Trump telefoniert erneut mit Putin zum Ukraine-Krieg
19.05.2025 - 19:16:18Das WeiĂe Haus und der Kreml bestĂ€tigten den Beginn des Telefonats am spĂ€ten Montagnachmittag deutscher Zeit. Nach ersten russischen Angaben dauerte das GesprĂ€ch mehr als zwei Stunden.
Der US-PrĂ€sident hat das Ziel ausgerufen, den russischen Angriffskrieg in der Ukraine zu beenden. Die Verhandlungen sind aber bisher nicht wirklich vorangekommen - Trump lĂ€sst seinen Unmut darĂŒber regelmĂ€Ăig erkennen: Washington droht seit einigen Wochen, sich aus den Vermittlungen zurĂŒckzuziehen.
Vance: "Ein bisschen in einer Sackgasse"
Kurz vor dem GesprĂ€ch seines Chefs mit Putin machte US-VizeprĂ€sident JD Vance noch einmal klar, dass die USA mit ihrer Geduld langsam am Ende seien. "Wir merken, dass wir uns hier ein bisschen in einer Sackgasse befinden", sagte Vance an Bord der Air Force Two zu Reportern nach einem Besuch in Rom. Wenn Russland nicht dazu bereit sei, sich zu bewegen, mĂŒsse die US-Regierung irgendwann sagen: "Das ist nicht unser Krieg".
Die USA hĂ€tten aber immer deutlich gemacht, dass es viele wirtschaftliche Vorteile gĂ€be, wenn sich die Beziehungen zwischen Russland und dem Rest der Welt verbessern wĂŒrden, sagte Vance weiter. Russland werde diese Vorteile aber nicht bekommen, wenn es weiterhin "viele unschuldige Menschen" umbringe. Trump hatte vor dem Telefonat gesagt, dass er mit dem Kremlchef auch ĂŒber Handelsfragen sprechen wolle.
GesprÀchsfaden mit Russland wieder aufgenommen
Nach seinem Amtsantritt im Januar hatte Trump Mitte Februar und Mitte MĂ€rz mit Putin telefoniert. Unter Trumps AmtsvorgĂ€nger Joe Biden herrschte dagegen zwischen Washington und Moskau ĂŒber lĂ€ngere Zeit weitgehend Funkstille. WĂ€hrend des Telefonats am Montag hielt sich Putin fĂŒr einen Arbeitsbesuch in Sotschi am Schwarzen Meer auf, wo er einen Amtssitz hat. Das GesprĂ€ch mit Trump fĂŒhrte der PrĂ€sident aber im neuen GebĂ€ude einer Musikschule ĂŒber einen geschĂŒtzten Kanal, wie Putins Haus- und Hofreporter beim Staatsfernsehen, Pawel Sarubin, von dort berichtete.
Trump wollte sich am Montag auch mit dem ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj und Vertretern der Nato-Mitgliedstaaten austauschen. UnbestĂ€tigten Medienberichten zufolge hat Trumps anders als erwartet zuerst mit Selenskyj und dann mit Putin gesprochen. Vor dem Telefonat zwischen Trump und Putin hatten die USA und europĂ€ische VerbĂŒndete der Ukraine den Druck auf Russland erhöht. Die Staats- und Regierungschefs aus GroĂbritannien, den USA, Deutschland, Frankreich und Italien hĂ€tten in einem Telefonat auch die Anwendung von Sanktionen erörtert, teilte eine Sprecherin der britischen Regierung mit.
Die Ukraine verteidigt sich mit westlicher UnterstĂŒtzung gegen die russische Invasion, geriet zuletzt aber unter Druck - auch weil die US-Regierung unter Trump ihre militĂ€rische Hilfe fĂŒr Kiew deutlich reduzierte. Putin zeigte auf die BemĂŒhungen der USA wenig Entgegenkommen, einziges ZugestĂ€ndnis war bisher die Entsendung einer rangniedrigen Delegation zu Verhandlungen mit einer ukrainischen Vertretung in Istanbul. Einzig konkretes Ergebnis dieses Treffens unter tĂŒrkischer Vermittlung am Freitag war die Vereinbarung zu einem baldigen Austausch von jeweils 1.000 Kriegsgefangenen. Ein genauer Zeitpunkt dafĂŒr wurde nicht genannt.
Selenskyj: Russen haben in Verhandlungen gedroht
Selenskyj ordnete in Kiew nun die Schaffung einer permanenten nationalen Verhandlungsgruppe an. Ziel der diplomatischen BemĂŒhungen sei ein echter und nachhaltiger Frieden, teilte Selenskyj er mit. Er habe sich von Verteidigungsminister Rustem Umjerow ĂŒber den Verlauf der GesprĂ€che mit der russischen Delegation am vergangenen Freitag in Istanbul informieren lassen, sagte er. Als bedeutendstes Ergebnis bezeichnete Selenskyj die Vereinbarung ĂŒber den Austausch der jeweils 1.000 Kriegsgefangenen. Es wĂ€re die bisher gröĂte Freilassung von Kriegsgefangenen auf beiden Seiten.
Zugleich berichtete Selenskyj nach dem GesprĂ€ch mit Umjerow, dass die Russen in den Verhandlungen Drohungen ausgestoĂen hĂ€tten. Die ukrainische Seite habe diese zurĂŒckgewiesen. Details nannte der PrĂ€sident nicht. Laut Medien soll die russische Seite gedroht haben, den seit mehr als drei Jahren andauernden Krieg gegen die Ukraine auf unbestimmte Zeit fortsetzen zu können.
Selenskyj betonte, dass die Ukraine bei den GesprĂ€chen am Ziel einer bedingungslosen Waffenruhe fĂŒr mindestens 30 Tage festhalte, damit Menschenleben gerettet wĂŒrden und die Grundlage fĂŒr Diplomatie geschaffen werden könne. Er bekrĂ€ftigte auch die Bereitschaft zu einem Treffen mit Putin, "um SchlĂŒsselfragen zu lösen" in dem Konflikt. "Die Ukraine hat keine Angst vor direkten GesprĂ€chen mit Russland."

