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WDH / ROUNDUP 2: Harris startet mit RĂŒckenwind in den Wahlkampf

23.07.2024 - 08:18:10

(Im letzten Satz des 3. Absatzes wurde das Wort "zunÀchst" ergÀnzt.

Im ersten Satz des 8. Absatzes wurde das Wort "weitestgehend" eingefĂŒgt. Im vorletzten Absatz wurde ein Tippfehler korrigiert.)

WASHINGTON (dpa-AFX) - US-VizeprĂ€sidentin Kamala Harris startet mit viel RĂŒckenwind als mögliche Ersatzkandidatin fĂŒr Joe Biden in den PrĂ€sidentschafts-Wahlkampf. Die 59 Jahre alte Demokratin hat laut Medien-SchĂ€tzungen derzeit die UnterstĂŒtzung von genĂŒgend Delegierten der Demokraten, um im November als PrĂ€sidentschaftskandidatin ihrer Partei gegen den Republikaner Donald Trump anzutreten. Zudem sammelte sie seit dem RĂŒckzug ihres Chefs mit 81 Millionen US-Dollar in 24 Stunden eine Rekordsumme an Spenden. US-PrĂ€sident Biden kehrt indes wieder in die Hauptstadt Washington zurĂŒck, nachdem er sich seit vergangenem Mittwoch mit einer Corona-Infektion in seinem Privathaus isoliert hatte.

Der Erfolg von Harris weckt bei den Demokraten die Hoffnung auf die langersehnte Wende im Wahlkampf gegen Trump. Wichtige Parteimitglieder, unter anderem Top-Demokratin Nancy Pelosi, stĂ€rkten ihr öffentlich den RĂŒcken. Die UnterstĂŒtzung von den beiden demokratischen Spitzen im US-Kongress steht allerdings noch aus.

Medien: Genug Delegierte stellen sich hinter Harris

SpĂ€testens beim Nominierungsparteitag der Demokraten vom 19. bis 22. August in Chicago könnte Harris zur Kandidatin gekĂŒrt werden. Die PrĂ€sidentenwahl findet am 5. November statt. Doch bereits jetzt haben etliche Delegierte angekĂŒndigt, der Empfehlung Bidens zu folgen und ihre Stimme der VizeprĂ€sidentin zu geben - sie dĂŒrfen wegen des RĂŒckzugs von Biden frei entscheiden, wen sie wĂ€hlen. Um zur Kandidatin gekĂŒrt zu werden, benötigt Harris etwas weniger als 2000 Delegiertenstimmen. Diese HĂŒrde hat sie den SchĂ€tzungen verschiedener US-Medien zufolge schon erreicht. Allerdings steht es den Delegierten des Parteitags im August zunĂ€chst frei, doch noch auch fĂŒr einen anderen Kandidaten zu stimmen.

Gleichwohl bedankte sich Harris in einer Stellungnahme bei den Delegierten fĂŒr deren UnterstĂŒtzung. "Ich freue mich darauf, die Nominierung bald offiziell anzunehmen", hieß es darin. Sie sei stolz darauf, dass die Delegierten aus ihrer Heimat Kalifornien dazu beigetragen hĂ€tten, sie ĂŒber die entsprechende HĂŒrde zu bringen, betonte Harris. Medienberichten zufolge geht die UnterstĂŒtzung der vielen Delegierten aus dem einwohnerstĂ€rksten Bundesstaat der USA vor allem auf Pelosi zurĂŒck, die als Kongressabgeordnete einen kalifornischen Wahlbezirk vertritt.

Pelosi unterstĂŒtzt Harris "offiziell, persönlich und politisch"

Die frĂŒhere Vorsitzende des ReprĂ€sentantenhauses hatte sich zuvor hinter Harris gestellt. Als langjĂ€hrige Abgeordnete hat die 84-JĂ€hrige weiterhin großen Einfluss innerhalb der eigenen Partei - in der Debatte um Bidens Eignung fĂŒr eine zweite Amtszeit galt sie als wichtige Strippenzieherin. Der PrĂ€sident hatte seiner Stellvertreterin als erster die volle UnterstĂŒtzung zugesagt.

Weitere ParteigrĂ¶ĂŸen sprachen sich danach zĂŒgig fĂŒr sie aus - darunter vor allem die ebenfalls als mögliche Bewerber gehandelten Gouverneure Gavin Newsom (Kalifornien), Josh Shapiro (Pennsylvania) und Roy Cooper (North Carolina). Auch Konkurrenz von der einflussreichen Gouverneurin von Michigan, Gretchen Whitmer, muss die VizeprĂ€sidentin nach deren Verzicht nicht fĂŒrchten. Aus dem linken FlĂŒgel der Partei bekam Harris UnterstĂŒtzung von der Abgeordneten Alexandria Ocasio-Cortez.

Der ehemalige PrĂ€sident Barack Obama sprach dagegen nur von der Zuversicht, dass "ein herausragender Kandidat" gefunden werde. Ebenfalls zurĂŒckhaltend blieben zunĂ€chst der MinderheitsfĂŒhrer der Demokraten im ReprĂ€sentantenhaus, Hakeem Jeffries, und der MehrheitsfĂŒhrer der Partei im Senat, Chuck Schumer. Sie attestierten Harris zwar "einen guten Start". Direkte UnterstĂŒtzung gab es aber nicht.

Harris-Wahlkampfteam verkĂŒndet Rekordspenden

Nicht nur die innerparteiliche UnterstĂŒtzung scheint Harris weitestgehend sicher - auch finanziell wĂŒrde sie gut ausgestattet in ein Rennen gegen Trump starten: Ihr Wahlkampfteam hat eigenen Angaben zufolge in den vergangenen 24 Stunden 81 Millionen US-Dollar gesammelt (73 Millionen Euro). Dabei handele es sich um die höchste Summe, die jemals in dieser Zeitspanne von einem möglichen Kandidaten oder eine Kandidatin gesammelt worden sei, hieß es. Die 81 Millionen US-Dollar fließen demnach in eine bereits mit rund 240 Millionen US-Dollar gefĂŒllte Kasse (220 Millionen Euro).

Biden kommt zurĂŒck nach Washington

WĂ€hrend Harris sich fĂŒr den Wahlkampf warmlĂ€uft, wird Biden heute wieder in die US-Hauptstadt Washington zurĂŒckkehren. Der 81-JĂ€hrige hatte er sich seit vergangenem Mittwoch aufgrund seiner Corona-Infektion in seiner Privatresidenz in Rehoboth Beach im US-Bundesstaat Delaware isoliert. Nach Angaben seines Leibarztes befindet Biden sich auf dem Weg der Besserung. Offen blieb allerdings, ob der US-PrĂ€sident weiterhin mit dem Coronavirus infiziert ist. Welche Termine Bidens diese Woche genau stattfinden, ist ebenfalls unklar. Vor der am Mittwoch geplanten Rede von Benjamin Netanjahu vor beiden US-Kongresskammern wollte etwa Israels MinisterprĂ€sident mit Biden zusammentreffen. Außerdem hat der US-PrĂ€sident angekĂŒndigt, seine BeweggrĂŒnde fĂŒr seinen RĂŒckzug aus dem Wahlkampf diese Woche nĂ€her zu erlĂ€utern.

Harris: "Kenne Typen wie Donald Trump"

Kurz vor Bekanntwerden seiner RĂŒckkehr ins Weiße Haus hatte sich Biden telefonisch bei einem Besuch von Harris in der Wahlkampfzentrale der Demokraten zugeschaltet. Es war das erste Mal seit seinem RĂŒckzug, dass die Stimme des PrĂ€sidenten öffentlich zu hören war. Seine Entscheidung hatte er schriftlich aus der Corona-Isolation heraus verkĂŒndet.

Bei dem Auftritt vor Wahlkampfhelfern in Wilmington im US-Bundesstaat ließ Harris schon einmal durchblicken, wie sie sich als Gegenkandidatin zu Trump prĂ€sentieren wĂŒrde. Sie sagte unter anderem, sie habe als StaatsanwĂ€ltin und GeneralstaatsanwĂ€ltin von Kalifornien mit Verbrechern aller Art zu tun gehabt. "Verbrecher, die Frauen missbraucht, BetrĂŒger, die Verbraucher abgezockt und Schwindler, die Regeln zu ihrem eigenen Vorteil gebrochen haben. Hört mir also zu, wenn ich sage, dass ich Typen wie Donald Trump kenne."

Vance: Harris "eine Million Mal schlimmer als Biden"

Die republikanische Gegenseite ging ihrerseits zu weiteren verbalen Attacken auf Harris ĂŒber. Bei Auftritten in den Bundesstaaten Ohio und Virginia bezeichnete Trumps Vizekandidat J.D. Vance sie unter anderem als "eine Million Mal schlimmer als Biden". Sie habe die Politik des Amtsinhabers mitzuverantworten, so der Tenor. Vance zeichnete das Bild von "vernebelten RĂ€umen", in denen "Elite-Demokraten" den Sturz von Biden konspirativ geplant hĂ€tten. Vergangene Woche hatte das Harris-Team den Vizekandidaten als "Extremisten" bezeichnet, der selbst von Großspendern aus dem Silicon Valley "gekauft" worden sei.

Ob Harris Trump schlagen kann, ist offen. Viele Demokraten hoffen darauf, dass sie zumindest verhindert, dass die Republikaner am Ende auch beide Kammern des US-Parlaments kontrollieren - denn bei der Wahl im Herbst werden auch alle Sitze des ReprÀsentantenhauses sowie rund ein Drittel der Sitze im Senat neu vergeben.

@ dpa.de