Insolvenzen, Deutschland

Hohe Preise treiben mehr Menschen in die Schuldenfalle

27.02.2026 - 05:00:24 | dpa.de

Immer mehr Privatinsolvenzen: Steigende Kosten und spontane RatenkÀufe bringen viele Haushalte an ihre Grenzen. In einer Altersgruppe hat sich die Zahl der Pleiten besonders stark erhöht.

Nach Angaben des Dienstleisters Crif ist die Zahl der Privatinsolvenzen 2025 in Deutschland gestiegen. (Symbolbild) - Foto: Jonas Walzberg/dpa
Nach Angaben des Dienstleisters Crif ist die Zahl der Privatinsolvenzen 2025 in Deutschland gestiegen. (Symbolbild) - Foto: Jonas Walzberg/dpa

Hohe Energie- und Lebensmittelpreise treiben immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher in die Pleite. 107.816 Privatinsolvenzen wurden nach Angaben des Informationsdienstleisters Crif im vergangenen Jahr in Deutschland registriert. Dies seien 7,8 Prozent mehr als 2024, und die Zahlen dĂŒrften weiter steigen.

Die finanzielle Situation vieler Privatpersonen bleibe angespannt, sagt Crif-Deutschland-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Frank Schlein: «Trotz einer grundsĂ€tzlich höheren Sparbereitschaft reichen die RĂŒcklagen in vielen Haushalten nicht mehr aus, um die steigenden Kosten aufzufangen.» Durchschnittlich beliefen sich die Schulden der Betroffenen auf rund 15.000 Euro.

Im laufenden Jahr noch mehr Verbraucherinsolvenzen erwartet 

FĂŒr 2026 rechnet Crif derzeit mit 110.000 Privatinsolvenzen hierzulande. Damit wĂ€re der Wert aus dem Jahr 2021 ĂŒberschritten, in dem es infolge einer GesetzesĂ€nderung knapp ĂŒber 109.000 FĂ€lle gegeben hatte. Damals waren ein Jahr zuvor viele InsolvenzantrĂ€ge zurĂŒckgehalten worden, um von der vom 1. Januar 2021 an geltenden VerkĂŒrzung der Restschuldbefreiung zu profitieren: Die Dauer des Verfahrens reduzierte sich von sechs auf drei Jahre.

Die Hauptursachen fĂŒr Privatinsolvenzen sind nach Angaben von Crif unverĂ€ndert: Arbeitslosigkeit, gescheiterte SelbststĂ€ndigkeit, Trennung oder Scheidung, gesundheitliche Probleme.

Junge Leute besonders oft betroffen

Prozentual stiegen die Fallzahlen 2025 im Vergleich zum Vorjahr am stĂ€rksten bei den 18? bis 20?JĂ€hrigen (plus 52,6 Prozent) und bei den 21? bis 30?JĂ€hrigen (plus 28,6 Prozent). Ein Grund nach EinschĂ€tzung von Crif: Spontane RatenkĂ€ufe. Angebote wie «Buy Now - Pay Later» («Kaufe jetzt, bezahle spĂ€ter») sind verlockend, insbesondere, wenn online schnell per Mausklick eingekauft werden kann und die Finanzierung zum Nulltarif angepriesen wird. VerbraucherschĂŒtzer warnen regelmĂ€ĂŸig davor, dass Menschen ihre Finanzkraft ĂŒberschĂ€tzen und mehr auf Pump kaufen, als sie sich leisten können.

Die meisten Privatinsolvenzen im vergangenen Jahr zĂ€hlte Crif im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen mit 25.864 FĂ€llen. Umgerechnet auf die Einwohnerzahl gab es die meisten Verbraucherpleiten in Bremen mit 201 FĂ€llen je 100.000 Einwohner, die wenigsten Privatinsolvenzen zĂ€hlten demnach Bayern und ThĂŒringen mit jeweils 86 je 100.000 Einwohner.

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