ROUNDUP, Selenskyj

Selenskyj beendet europĂ€ische Werbetour fĂŒr 'Siegesplan'

12.10.2024 - 07:05:21

Im RĂŒckblick auf seine dreitĂ€gige Europatour hat der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj seinen Landsleuten weitere internationale UnterstĂŒtzung fĂŒr den Krieg gegen Russland in Aussicht gestellt.

"Die Welt ist bereits das dritte Jahr dieses Krieges mit der Ukraine, denn unsere Leute - Millionen Ukrainer - verdienen diese UnterstĂŒtzung!", versicherte der Staatschef in seiner tĂ€glichen Videobotschaft vor seinem Abflug aus Berlin.

Er habe dabei in Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Italien seinen "Siegesplan" vorgestellt. "Alle Details unserer Strategie zum NĂ€herbringen des Friedens - geopolitische, militĂ€rische, ökonomische", sagte Selenskyj, ohne konkreter zu werden.

Wichtig sei dabei gemeinsames Handeln, appellierte er an die auslĂ€ndischen Partner. "Jeder, der die entsprechenden KrĂ€fte, den notwendigen Einfluss hat, um einen zuverlĂ€ssigen Frieden zu garantieren und Russland zum Frieden zu zwingen", sagte Selenskyj. Und es sei jetzt, in diesen Monaten zu handeln. Ab jetzt werde sein Team mit den Partnern in Europa zusammenarbeiten, um die geplanten Schritte maximal mit Inhalten zu fĂŒllen.

"Und dieser unser Plan muss zu einem wirksamen zweiten Friedensgipfel fĂŒhren, damit der Krieg beendet wird", fĂŒhrte der PrĂ€sident aus. Das sei ein gerechtes, faires Ende des Krieges. "Ich bin mir sicher, dass der Siegesplan - wenn die Partner tatsĂ€chlich entschlossen an unserer Seite sein werden - zu einer zuverlĂ€ssigen BrĂŒcke zwischen der Situation jetzt und dem Frieden wird, den wir anstreben", unterstrich Selenskyj.

In seiner Ansprache dankte er vor allem Deutschland fĂŒr die bereitgestellte MilitĂ€rhilfe. "Ich danke besonders fĂŒr die Flugabwehrsysteme. Dabei ist Deutschland fraglos fĂŒhrend bei der UnterstĂŒtzung", unterstrich der PrĂ€sident und hob ein weiteres Iris-T-Flugabwehrsystem hervor. Mit Kanzler Olaf Scholz (SPD) sei dabei bereits die UnterstĂŒtzung fĂŒr das kommende Jahr besprochen worden. "FĂŒr uns ist es besonders wichtig, dass der Hilfsumfang von Deutschland stabil bleibt und das wird trotz allem ein Signal fĂŒr den sicheren Weg zum Frieden", sagte der Ukrainer.

HĂ€me aus Moskau nach Selenskyjs Deutschlandbesuch

Im russischen Parlament wurde mit hĂ€mischen Kommentaren auf den Deutschlandbesuch von Selenskyj und weitere angekĂŒndigte MilitĂ€rhilfen reagiert. "Rettet dies das Kiewer Regime? Definitiv nicht!", schrieb der Chef des AuswĂ€rtigen Ausschusses der Duma, Leonid Sluzki, bei Telegram. Alle gelieferten Haubitzen und Panzer wĂŒrden brennen, wie einst die deutschen Tiger-Panzer wĂ€hrend des Zweiten Weltkrieges, und ein russischer Sieg sei unausweichlich. "Und Scholz sollte sich besser um die Probleme der deutschen WĂ€hler kĂŒmmern", schloss Sluzki.

Neue russische Drohnenangriffe

Das russische MilitĂ€r hat in der Nacht zum Samstag erneut Kampfdrohnen in diverse Regionen der Ukraine gestartet. Mehrere SchwĂ€rme der unbemannten, mit Sprengstoff ausgestatteten Flugkörper wurden sowohl bei Sumy und Charkiw im Osten als auch aus Saporischschja gemeldet. Über die Auswirkungen dieser Angriffe lagen zunĂ€chst keine Informationen vor.

Weiter KĂ€mpfe in der Region Kursk

Unterdessen wollen die russischen Truppen mehr als ein Dutzend Orte im Grenzgebiet Kursk wieder zurĂŒckerobert haben. "Von den Kursker Siedlungen, die vom Gegner besetzt wurden, sind 15 bereits befreit", behauptete der Kommandeur der tschetschenischen Spezialeinheit "Achmat", Apti Alaudinow, in einem Interview fĂŒr die Zeitung Komsomolskaja Prawda. Die Angaben konnten nicht unabhĂ€ngig geprĂŒft werden.

Russischen Behörden zufolge hatten ukrainische Truppen 28 russische Ortschaften unter ihre Kontrolle gebracht. Nach Angaben aus Kiew waren allerdings nach dem Vorstoß von Anfang August fast 100 russische Orte im Kursker Gebiet unter ukrainische Kontrolle geraten.

Drohender Heizungsausfall in Pokrowsk

Die frontnahe ostukrainische Stadt Pokrowsk droht wegen des stĂ€ndigen russischen Beschusses im kommenden Winter ohne FernwĂ€rmeversorgung zu bleiben. "Aufgrund fehlenden Erdgases, Wassers und Stroms ist die Heizsaison gefĂ€hrdet und es wird sie wahrscheinlich wohl nicht geben", erklĂ€rte der Chef der MilitĂ€rverwaltung der Stadt, Serhij Dobrjak, gemĂ€ĂŸ einer Mitteilung.

Von einst ĂŒber 60.000 sollen noch mehr als 12.000 Einwohner in der Stadt geblieben sein. Die Frontlinie verlĂ€uft etwa acht Kilometer sĂŒdöstlich von Pokrowsk. In einem kĂŒrzlichen Bericht hatten die Vereinten Nationen vor drohenden Heizungs- und StromausfĂ€llen in der gesamten Ukraine aufgrund der durch russischen Beschuss verursachten KraftwerksschĂ€den gewarnt.

Nach einem UN-Bericht ist der September der Monat mit der grĂ¶ĂŸten Zahl an zivilen Opfern im Jahr 2024. Demnach seien 208 Zivilisten getötet und 1200 verletzt worden. Etwa die HĂ€lfte der Opfer sei dabei ĂŒber 60 Jahre alt und nur acht Prozent der Opfer seien in den von Russland kontrollierten Gebieten verzeichnet worden. Seit Juli steigen die zivilen Opferzahlen wieder.

Die Ukraine verteidigt sich seit ĂŒber zweieinhalb Jahren gegen eine russische Invasion.

@ dpa.de