden. Im laufenden Jahr traf es damit statistisch gesehen durchschnittlich kleinere Unternehmen.

Verkehr und Lagerei besonders betroffen

Von Januar bis Juli gerieten je 10.000 Unternehmen knapp 43 Betriebe in die Insolvenz. Am höchsten war die Quote im Bereich Verkehr und Lagerei mit 86 FÀllen, gefolgt vom Gastgewerbe mit 70 und dem Baugewerbe mit 63 FÀllen je 10.000 Betrieben.

Verbraucherinsolvenzen leicht rĂŒcklĂ€ufig

Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen ging im Juli dagegen leicht zurĂŒck. Mit 7111 FĂ€llen lag sie 1,0 Prozent unter dem Wert des Vorjahresmonats.

Insolvenzen trotz vorsichtiger Erholung

Die Juli-Zahl fĂ€llt in eine Phase, in der sich einzelne Konjunkturindikatoren verbessert haben. Die Bundesregierung erwartet fĂŒr 2026 inzwischen ein Wirtschaftswachstum von 1,3 Prozent; getragen werden soll es vor allem von Exporten, staatlichen Investitionen und höheren Verteidigungsausgaben. Zugleich gilt der Aufschwung als fragil.

Die Insolvenzstatistik bildet die wirtschaftliche Belastung mit Verzögerung ab, weil zwischen Antrag und gerichtlicher Entscheidung meist mehrere Monate liegen. Der Rekordwert bei den Verfahren bedeutet deshalb nicht automatisch, dass sich die Lage im Juli selbst in gleichem Maß verschlechtert hat. Er zeigt aber, dass viele Unternehmen die vorherige SchwĂ€chephase nicht ĂŒberstanden haben.

Besonders gefÀhrdete Branchen

Verkehr und Lagerei, Gastgewerbe sowie Baugewerbe sind ĂŒberdurchschnittlich betroffen. Diese Branchen reagieren empfindlich auf Kosten fĂŒr Energie, Personal und Finanzierung sowie auf eine schwache Nachfrage. Im Bau können Investitionen und öffentliche AuftrĂ€ge die Produktion stĂŒtzen, doch die Insolvenzquote verweist zugleich auf den Druck, unter dem kleinere Betriebe stehen.

FĂŒr BeschĂ€ftigte, Lieferanten und Vermieter sind auch kleinere Verfahren relevant, weil sie regionale Wertschöpfungsketten treffen können. Die geringeren Forderungen je Insolvenz deuten im Durchschnitt auf kleinere betroffene Unternehmen hin; daraus folgt jedoch keine Entwarnung fĂŒr einzelne GlĂ€ubiger.

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