Geschworene, Schweigegeld-Prozess

Geschworene in Schweigegeld-Prozess sprechen Trump schuldig

31.05.2024 - 05:28:27

Im Prozess um die Verschleierung von Schweigegeld-Zahlungen an eine Pornodarstellerin haben die Geschworenen den ehemaligen US-PrÀsidenten Donald Trump schuldig gesprochen.

Das teilte die Jury am Donnerstag in New York mit. Es ist das erste Mal in der amerikanischen Geschichte, dass ein Ex-PrĂ€sident wegen einer Straftat verurteilt wird. Trump, der am Nachmittag im Gerichtssaal gelassen gewirkt hatte, nahm das Urteil Ă€ußerlich ungerĂŒhrt hin.

Richter Juan Merchan dĂŒrfte das Strafmaß zu seinem spĂ€teren Zeitpunkt festlegen. Trump droht eine mehrjĂ€hrige Freiheitsstrafe, die auch zur BewĂ€hrung ausgesetzt werden könnte, oder eine Geldstrafe. Der Republikaner kann Berufung einlegen - und selbst bei einer rechtskrĂ€ftigen Verurteilung bei der PrĂ€sidentenwahl im November antreten.

Die Staatsanwaltschaft hatte Trump vorgeworfen, er habe seine Aussichten auf einen Erfolg bei der PrĂ€sidentschaftswahl 2016 durch die Zahlung von 130 000 Dollar Schweigegeld an die Pornodarstellerin Stormy Daniels verbessern wollen und den Geldfluss anschließend unrechtmĂ€ĂŸig verbucht. Dazu hatten die sieben MĂ€nner und fĂŒnf Frauen der Jury seit Mitte April die Aussagen von mehr als 20 Zeuginnen und Zeugen angehört - die Beratungen der Geschworenen liefen seit Mittwoch.

Obwohl die - von keiner Seite bestrittene - Zahlung selbst nicht illegal war, soll der heute 77-JÀhrige bei der Erstattung des Betrags an seinen damaligen persönlichen Anwalt Michael Cohen Unterlagen manipuliert haben, um den wahren Grund der Transaktion zu verschleiern. Dadurch habe er sich der illegalen Wahlkampf-Finanzierung in 34 FÀllen schuldig gemacht. Trumps AnwÀlte hatten argumentiert, es habe sich um gewöhnliche Anwaltshonorare gehandelt.

Urteil mit Einfluss auf den Wahlkampf

Das Urteil dĂŒrfte sich auch auf den gegenwĂ€rtigen Wahlkampf in den Vereinigten Staaten auswirken - die Frage dabei ist aber: wie stark und zu wessen Vorteil? Trump versucht den Fall in einen persönlichen Vorteil umzumĂŒnzen und seine AnhĂ€ngerschaft zu mobilisieren, indem er sich als Opfer einer politisch motivierten Justiz inszeniert. Die erste strafrechtliche Verurteilung eines ehemaligen US-PrĂ€sidenten dĂŒrften viele WĂ€hler jedoch als Schande verstehen.

Amtsinhaber Joe Biden wiederum, der im November wiedergewĂ€hlt werden möchte, scheint von der Prozessarie gegen seinen Herausforderer bislang nicht erkennbar zu profitieren. Neueste Umfragen deuten eher darauf hin, dass das Urteil fĂŒr viele Amerikaner wenig an ihrer Wahlentscheidung fĂŒr den 5. November Ă€ndern dĂŒrfte. Einfluss könnte aber das Strafmaß haben - vor allem fĂŒr den eher unwahrscheinlichen Fall einer Haftstrafe.

Der Prozess fand unter beispiellosem medialem Interesse und strengsten Sicherheitsvorkehrungen in Downtown Manhattan statt. US-Medien hatten das Ereignis in Manhattan begleitet wie ein großes Sportereignis und aus dem Gerichtssaal, in dem keine TV-Aufnahmen erlaubt waren, im Minutentakt zitiert. Dabei wurde auch jede Regung Trumps kommentiert, der bei den Sitzungen stets anwesend war und eigentlich nur die Farbe seiner Krawatte von Tag zu Tag variierte.

Politisches Schaulaufen im Gerichtssaal 1530

FĂŒr den kurzen Fototermin zu Beginn der Sitzung setzte Trump regelmĂ€ĂŸig ein grimmiges Gesicht auf. Einige Zeugen-Befragungen schien Trump interessiert zu verfolgen, an anderen Tagen waren sich US-Medien sicher, dass er die Augen ĂŒber lĂ€ngere Zeit geschlossen hielt, weil er eingedöst war. Er nutzte den Prozess und den Medienauflauf dabei fĂŒr den Wahlkampf und monologisierte vor Gerichtssaal 1530 hĂ€ufig wĂŒtend ĂŒber das seiner Meinung nach politisch motivierte Verfahren.

Zudem verwandelte Trump den Prozess in einen LoyalitĂ€tstest fĂŒr seine republikanische Gefolgschaft. Neben dem Sprecher des ReprĂ€sentantenhauses, Mike Johnson kamen auch Bewerber fĂŒr das Amt des Vize-PrĂ€sidenten wie Senator J.D. Vance und GeschĂ€ftsmann Vivek Ramaswamy angereist. Auch Trumps Kinder Eric, Donald Junior und Tiffany waren im Gerichtssaal. Neben der Abwesenheit von Tochter Ivanka fiel aber vor allem auf, dass Ehefrau Melania Trump ihre öffentliche UnterstĂŒtzung verweigerte.

@ dpa.de